Der nächste Tag begann schon früh, schließlich hatte ich mir vorgenommen heute Surfen zu erlernen. Ich begab mich also um 10 Uhr - nach einem ausgiebigen Müsli-Frühstück - zum Surfshop, wo sich außer mir noch 25 andere versammelt hatten. Eine Gruppe von 26 Anfängern war dabei ein echter Glücksfall, nahm diese Surfschule doch keine Buchungen an, sondern nahm einfach jeden mit zum Strand der aufkreuzte. Dabei muss es wohl schon des öfter vorgekommen sein, dass über 40 Personen teilnahmen und man sich damit ein Surfboard teilen musste. Bei 17 Dollar für 3 Stunden kann man wohl auch nichts anderes erwarten. Glück gehabt, dass nicht so viele auf die selbe Idee kamen, wie ich.
Wir begaben uns also hinunter zum Strand, schnappten unsere Surfboards und versammelt uns alle in einem großen Halbkreis. Dabei stellte es schon eine kleine Herausforderung dar, das Surfboard dort hin zu befördern, den der relativ stark blasende Wind drückte immer wieder gegen das Board und zwang mich so einige Male, mich seitwärts zu drehen. Schließlich jedoch, fand ich mich ebenfalls in Halbkreis ein und wir wurden über Paddeltechniken und vor allem über die Aufsteh-Technik aufgeklärt. Dabei gab man uns 2 Wege zur Auswahl: Weg Nummer eins bestand darin, sich mit dem Oberkörper abzudrücken und in einem Satz auf die Beine zu springen. Nachdem wir diese Version ausprobiert hatten, stellte sich für den Großteil der Schüler heraus: So werde ich ganz sicher nicht auf mein Brett kommen.Version Nummer zwei winkelte jenes Bein seitlich an (ein bisschen, als imitierte man einen Flamingo, nur im Liegen), dass am Ende auf dem hinteren Teil des Boards landen sollte, und nutzte dieses, um sich gut hoch zu drücken und aufzuspringen. Nachdem wir dieses Vorgehen einige Male an Land geübt hatten, ging es nun endlich ins Wasser.
Dort musste ich nun leider feststellen, dass man uns mit unseren ersten Versuchen so ziemlich alleine ließ, gab es doch nur 2 Lehrer für 26 Leute und somit konnte natürlich nicht jeder gleich Aufmerksamkeit bekommen. Ohne wirkliche Ahnung, wann ich eine Welle zu nehmen hatte, stürzte ich mich also ins Getümmel – und stürzte damit natürlich gleich vom Brett. Die ersten 20 – 30 Versuche hatten es dabei wirklich in sich, schaffte ich es doch magischer Weise jedes Mal, mich an einer anderen Stelle zu verletzten. Mit den Knien landete ich im seichten Wasser mit vollem Karacho auf dem Boden; das Board knallte mir gegen den Brustkorb, weil ich es senkrecht vor mich gehalten hatte und es von einer Welle erfasst worden war; mein Zeh wurde demoliert, da das Brett sich zwischen Zeh und Nagelbett bohrte und begann zu bluten, und so weiter und so weiter.
So schnell wollte ich trotzdem nicht aufgeben, war ich doch bisher kein einziges Mal auf mein Brett gekommen. Das größte Problem stellten dabei Krämpfe dar, die ich jedes Mal bekam, sobald ich mich mit meinem rechten Bein (mein hinteres Bein) abzustützen versuchte – mal im Bein, mal im Fuß, mal im Zeh – und die es mir unmöglich machten mich aufzurichten. Hatte ich diese mal nicht, so brachte mich die ungleiche Belastung des Surfboardes (denn schließlich stützte ich mich mit dieser Technik ja nur auf der rechten Seite meines Boardes ab, bis mein linkes Bein auf das Brett gelangte... was es meistens nicht tat) zu Fall. Als die Surfstunde nach etlichen Versuchen für mich immer noch ohne Erfolg endete, war ich schon ganz schön enttäuscht. Naja, was soll's, ich hatte mich für den nächsten Tag ohnehin bei der zweiten Surfschule im Ort einbuchen lassen, die mit ihren 30 Dollar zwar etwas teurer war, dafür aber eine Gruppenstärke von maximal 15 Leuten haben sollte und für 4 Stunden angesetzt war.
So brauste ich also nach Hause und sprang unter die Dusche, denn schon in einer Stunde stand für mich die nächste Aktivität an: Ich hatte mich für die „Scooteroo“ Tour eintragen lassen. Bei dieser Tour handelte es sich um eine Chopper-Tour, das heißt um eine Tour mit jenen großen, bequemen Motorrädern, die man so häufig mit einem bierbäuchigen, älteren Rocker besetzt sieht. Mit diesen sollten wir die Umgebung von Agnes Water und 1770 in einer großen Gruppe erkunden können. Ein Motorradführerschein war dafür nicht nötig, lediglich der Autoführerschein musste bestanden worden sein. Auch ein paar neu gefundene Freunde wollten mit auf die Tour kommen, so wie Olla und Meital (beide 21), zwei Mädels aus Israel, die mit in meinem Zimmer waren und Philipp (27), der als Physiotherapeut in Langen arbeitete - was über die B26 so etwa 10 Minuten von Roßdorf entfernt ist - und mit dem ich beim Frühstück ins Gespräch gekommen war.


Wir wurden also von … abgeholt, den wir ja schon am Vortag als unseren Stadtführer kennen gelernt hatten und zu seinem Anwesen hinüber gefahren, wo die Motorräder schon sehnsüchtig auf uns warteten. Nachdem alle Formalitäten beseitigt waren, durften sich jeder ein Motorrad aussuchen . Ich entschied mich für ein rotes Motorrad mit schwarzen Flammen und wurde sogleich von … darüber aufgeklärt, dass ich mir den „Red Devil“, also den „roten Teufel“ ausgesucht hatte. Sogleich wurde unser Motor gestartet und wir durften langsam, einer nach dem anderen, bis zur Straße vor fahren, wo wir auf den Rest der Gruppe warteten. Insgesamt handelte es sich dabei um eine Gruppe von etwa 40 Leuten, sodass wir, wo auch immer wir auftauchten, für großes Aufsehen sorgten ;)


Der rote Teufel schien sich mich gleich als sein Opfer heraus gesucht zu haben, denn mitten im Fahren, ging der Motor plötzlich aus und so rollte ich nur noch hinter den anderen her. Gut, dass ich aufgepasst hatte, wie er gestartet wird, sodass ich ihn gleich wieder zum Laufen bringen konnte. Ich bezweifle zwar, dass es für einen Motor gesund sein kann, wenn man ihn startet, während das Motorrad mit etwa 40 km/h durch die Gegend rollt, aber ich konnte schlecht die ganze Kolonne hinter mir anhalten.

Wir tuckerten also die Straßen entlang und bei jeder Abbiegung, die wir auf den Landstraßen-ähnlichen Straßen nehmen mussten, verursachten wir beinahe eine Vollsperrung ;) Die Jungs, die für Scooteroo arbeiteten, und uns mit ihren Motorrädern begleiteten, stellten dabei sicher, das niemand in ein Auto raste. Sehr aufmerksam von ihnen ;)
Unsere Motorräder hatten zwar nur einen Gang, aber bis 80 konnte man sie trotzdem hinauf trietzen. Ich hatte jedoch nie wirklich eine Ahnung, wie schnell wir fuhren, spielte doch meine Tacho verrückt und ließ den Anzeige-Pfeil nur wild hin und her huschen. Ich sag ja, kein kleiner Teufel wohnt in der Maschine.
Als … eine Gruppe von Kängurus nahe der Straße entdeckte, l

ieß er uns alle anhalten und absteigen. Er erklärte uns, um an die Kängurus ran zu kommen, müsse man sich in einer großen Gruppe gemeinsam bewegen und sobald das Känguru in die Richtung der Gruppe blicke, müsse man stehen bleiben und es sich an sie gewöhnen lassen. So würden sie sich nicht bedroht fühlen. Während nun also alle wie die Blöden in Richtung Kängurus dackelten, fanden Philipp und ich ein viel interessanteres Motiv als die Kängurus: Nämlich die Affen, die sie beglotzten ;) Wir hatten schon so einige Kängurus in freier Wildbahn gesehen und so bestand sicherlich kein Bedarf daran, sie mit einer großen Gruppe, nur für ein Foto, zu verängstigen. Die Tipps, die … uns gegeben hatte,

wurden natürlich nicht eingehalten. Stattdessen bildeten alle fast einen Halbkreis um die Kängurus und auch das mit dem stehen bleiben funktionierte mehr als dürftig. Während die vordere Reihe stehen blieb dappelte die dahinter lauthals quatschend weiter. Als Känguru hätte ich mir ganz schön in den Beutel gemacht! Natürlich verzogen die sich immer weiter vor diesen komischen Gestalten, die da auf sie zu kamen, was diese nicht dazu bewegte ihre „Jagt“ aufzugeben. Nur mit einem beherzten Sprung ins Unterholz konnten sich die Kängurus vor den neugierigen Augen der Affen schützen. Nochmal Glück gehabt ;)
Wir nutzten derweil die Zeit für ein paar Poser Fotoaufnahmen, die doch viel interessanter sind, als Kängurus. Oder was meint ihr?


Als die Dämmerung bereits nahte, begaben wir uns hinunter nach 1770 um uns den Sonnenuntergang anschauen zu können. Aus dem „Ansehen“ wurde dann leider nicht wirklich etwas, denn es war bewölkt, aber wir konnten ihn förmlich fühlen ;) Dazu gab es Kartoffelecken mit Sour Cream + Süßer Chilli Sauce. Lecker!
Als diese vernichtet waren, begaben wir uns zurück aufs Motorrad und fuhren in Richtung Ausgangspunkt zurück. Dort angekommen hieß es dann, sich von den Motorrädern trennen und die Ausrüstung zurück geben. … bedankte sich bei unserer Gruppe und ließ es sich natürlich nicht nehmen, die Fahrerin des „roten Teufels“ erneut hervor zu heben. Das er mich dabei als Engländerin bezeichnete, machte mir nicht sonderlich viel aus, denn ich hatte seit Mackay mit niemandem mehr deutsch gesprochen, außer mit meiner Familie. Einen deutschen Akzent hatte ich im Englischen auch nicht (geschweige denn habe ich einen britischen... keine Ahnung wie er auf die Idee kam) und so vermuteten Deutsche, die ich auf Englisch ansprach, nicht woher ich kam. Nur, wenn sie nachfragten, bekamen sie gesagt, dass ich deutsch sei, aber dennoch blieb ich bei meinen englischen Konversationen, schloss doch die deutsche Sprache all jene aus der Konversation aus, die ihrer nicht mächtig waren. Auch mit Philipp also, mit dem ich den Großteil der Tour verbracht hatte, sprach ich nur Englisch, obwohl er von meiner Herkunft wusste.
Wir wurden also wieder in einen Kleintransporter verfrachtet und begaben uns auf den Weg zurück zum Hostel. Dabei wurde ich von meinen Großeltern angerufen. Nun konnte ich natürlich nicht anders, als Deutsch zu sprechen und so bat ich sie im klarsten Deutsch, mich etwas später zurück zu rufen. Kaum hatte ich das erste Wort gesagt, schnellte jeder der etwa 10 Köpfe im Wagen herum und starrte mich an. Nur Philipp grinste wissend. Das hatte wohl für einige Verwirrung gesorgt ;)