Nach einer langen Nacht erreichten wir, 2 ½ Stunden früher als nach Plan, am frühen Morgen Sydney. Wer sich die Fahrt über die Harbour Bridge an diesem Tag um 8 Uhr morgens nun aber mit wunderschönem Ausblick auf das Opera House vorstellen mag, der liegt hier leider falsch. Von Nebel und Regen versteckt musste uns unser Busfahrer schon darauf Aufmerksam machen, damit wir es – schemenhaft und mehr erahnt als tatsächlich gesichtet – erkennen konnten.
Kaum mit dem Bus an der Centralstation angekommen, ging es auch schon daran, die zahlreichen Gepäckstücke, die so viele Sydney-Silvester-Reisende mit sich gebracht hatten, aus dem Bus zu entladen. Dabei hieß es schnell sein, denn nahm man dem Busfahrer sein Gepäckstück nicht aus der Hand, landete dieses mit einem großen „Platsch“ in jenem kleinen Bächlein, dass sich da am Rande des Fußweges gebildet hatte. „Das wäre doch jetzt mal Wetter um meine Odisys Regenjacke zum Einsatz zu bringen“ - doof nur, dass die ganz unten im Koffer lag und ich diesen schlecht in der zentralen Bus-und-Bahn-Umsteige-Stelle öffnen konnte. Da hatten Olga und Nadja wohl eindeutig mehr mit gedacht, als sie ihre Rucksäcke packten.
In T-Shirt und kurzer Hose, sowie mit Rucksack, Essenstasche und Trolley bepackt, ging es also im strömenden Regen in Richtung unseres Hostels. Dabei schleiften Olga und ich unsere Trolleys unsägliche Male durch „Straßenrandbäche“ - vielleicht wäre ein Backpack (ein großer Reiserucksack) doch keine so schlechte Idee gewesen. Endlich im Maze Backpackers angekommen, triefte ich nun also von Kopf bis Fuß und durfte zu meiner „Freude“ erfahren, dass wir erst um 14 Uhr einchecken konnten. Also hieß es die Sachen (ebenfalls ganz schön durchnässt) die Treppen hinunter in den Abstellraum hieven. Hier machte sich wieder meine Erkältung bemerkbar, denn selbst die Trepen ohne Gepäck hinauf und hinunter zu laufen, versetzte mich in den Zustand eines heftigen Dauer-Rumschnaufens. Ein bisschen kam ich mir ja vor, wie ein wütendes Nilpferd.In diesem miesen Wetter lag es uns natürlich fern, hinaus zu treten und Sydney zu erkunden, doch man informierte uns, dass sich im dritten Stock des Gebäudes ein Fernsehraum befinden würde.
Nilpferd-Schnaufend erreichte ich also das dritte Stockwerk und zu meiner Freude hatte man dort Softmatten ausgelegt und Sitzsäcke verteilt, die das Fernsehgucken ein wenig gemütlicher gestalteten. Sogleich hatte ich mir eine der Matten in einer Ecke geschnappt und mich häuslich eingerichtet: die (halb-seitig natürlich völlig durchnässte) Tempobox zu meiner Rechten, die Wasserflasche zu meiner Linken und auch die Vanillekipferl, die ich im Weihnachtspaket meiner Eltern erhalten hatte, hatten mit mir die Treppenstufen erklommen. Damit bewaffnet schaffte ich es die 5 Stunden bis 14 Uhr zu überstehen. Die Vanillekipferl leisteten dabei bei ihrer Aufgabe, mit als Frühstücks-und-Mittagsessen-Ersatz zu dienen, ganze Arbeit und die eingelegten Filme unterhielten mich zur Genüge, sodass aus dem Schlaf-Vorhaben schlussendlich doch nichts wurde.
Um 14 Uhr schleppte ich mich also zurück zur Rezeption um nun endlich einchecken zu können. Raum 45 im zweiten Stock sollte es sein – na klasse, das bedeutete ich musste meine Sachen aus dem Keller 3 Stockwerke hinauf tragen. Na das konnte ja heiter werden!
Nachdem nun also die erste Hürde – die Treppen – überwunden war und ich ein ganz neues Level des Nilpferd-Schnaufens erreicht hatte, stellte sich mir schon wieder eine neue Hürde in den Weg: Das Maze (= Irrgarten) war seinem Namen wirklich gerecht geworden, denn es war tatsächlich wie ein Labyrinth aufgebaut, indem Olga und ich uns natürlich prompt verliefen – und das nicht nur einmal. Schließlich mit allen meinen Sachen im Zimmer angekommen und entsprechend verschwitzt – das Fieber tat sein Übriges dazu - wollte ich nur noch eines: Eine Dusche.
Nachdem dieser wirklich notwendige Akt der Reinlichkeit ( ;) ) verrichtet war, blieb mir nicht viel Zeit, um mich häuslich einzurichten, denn ich hatte mich mit Justin, den ich in Noosa kennegelernt hatte, verabredet. Das Wetter hatte sich ein wenig verbessert und so war es zwar immer noch grau und wolkenverhangen, aber zumindest regnete es nicht mehr. Ich traf mich mit Justin in einem Café um die Ecke und gemeinsam machten wir uns auf den Weg, die George Street hinunter, denn wir wollten uns das Opera House, sowie die Harbour Bridge angesehn und ein wenig im Botanischen Garten umher schweifen. Der Weg, der dank meiner Verfassung – ich kam mir mittlerweile wie ein altes schnaufendes Nilpferd vor – mit mehreren Sitzpausen unterbrochen werden musste, führte uns vorbei an so allerlei netten Geschäften und spätestens jetzt stand fest: ich würde hier wirklich noch mal Shoppen gehen müssen.
Schließlich erreichten wir Circular Quay, einen der zentralen Verkehrs-Knotenpunkte Sydneys. Der Circular Quay (= runde Kai) befindet sich am nördlichen Ende des Stadtzentrums und liegt rund um die Bucht „Sydney Cove“. An der Einfahrt der Bucht befindet sich das Sydney Opera House und ein wenig weiter westlich befindet sich die Sydney Harbour Bridge.
Am 26. Januar 1788 kamen genau hier in der Sydney Cove die ersten britischen Siedler an und somit wurde Sydney zur ersten gegründeten Siedlung Australiens (der Name geht übrigens auf den damaligen britischen Innenminister Lord Sydney zurück). Kein Wunder also, das Circular Quay zum Australia Day, dem australischen Nationalfeiertag am 26. Januar, Standort zahlreicher Attraktionen darstellt.
Heute wird der Circular Quay vor allem, wie erwähnt, als Verkehrs-Knotenpunkt verwendet. Von hier kann man von Bussen, U-Bahnen, über Fähren und Kreuzfahrtschiffen alles nehmen. Dabei ist der Circular Quay mit all seinen kleinen Geschäftchen und Cafés auch noch richtig gemütlich und läd dazu ein, ihn hinunter zu schlendern. Mit seiner direkten Sicht auf sowohl Harbour Bridge zur Linken und Opera House zur Rechten, ist er außerdem natürlich perfekter Standort für ausgiebige Touri-Fotosessions. Natürlich stellten Justin und ich dabei keine Ausnahme dar ;)
Schließlich stand ich also vor dem Sydney Opera House, dem wohl bekanntesten Gebäudes Australiens. Wohl jedes kleine Kind weiß spätestens nach dem Film „Findet Nemo“, wie es aus sieht und es würde mich nicht wundern, wenn es beim durchschnittlichen Europäer das erste Bild wäre, was ihm bei dem Wort „Australien“ in den Kopf schießt – zumindest war es, vor meinem Aufenthalt in diesem wunderschönen Land, sicherlich mein erster Gedanke gewesen.
Nun, wo ich es so in voller Größe und in Natura vor mir sah, beschlich mich jedoch ein anderer Gedanke: „Mensch, das könnten sie aber wirklich mal wieder sauber machen!“ Wo an einem sonnigen Tag vermutlich die Reflexion der Sonnenstrahlen über die graue Schicht, die sich auf seinen Schalen abgelegt hatte, hinweg trügt, verhinderte heute die dicke Wolkenschicht diesen Effekt und legte offen, wie wenig Sorgfalt dem Haus offensichtlich zugedacht wird. Für das Wahrzeichen Australiens hätte ich da aber mehr erwartet! Na ja, vielleicht sollte ich der Stadt ja mal meine Dienste als Sauber-mach-Teufel anbieten ;)
Der Entwurf für das Sydney Opera House wurde 1957 von dem dänischen Architekten Jørn Utzon eingereicht und setzte sich, im von der Stadt Sydney veranstalteten Wettbewerb, gegen alle 232 Mitbewerber durch. Sein Entwurf erinnert an die Segel eines Schiffes, was, durch die Lage des Opernhauses in der Einfahrt des Hafens, besonders schön zur Geltung kommt.
Das ursprünglich erdachte Etat betrug dabei 3,5 Millionen £ und der Bau sollte zum Australia Day im Jahre 1965 eingeweiht werden. Doch die gekrümmten Schalen seines Daches, bereiteten in der Umsetzung immer wieder Probleme, da sie sehr schwer zu berechnen waren. So musste der Bauplan einige Male an die Realität angepasst werden und die Baukosten stiegen in eine Höhe von schließlich über 50 Millionen £ (~ 65 Millionen Euro) – 46,5 Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt! Auch der Termin der Fertigstellung musste um 8 Jahre verschoben werden und so eröffnete das Opera House schließlich erst im Jahre 1973. Mittlerweile war es zwischen der Regierung des Bundesstaates New South Wales und dem Architekten auf Grund der immer weiter steigenden Baukosten, sowie der Kompromisse, die zu Zwecken der physikalischen Gesetzte getroffen werden mussten ;) zum Eklat gekommen, der in einer nahezu fluchtartigen Ausreise Utzons im Jahre 1966 ausuferte, der seit jeher nie wieder einen Fuß auf den australischen Kontinent gesetzt hat. Eine Gruppe junger australischer Architekten brachte das Werk schlussendlich zu Ende. Utzon selbst konnte das von ihm Entworfene Bauwerk, das heute sogar zum UNESCO-Welterbe zählt also nie fertiggestellt betrachten.
Mit einer Broschüre bewaffnet, jedoch mit wenig Hoffnung, dass es dafür noch Karten geben würde, begaben wir uns nun also in den Botanischen Garten. Hier forderte uns ein Schild freundlich dazu auf, den Rasen zu betreten. Huch! Was war denn das?! Das ist ja mal ungewöhnlich! Normalerweise bekommt man das doch immer nur verboten! Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so machten wir sogleich von unserer neu gewonnen Rasen-Freiheit Gebrauch und setzten uns nieder um ein wenig die abendliche Atmosphäre Sydneys zu inhalieren.
Doch natürlich konnte diese Ruhe mit uns beiden nicht lange anhalten, denn Energiebündel wie wir beiden sind und ebenso abenteuerlich, kam uns die grandiose Idee, einen der Bäume des Parkes zu erklimmen – schließlich schienen die sich mit ihren niedrig liegenden Ästen und Gabelungen geradezu dazu anbieten zu wollen. Dass das vermutlich verboten war, war uns auch klar, aber hey, zumindest hatte keiner ein Schild aufgestellt: „Das klettern auf Bäumen ist verboten“. Wir konnten uns also nicht hundert prozentig sicher sein ;)

Das Hochkommen auf den Baum stellte sich dann doch als ein wenig schwerer heraus, als wir es vermutet hatten und es erforderte schon all meine Kraft, um Justin von unten auf dem Baum zu halten, während er versuchte, irgendwo Halt zu finden. Schließlich oben angekommen, schaffte ich es, dank seiner Hilfe von oben, auch noch auf den Baum und da saßen wir nun also auf unserem großen Ast und fragten uns: „Und wer zur Hölle macht jetzt von uns beiden hier oben ein Foto?!“ Na ja, dann gab es eben kein Foto, sondern nur einen schönen Ausblick von etwas weiter oben über den Park.
Als wir schließlich genug vom Eichhörnchen-Leben hatten, stellte sich uns die Frage: „Wie kommen wir hier jetzt eigentlich wieder runter?!“. Der Weg, den wir hinauf gekommen waren wussten wir, konnten wir nicht so einfach wieder hinunter, denn es hatte eigentlich nur Halt für die Hände gegeben und wir hatten uns größtenteils über unsere Arme hochziehen müssen. Eine Stelle, wo wir nun also unseren Fuß abstellen hätten können, gab es also nicht – so ein Mist! Heldenmütig wie er ist, erreichte Justin von seiner erhöhten Position auf dem Ast schließlich einen anderen Zweig, von dem er herunter springen konnte und „anmutig wie eine Fee“ glitt auch ich mit seiner Hilfe den Baum hinunter... na ja, vielleicht ist das auch nur Wunschdenken... ich schaffte es auf jeden Fall irgendwie wieder vom Baum herunter... über meine Eleganz bei diesem Unterfangen schweigen wir an dieser Stelle mal besser.
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