Montag, 30. November 2009

Surfen die Zweite

Mit Muskelkater in jedem Teil meines Körpers, erhob ich mich am Dienstag morgen aus dem Bett. Autsch! Aber naja, was soll's, rauf auf's Board und dann wird das schon! Schnell noch ein ausgiebiges Frühstück genießen - man will ja vor Erschöpfung und Hunger nicht vom Brett fallen - und schon kann es los gehen.
Von Simon wurden wir am Hostel abgeholt und statt zum Hauptstrand ging es diesmal zu einem kleinen abgelegenen Strand, an dem sich niemand außer uns befand. Der einzige Nachteil dieser Abgelegenheit: Wir mussten die Surfbretter etwa 10 Minuten lang zum Strand schleppen. Auf dem Hinweg mochte das noch relativ leicht sein, denn es ging schließlich bergab und wir waren noch voller Energie, auf dem Rückweg stellte der Weg jedoch eine echte Tortur dar.
Endlich angekommen erfuhren wir nun erneut eine komplett-Einführung in das Thema Surfen und vieles von dem, was mir dort erzählt wurde, kannte ich schon aus dem anderen Kurs. Simon jedoch, brachte uns eine andere Version des Aufstehens bei, ganz ohne angewinkeltes Hinterbein. Dazu drückte man seinen Oberkörper mit den Armen hoch und machte dann – mit dem Vorderbein – einen Ausfallschritt nach vorne. Tricksen, d.h. uns mit dem Knie behelfen und Abstützen, war uns dabei nicht erlaubt ;)

Nachdem wir das am Strand so um die 40 Mal geübt hatten, war ich schon ganz wild darauf, endlich ins Wasser zu kommen. Simon half uns bei den ersten beiden Versuchen, sodass wir uns das Paddeln sparen konnten, was man benötigt, um die Welle mit genug Schwung nehmen zu können. Stattdessen gab er unserem Brett einen Schupps und zählte sogar für uns bis 3, was uns verdeutlichte, wann wir welchen Schritt des Aufstehens vollführen müssten. Und wirklich! Nachdem ich einige Male alleine für mich geübt hatte, schaffte ich es tatsächlich aufzustehen! Und das gleich mehrere Male!

Über glücklich aber völlig K.O. beendete ich schließlich die Surfstunde und schleppte, wie erwähnt, mein Surfbrett den Berg hinauf. Oben angekommen revidierte ich meine Einschätzung von vorher: JETZT war ich K.O.

Über das Wellen und Motorrad reiten ;)

Der nächste Tag begann schon früh, schließlich hatte ich mir vorgenommen heute Surfen zu erlernen. Ich begab mich also um 10 Uhr - nach einem ausgiebigen Müsli-Frühstück - zum Surfshop, wo sich außer mir noch 25 andere versammelt hatten. Eine Gruppe von 26 Anfängern war dabei ein echter Glücksfall, nahm diese Surfschule doch keine Buchungen an, sondern nahm einfach jeden mit zum Strand der aufkreuzte. Dabei muss es wohl schon des öfter vorgekommen sein, dass über 40 Personen teilnahmen und man sich damit ein Surfboard teilen musste. Bei 17 Dollar für 3 Stunden kann man wohl auch nichts anderes erwarten. Glück gehabt, dass nicht so viele auf die selbe Idee kamen, wie ich.
Wir begaben uns also hinunter zum Strand, schnappten unsere Surfboards und versammelt uns alle in einem großen Halbkreis. Dabei stellte es schon eine kleine Herausforderung dar, das Surfboard dort hin zu befördern, den der relativ stark blasende Wind drückte immer wieder gegen das Board und zwang mich so einige Male, mich seitwärts zu drehen. Schließlich jedoch, fand ich mich ebenfalls in Halbkreis ein und wir wurden über Paddeltechniken und vor allem über die Aufsteh-Technik aufgeklärt. Dabei gab man uns 2 Wege zur Auswahl: Weg Nummer eins bestand darin, sich mit dem Oberkörper abzudrücken und in einem Satz auf die Beine zu springen. Nachdem wir diese Version ausprobiert hatten, stellte sich für den Großteil der Schüler heraus: So werde ich ganz sicher nicht auf mein Brett kommen.Version Nummer zwei winkelte jenes Bein seitlich an (ein bisschen, als imitierte man einen Flamingo, nur im Liegen), dass am Ende auf dem hinteren Teil des Boards landen sollte, und nutzte dieses, um sich gut hoch zu drücken und aufzuspringen. Nachdem wir dieses Vorgehen einige Male an Land geübt hatten, ging es nun endlich ins Wasser.
Dort musste ich nun leider feststellen, dass man uns mit unseren ersten Versuchen so ziemlich alleine ließ, gab es doch nur 2 Lehrer für 26 Leute und somit konnte natürlich nicht jeder gleich Aufmerksamkeit bekommen. Ohne wirkliche Ahnung, wann ich eine Welle zu nehmen hatte, stürzte ich mich also ins Getümmel – und stürzte damit natürlich gleich vom Brett. Die ersten 20 – 30 Versuche hatten es dabei wirklich in sich, schaffte ich es doch magischer Weise jedes Mal, mich an einer anderen Stelle zu verletzten. Mit den Knien landete ich im seichten Wasser mit vollem Karacho auf dem Boden; das Board knallte mir gegen den Brustkorb, weil ich es senkrecht vor mich gehalten hatte und es von einer Welle erfasst worden war; mein Zeh wurde demoliert, da das Brett sich zwischen Zeh und Nagelbett bohrte und begann zu bluten, und so weiter und so weiter.
So schnell wollte ich trotzdem nicht aufgeben, war ich doch bisher kein einziges Mal auf mein Brett gekommen. Das größte Problem stellten dabei Krämpfe dar, die ich jedes Mal bekam, sobald ich mich mit meinem rechten Bein (mein hinteres Bein) abzustützen versuchte – mal im Bein, mal im Fuß, mal im Zeh – und die es mir unmöglich machten mich aufzurichten. Hatte ich diese mal nicht, so brachte mich die ungleiche Belastung des Surfboardes (denn schließlich stützte ich mich mit dieser Technik ja nur auf der rechten Seite meines Boardes ab, bis mein linkes Bein auf das Brett gelangte... was es meistens nicht tat) zu Fall. Als die Surfstunde nach etlichen Versuchen für mich immer noch ohne Erfolg endete, war ich schon ganz schön enttäuscht. Naja, was soll's, ich hatte mich für den nächsten Tag ohnehin bei der zweiten Surfschule im Ort einbuchen lassen, die mit ihren 30 Dollar zwar etwas teurer war, dafür aber eine Gruppenstärke von maximal 15 Leuten haben sollte und für 4 Stunden angesetzt war.
So brauste ich also nach Hause und sprang unter die Dusche, denn schon in einer Stunde stand für mich die nächste Aktivität an: Ich hatte mich für die „Scooteroo“ Tour eintragen lassen. Bei dieser Tour handelte es sich um eine Chopper-Tour, das heißt um eine Tour mit jenen großen, bequemen Motorrädern, die man so häufig mit einem bierbäuchigen, älteren Rocker besetzt sieht. Mit diesen sollten wir die Umgebung von Agnes Water und 1770 in einer großen Gruppe erkunden können. Ein Motorradführerschein war dafür nicht nötig, lediglich der Autoführerschein musste bestanden worden sein. Auch ein paar neu gefundene Freunde wollten mit auf die Tour kommen, so wie Olla und Meital (beide 21), zwei Mädels aus Israel, die mit in meinem Zimmer waren und Philipp (27), der als Physiotherapeut in Langen arbeitete - was über die B26 so etwa 10 Minuten von Roßdorf entfernt ist - und mit dem ich beim Frühstück ins Gespräch gekommen war.

Wir wurden also von … abgeholt, den wir ja schon am Vortag als unseren Stadtführer kennen gelernt hatten und zu seinem Anwesen hinüber gefahren, wo die Motorräder schon sehnsüchtig auf uns warteten. Nachdem alle Formalitäten beseitigt waren, durften sich jeder ein Motorrad aussuchen . Ich entschied mich für ein rotes Motorrad mit schwarzen Flammen und wurde sogleich von … darüber aufgeklärt, dass ich mir den „Red Devil“, also den „roten Teufel“ ausgesucht hatte. Sogleich wurde unser Motor gestartet und wir durften langsam, einer nach dem anderen, bis zur Straße vor fahren, wo wir auf den Rest der Gruppe warteten. Insgesamt handelte es sich dabei um eine Gruppe von etwa 40 Leuten, sodass wir, wo auch immer wir auftauchten, für großes Aufsehen sorgten ;)

Der rote Teufel schien sich mich gleich als sein Opfer heraus gesucht zu haben, denn mitten im Fahren, ging der Motor plötzlich aus und so rollte ich nur noch hinter den anderen her. Gut, dass ich aufgepasst hatte, wie er gestartet wird, sodass ich ihn gleich wieder zum Laufen bringen konnte. Ich bezweifle zwar, dass es für einen Motor gesund sein kann, wenn man ihn startet, während das Motorrad mit etwa 40 km/h durch die Gegend rollt, aber ich konnte schlecht die ganze Kolonne hinter mir anhalten.
Wir tuckerten also die Straßen entlang und bei jeder Abbiegung, die wir auf den Landstraßen-ähnlichen Straßen nehmen mussten, verursachten wir beinahe eine Vollsperrung ;) Die Jungs, die für Scooteroo arbeiteten, und uns mit ihren Motorrädern begleiteten, stellten dabei sicher, das niemand in ein Auto raste. Sehr aufmerksam von ihnen ;)
Unsere Motorräder hatten zwar nur einen Gang, aber bis 80 konnte man sie trotzdem hinauf trietzen. Ich hatte jedoch nie wirklich eine Ahnung, wie schnell wir fuhren, spielte doch meine Tacho verrückt und ließ den Anzeige-Pfeil nur wild hin und her huschen. Ich sag ja, kein kleiner Teufel wohnt in der Maschine.
Als … eine Gruppe von Kängurus nahe der Straße entdeckte, ließ er uns alle anhalten und absteigen. Er erklärte uns, um an die Kängurus ran zu kommen, müsse man sich in einer großen Gruppe gemeinsam bewegen und sobald das Känguru in die Richtung der Gruppe blicke, müsse man stehen bleiben und es sich an sie gewöhnen lassen. So würden sie sich nicht bedroht fühlen. Während nun also alle wie die Blöden in Richtung Kängurus dackelten, fanden Philipp und ich ein viel interessanteres Motiv als die Kängurus: Nämlich die Affen, die sie beglotzten ;) Wir hatten schon so einige Kängurus in freier Wildbahn gesehen und so bestand sicherlich kein Bedarf daran, sie mit einer großen Gruppe, nur für ein Foto, zu verängstigen. Die Tipps, die … uns gegeben hatte, wurden natürlich nicht eingehalten. Stattdessen bildeten alle fast einen Halbkreis um die Kängurus und auch das mit dem stehen bleiben funktionierte mehr als dürftig. Während die vordere Reihe stehen blieb dappelte die dahinter lauthals quatschend weiter. Als Känguru hätte ich mir ganz schön in den Beutel gemacht! Natürlich verzogen die sich immer weiter vor diesen komischen Gestalten, die da auf sie zu kamen, was diese nicht dazu bewegte ihre „Jagt“ aufzugeben. Nur mit einem beherzten Sprung ins Unterholz konnten sich die Kängurus vor den neugierigen Augen der Affen schützen. Nochmal Glück gehabt ;)
Wir nutzten derweil die Zeit für ein paar Poser Fotoaufnahmen, die doch viel interessanter sind, als Kängurus. Oder was meint ihr?


Als die Dämmerung bereits nahte, begaben wir uns hinunter nach 1770 um uns den Sonnenuntergang anschauen zu können. Aus dem „Ansehen“ wurde dann leider nicht wirklich etwas, denn es war bewölkt, aber wir konnten ihn förmlich fühlen ;) Dazu gab es Kartoffelecken mit Sour Cream + Süßer Chilli Sauce. Lecker!
Als diese vernichtet waren, begaben wir uns zurück aufs Motorrad und fuhren in Richtung Ausgangspunkt zurück. Dort angekommen hieß es dann, sich von den Motorrädern trennen und die Ausrüstung zurück geben. … bedankte sich bei unserer Gruppe und ließ es sich natürlich nicht nehmen, die Fahrerin des „roten Teufels“ erneut hervor zu heben. Das er mich dabei als Engländerin bezeichnete, machte mir nicht sonderlich viel aus, denn ich hatte seit Mackay mit niemandem mehr deutsch gesprochen, außer mit meiner Familie. Einen deutschen Akzent hatte ich im Englischen auch nicht (geschweige denn habe ich einen britischen... keine Ahnung wie er auf die Idee kam) und so vermuteten Deutsche, die ich auf Englisch ansprach, nicht woher ich kam. Nur, wenn sie nachfragten, bekamen sie gesagt, dass ich deutsch sei, aber dennoch blieb ich bei meinen englischen Konversationen, schloss doch die deutsche Sprache all jene aus der Konversation aus, die ihrer nicht mächtig waren. Auch mit Philipp also, mit dem ich den Großteil der Tour verbracht hatte, sprach ich nur Englisch, obwohl er von meiner Herkunft wusste.
Wir wurden also wieder in einen Kleintransporter verfrachtet und begaben uns auf den Weg zurück zum Hostel. Dabei wurde ich von meinen Großeltern angerufen. Nun konnte ich natürlich nicht anders, als Deutsch zu sprechen und so bat ich sie im klarsten Deutsch, mich etwas später zurück zu rufen. Kaum hatte ich das erste Wort gesagt, schnellte jeder der etwa 10 Köpfe im Wagen herum und starrte mich an. Nur Philipp grinste wissend. Das hatte wohl für einige Verwirrung gesorgt ;)

Sonntag, 29. November 2009

Ankunft in Agnes Water / 1770

Völlig übermüdet stellte die etwa dreistündige Busfahrt eine echte Herausforderung dar. Was ich bisher noch auf keiner Greyhound-Busreise erlebt hatte, war hier eingetroffen: Jeder einzelne der Bussitze war vergeben und so bot sich mir weder der gewohnte Luxus eines freien Platzes neben mir, noch ein Fensterplatz. Das bedeutete für mich: Die Essenstasche und mein Rucksack – beide konnte ich nicht in den Stauraum über meinem Sitz befördern, musste doch das Essen Danke Flüssigkeiten in der Tasche aufrecht stehen und der Rucksack war einfach zu breit – landeten zu meinen Füßen und für den Rest meiner Reise konnte ich damit also nur mit halb angewinkelten und am Vordersitz angelehnten Beinen sitzen. Auch am Fenster anlehnen war leider nicht möglich und so kämpfte ich die überwiegende Zeit meiner Reise mit unbequemen Schlafpositionen. Wenigstens hatte ich eine sehr nette Sitznachbarin erwischt, Karen, Mitte zwanzig und aus Kanada. Auch sie wollte nach Agnes Water und hatte sogar das gleiche Hostel gebucht wie ich. Welch ein glücklicher Zufall!
Endlich in Agnes Water angekommen war ich nur noch glücklich aus dem Bus aussteigen zu können. Viel Schlaf hatte ich ganz sicher nicht bekommen. Wir wurden also vom Bus mit einem Kleintransporter abgeholt und checkten in das nahe gelegene „Cool Bananas“ ein. Das Hostel stellte sich als überaus gemütlich heraus, mit großen Gemeinschaftsarealen, einer tollen Küche und einfachen, aber schönen Zimmern. Karen und ich kamen sogar in das gleiche Zimmer, sodass ich gleich ein bekanntes Gesicht bei mir hatte. Um 10.30 Uhr sollte es nun eine kostenlose Stadtrundfahrt geben, an welcher Karen und ich teilnehmen wollten. Viel Zeit blieb also nicht, nachdem wir unsere Sachen abgestellt und uns ein wenig umgesehen hatten.
Auf ging es also erneut hinein in einen Kleinbus, durch Agnes Water hindurch und in das kleine Küstenstädtchen „Town of 1770“. Dort fuhr man uns hinauf auf einen Hügel, sodass wir die Umgebung überblicken konnten. Dabei erinnerten die Sandbänke, die sich überall vor der Küste erstreckten, stark an die Whitsunday Islands - weiter im Norden des Landes - und gaben der Aussicht einen malerischen Charakter. Hier konnten es sich nur die Reichsten der Reichsten leisten ein Haus zu besitzen, wie uns unser „Stadtführer“ … erklärte. Bereits ein unbebautes Grundstück mit Blick auf das Meer kostete hier um die 2 bis 3 Millionen Dollar. Und so wie die Nachbarschaft aussah, war es ganz sicher nicht nur das Grundstück, das man sich hier etwas kosten ließ.


Auf dem Rückweg erklärte man uns, wo wir Einkaufen gehen könnten und von diesem Angebot machten wir natürlich gleich Gebrauch, schließlich hatte ich ja seit meinem Abendessen nichts mehr gegessen.
Zurück im Hostel angekommen hieß es dann für mich erstmal Schlaf nachholen. Zum Glück gab es genügend Hängematten, in denen man sich niederlassen konnte und diese waren doch viel bequemer und Australien-angemessener als ein einfaches Bett ;) Erst am Abend kroch ich also wieder aus meiner Hängematte heraus. Währenddessen hatte sich das Gemeinschaftsareal bereits mit hungrigen Mäulern versammelt und Karen und ich kochten uns sogleich Nudeln und gesellten uns zu ihnen. Die Atmosphäre des Hostels war dabei eine sehr gute. Man hatte das Gefühl, nur nette Menschen würden nach Agnes Water kommen, denn alle waren Freundlich und aufgeschlossen und es war sogar Gang und Gebe im Hostel, die Türen der Zimmer nicht zu verschließen. Da das alle taten, führte das zu einem großen Gemeinschaftsgefühl und einer Sicherheit, die man in manch einem Hostel doch stark vermisst. Als es dunkel wurde, entzündeten die Angestellten des Hostels – fast allesamt ebenfalls Backpacker, die sich dort für eine Weile niedergelassen hatten und für freie Unterkunft ein paar Stunden am Tag arbeiteten – ein Lagerfeuer und packten Marshmallows
aus, die wir, aufgespießt auf einem Stock, gemeinsam rösteten. Welch ein wundervolles Ende für einen anstrengenden Tag!

Samstag, 28. November 2009

Rodeo und Ginger Mule

Im „Great Western“ hatte die Show natürlich schon ohne mich angefangen und ich erreichte den Pub genau in jenem Moment, als die Pause an stand. Auch nicht schlecht, so konnte ich mich wenigstens ohne Ablenkung mit Regina und Jacko unterhalten. Ganz aufgeheizt von allem, was sie bisher gesehen hatte, war Regina nun ganz scharf darauf, selbst einen der Bullen zu reiten und war schnurstracks zu einem der Cowboys gelaufen. Diesem hatte sie von ihrem Vorhaben berichtet und um Erlaubnis gefragt. Zu Jackos und meiner Überraschung hatte dieser doch tatsächlich eingewilligt, und so stand sie wenige Minuten später völlig hibbelig und gut gelaunt in voller Montur – inklusive Schutzweste und Helm – bereit um auf den Bullen aufzuspringen. Jacko und ich erklärten sie währenddessen schon offiziell für verrückt, waren wir doch ganz schön besorgt, dass sie sich verletzten würde.
Zu Reginas Enttäuschung jedoch, kam schließlich der Veranstalter des Rodeos auf sie zu und erklärte ihr, dass er sie leider nicht Reiten lassen könne. Sie sei schließlich nicht für Fälle wie Rodeo-Reiten versichert und außerdem gäbe es im Moment zu viele Zuschauer, sodass er fürchtete, dass auch noch andere auf die selbe riskante Idee kämen. Von Reginas Dackelblick jedoch sichtlich erweicht, ließ er sich darauf ein, ihr einen Ritt am nächsten Tag zu erlauben, sofern sie lange vor der eigentlichen Show aufkreuzen würde, sodass kein Publikum anwesend wäre. Dieses Versprechen reichte Regina aus, um ihre Stimmung wieder zu heben und so genossen wir auch den zweiten Teil der Show noch gemütlich bei einem Bier.
Dabei waren es nun die Kinder, die ihren Auftritt hatten und da gab es doch tatsächlich schon kleine Knirpse (und zwar sogar sowohl männliche als weibliche) ab 6 Jahren, die sich trauten, sich mit dem Bullen anzulegen. Na mich hätte man ja nicht da hoch bekommen... weder heute, noch vor 13 Jahren ;)


Als schließlich auch die zweite Runde beendet war, zogen die Cowboys nun ihren letzten Trumpf aus der Tasche: Den mechanischen Bullen. Zwar war das nicht mal halb so cool, wie ein echter Bulle, aber Regina wollte es sich trotzdem nicht nehmen lassen, auf ihm zu reiten. Wir können es ja als Training für den echten Bullen auffassen ;)


Auf diesen Bullen ließ sogar ich mich ein und so begaben wir uns beide auf den Rücken des „Biestes“ ;) Amüsanter Weise stellte ich mich dabei sogar geschickter an als sie, was mich jedoch trotzdem nicht von der „einen echten Bullen reiten“-Idee überzeugen konnte.
Gegen halb 10 Uhr schließlich, ließ Aussie verlauten, das er mit der Arbeit fertig wäre und kam vorbei um mich abzuholen, sodass ich mich ein wenig fürs Tanzen gehen heraus putzen könnte. Bei ihm angekommen fand ich dann ein bereits bekanntes Gesicht wieder, denn Sam war schon wieder ins Haus zurück gekehrt und belagerte dieses mit …, einem weiteren Freund - allem Anschein nach schon eine ganze Weile.
Ich schmiss mich also in mein kurzes schwarzes Partykleid, dass ich mir in Mackay zugelegt hatte und schon konnte es los gehen in Richtung „Ginger Mule“.
Dabei hatte sich die Bar an einem Samstag Abend von einer gemütlichen Lounge in einen echten Club verwandelt und war von allerhand jungem Publikum (ok, ok, im Verhältnis zu mir war der überwiegende Teil wohl gute 5 Jahre älter... ihr wisst was ich meine ;) ) gut besucht. Plötzlich hatte sich aus dem nichts eine Tanzfläche erhoben und zu meiner Überraschung fand ich Ben, Aussies Mitbewohner, hinter dem DJ-Pult wieder. Außerdem gab es eine tollen Außenbereich auf dem Dach des Gebäudes, auf den ich mich zurück zog und wieder einmal viele interessante und amüsante Gespräche mit allerlei neuen Gesichtern führte, die mir von meinen neuen Freunden vorgestellt wurden.
Um etwa 2 Uhr jedoch bat man dann auf die Gäste des „Ginger Mule“ freundlich sich zum Ausgang zu bewegen, denn der Club würde schließen. Ein wenig befremdlich war das ja schon anzusehen, schließlich ist in Deutschland an einem Samstag Abend wohl so ziemlich jeder Club bis etwa 3 Uhr oder 4 Uhr mindestens geöffnet. Da mein Bus am nächsten Tag bereits um 5:45 Uhr gehen sollte, beschloss ich die Nacht einfach durch zu machen und begleitete die Jungs zu einem anderen Club. An dessen Türschwelle jedoch wollte man zum ersten Mal, seit ich in Australien bin meine deutschen Papiere (d.h. Deutschen Führerschein, sowie deuten Personalausweis) nicht anerkennen und ich wäre nur hinein gekommen, hätte ich meinen Reisepass mit gehabt. Etwas enttäuscht war ich ja schon, doch ändern konnte ich es ja offensichtlich nicht. Während Aussie und der Rest der Jungs also im Club verschwanden, war Sam so nett mich zu Aussie nach Hause zu begleiten. Etwas gutes hatte das ganze ja: Wenigstens würde ich genug Zeit haben, um in Ruhe meine Sachen zu packen. Kaum mit dem Taxi angekommen mussten wir aber feststellen, dass jemand die Hintertür abgeschlossen hatte, die wir extra für den Fall, dass ich früher zurück kommen würde, aufgelassen hatten. Da standen wir nun also, mitten in der Nacht, vor einem Haus, zu welchem wir keinen Schlüssel besaßen. Wir schlichen also um das Haus herum und hofften auf ein geöffnetes Fenster und tatsächlich: Wir hatten Glück! Eines der Fenster war geöffnet. Dumm nur, dass das Haus auf Stelzen stand, und es damit ziemlich hoch lag. Wir behalfen uns mit einer Mülltonne und in einer heldenhaften Aktion, schwang Sam sich ins innere des Hauses und landete mich einem lauten Krach auf der anderen Seite des Fensters. 5 Sekunden später öffnete sich die Vordertür magisch für mich ;) Gut, dass ich meinen persönlichen Helden mit nach Hause gebracht hatte ;)
So verbrachte ich nun also den Rest meiner Zeit mit Packen und schließlich fanden wir um 4.15 Uhr doch noch eine Stunde Zeit zum Schlafen, bevor mich mein Taxi um 5.15 Uhr abholen sollte, um mich zur Greyhound Busstation zu bringen. Völlig verschlafen kam ich dort also an und ein ebenso müder Aussie erwartete mich dort schon um sich von mir zu verabschieden. Praktisch, dass ich gleich ein Taxi mitgebracht hatte, das er nach Hause nehmen konnte ;)

Hochzeit in den Höhlen und beständiger Besuch

Ich hatte noch einen weiteren Tipp für die Umgebung Rockhamptons bekommen und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen: Die „Capricorn Caves“, oder auch Capricorn (Name der Region) Höhlen, befanden sich etwa 23 km nördlich von Rockhampton und haben seit ihrer Entdeckung 1882 schon viele Besucher in ihren Bann gezogen.
Ich hatte Glück, denn als ich Aussie davon erzählte, dass ich die Höhlen besuchen wollte, bot dieser mir sogleich an, mich hin zu fahren. Begleiten konnte er mich leider nicht, denn die Kleinsten des Rugby-Clubs feierten heute in „seinem“ Pub das Saisonende und damit hatte er also eine Menge zu tun.
Vorher jedoch brachten wir meine Sachen noch zu ihm nach Hause, denn er hatte mir großzügiger Weise ebenfalls angeboten, die Nacht bei ihm auf einer Matratze verbringen zu dürfen, sodass ich mir das Geld für meine zusätzliche Nacht im Downtown Backpackers sparen konnte.
Schließlich bei den Höhlen angekommen erwartete mich gleich die erste Überraschung, denn direkt am Zugangsweg zu jenem kleinen Shop, in dem die Führung beginnen würde, lag ein Känguru in Lebensgröße. „Aww“, dachte ich, „Wie gemein. Da stopfen die hier ein Känguru aus und legen es an den Weg“. Als ich mich jedoch näherte, bewegte das vermeintlich ausgestopfte Känguru plötzlich seine Ohren! Wenig später folgte der ganze Kopf! Ups! Da kann aber jemand still halten. Ein perfektes Fotomodell also! Das musste ich natürlich gleich ausnutzen ;)
Ein Fotoshooting später, gelangte ich nun also zum Shop, nur um festzustellen, dass die Tour schon vor 5 Minuten und ohne mich angefangen hatte. Schnell eilte ich also mit der Shopangestellten meiner „Gruppe“ nach, nur um mich mit einer Führung und einem älteren Ehepaar wieder zu finden. Wow, Glück gehabt, fast eine Privatführung!


Hinein ging es also in die Höhlen, wo ich – ganz sicher nicht zum ersten Mal in meinem Leben – als erstes natürlich über Stalagmiten und Stalaktiten aufgeklärt wurde. Zum ersten Mal jedoch aber natürlich in Englisch ;) Außerdem erzählte man uns davon, wie viel Wert doch in den Fledermaus-Ausscheidungen stecke, auf denen wir gerade stehen würden und welche sich über die Jahrhunderte hinweg mit dem Boden verbunden hätten... sehr interessant... wo genau wasche ich nochmal meine Schuhe ab? ;) Anhand dieser Ausscheidungen und den Stoffen, die sie beinhalten, können Forscher auf die Ernährung der Fledermäuse, und damit auf die Auswirkungen der Klimaveränderungen, zurück schließen.
In den Höhlen beleuchtete unsere Führung dann allerhand Felskonstellationen und nannte uns die ihnen gegebenen Namen. Da gab es von dem „australischen Festland“, über ein „Kamel, das den Hals hinter dem Rücken verbirgt um sich zu kratzen“ und einem „Bogengang“, bis zu dem „Schattenriss von Tasmanien“ so ziemlich alles, was die menschliche Fantasie hergeben konnte. In alten Tagen jedoch, als es noch keine angelegten Wege durch die Höhlen gab, dienten eben diese fantasievollen Beschreibungen der Felsenkonstellationen den Forschern als Wegweiser. Man muss ihnen die hyperaktive Fantasie demnach wohl vergeben ;)
Unsere Führung hatte es dabei wirklich gut getroffen, denn während sie mir nur etwa zu den Schultern ging und problemlos durch jede noch so niedrige Öffnung kam, musste ich mich so einige Male ducken, um nicht plötzlich Sternchen an der Decke der Höhlen zu entdecken ;)
Durch eine Öffnung der Höhlendecke konnten wir schließlich sehen, was das Geräusch verursachte, dass sich anhörte, als ob ein Fluss über uns hinweg fließen würde: Dort, in einem der vielen Hohlräumen der Höhle, schwirrten Tausende von kleinen Fledermäusen wie wild durcheinander. Auf die Frage hin, ob es da oben einen Ausgang ins Freie gäbe, verneinte unsere Führung und erklärte uns, dass die Fledermäuse allem Anschein nach den Weg nach unten finden und von hier aus ins Freie gelangen würden. „Uh!“, dachte ich, „da möchte ich aber nicht anwesend sein, wenn die alle auf einmal durch dieses kleine Loch kommen, unter welchem ich noch vor einer Minute stand, um sie von unten beobachten zu können“ Eine Hollywood-reife und ganz schön gruselige Vorstellung!

Weiter ging es zum Highlight unserer Tour: Der Hochzeitskapelle. In diesem „Raum“ treffen gleich mehrere natürliche Spektakel aufeinander. Zu aller erst besitzt er über eine unglaublich gute Akustik. Sie soll sogar genau so gut sein, wie die Akustik im Opern Haus von Sydney! Und das ganz ohne Nachhilfe von Menschenhand. Aus diesem Grund werden hier des öfteren kleine Konzerte veranstaltet, die dann natürlich mit entsprechender Lichtgestaltung untermalt werden.
Für uns gab es leider keine Live-Musik, doch veranschaulichen wollte man uns dann doch zumindest annäherungsweise, welche Möglichkeiten in dem Raum stecken. Und welche Musik könnte besser in eine halb dunkle Höhle voller Fledermäuse passen, als ein episches Enya Lied?
Dabei löschte unsere Führung langsam all jene Kerzen, die sie beim betreten des Raumes angezündet hatte, sodass wir schließlich in einem völlig pechschwarzem Raum saßen. Nicht einmal die Hand ließ sich mehr vor Augen erahnen. Eindrucksvoll!
Das andere natürliche Schauspiel, dass sich zwischen Dezember und Januar genau um 12 Uhr Mittags für einige Minuten beobachten lässt, hat mit Licht zu tun. Leider wusste ich davon nicht früher Bescheid und war damit zu spät zu den Höhlen aufgebrochen. Die Capricorn Höhlen liegen nämlich genau auf der Solstitiallinie. Wem das nichts sagt, der muss sich nun jedoch nicht beschämt vom Computer wegwenden, denn ich muss gestehen, dass ich das Wort auch nachschlagen musste ;) Die sogenannte Solstitiallinie hängt mit der Sommersonnenwende zusammen, die einem vielleicht schon eher bekannt vor kommt. Die Sommersonnenwende stellt dabei den Zeitpunkt dar, in dem sie Sonne im Verlauf eines Sonnenjahres den größten nördlichen oder südlichen Abstand vom Himmelsäquator aufweist. In diesem Falle handelt es sich natürlich um den südlichen Abstand, schließlich befinde ich mich hier ja auf der Südhalbkugel.
Welchen Effekt hat das nun aber defakto auf die Höhlen? Gegen Mittag steht die Sonne hier 100% senkrecht über den Höhlen und durch eine kleine Deckenöffnung fällt damit ein perfekt gebündelter Sonnenstrahl an jene Stelle der Kapelle, die sich am Ende des Kirchganges befindet. Steht nun eine Person in diesem Lichtstrahl, so spiegelt sie die Farbe seiner Kleidung an den Felsen wieder und der ganze Raum erstrahlt in der jeweiligen Farbe. Das nenne ich doch mal ein romantisches „Zeichen Gottes“ für ein Hochzeitspaar ;)
Nachdem wir nun also diesen außergewöhnlichen Raum mit allen Sinnen genossen hatten, ging es zum „Abenteuer-Teil“ unserer Führung. Mit Warnungen für alle, die klaustrophobische Anfälle zu fürchten hatten – was in unserer kleinen Gruppe auf niemanden hinaus lief ;) - bot man uns an, einen der Wege durch die Höhle alleine zu nehmen. Das ließ ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen, und auch Bruce und Carry ließen sich nicht abschrecken. So krochen wir also einen kleinen (und wenn ich klein sage, dann meine ich auch klein!) Gang entlang, in dem vermutlich unsere Führung wieder mal aufrecht hätte gehen können. Wir anderen 3 mussten uns da schon ein bisschen klein machen. Dabei war der Gang so schmal, dass ich sogar den Rucksack abnehmen musste, den ich auf dem Rücken trug, denn ansonsten konnte ich die engen Biegungen einfach nicht passieren. Am Ende des Ganges ging es dann noch über zwei Hängebrücken im Indianer-Jones-Style, auf denen ich mir jedoch verkniff zu Schaukeln... Man muss sein Glück ja schließlich nicht überstrapazieren ;)


Nachdem wir all diese Abenteuer gemeinsam überstanden hatten, hatte ich Glück, denn Bruce und Carry boten mir an, mich nach Rockhampton mit hinein zu nehmen und so fand ich gleich noch ein bisschen Zeit, um die East Street – die lokale Einkaufsstraße – hinunter zu schlendern.
Schließlich mit schmerzenden Füßen vom vielen Laufen machte ich mich quer durch die Stadt auf den Weg zu Aussies Haus, wo ich mich ein bisschen ausruhen und einige Blogeinträge schreiben wollte. Dabei musste ich dann leider mit dem Umstand kämpfen, dass das Haus, anders als das Hostel, nicht sonderlich zentral gelegen war und so wurden meine ohnehin schon schweren Beine schwerer und schwerer. Doch Rettung war nah, denn Aussies Mitbewohner, David und Ben, die mich bereits kurz zu Gesicht bekommen hatten, als ich meine Tasche hinein geschleppt hatte, fuhren mit dem Auto vorbei, erkannten mich wieder, und boten mir eine Mitfahrgelegenheit an. Da sagt eine müde Franzi natürlich nicht nein ;)
Im Haus angekommen hielten wir dann erstmal einen ausgiebigen Plausch, bevor Ben zur Arbeit (in jenem Pub, das Aussie leitet) musste und David sich mit ein paar Freunden Richtung einem der zahlreichen Pubs in der Innenstadt verabschiedete. Keine 2 Minuten nachdem David das Haus verlassen hatte, klopfte es auch schon wieder an der Tür und selbstverständlicher Weise, erwartete ich, dass David etwas vergessen hatte. Als ich die Tür jedoch öffnete, starrte mich ein wildfremder Kerl ebenso verdutzt an, wie ich ihn. „Hi! Ähm, wer bist du?“, fragte ich ihn. „Wer bist DU!?“, kam zurück. „Die neue Hausbesitzerin natürlich. Ich hab das Haus heute übernommen und die Jungs sogleich rausgeschmissen. Was dachtest du denn?“ - verwirrtes Schweigen - „Nein, natürlich nicht, hi, ich bin Franzi, eine Bekannte von Aussie. Ich übernachte heute hier! Wie kann ich dir helfen?“ „Ich bin auf der Suche nach den Jungs“ „Tja, die sind gerade alle ausgeschwirrt“ „Naja, egal, ich komm trotzdem mal rein“, sagte Sam und bewegte sich schnur stracks an mir vorbei ins Wohnzimmer. Verdutzt blieb ich mit der Tür in der Hand stehen und schaute ihm nach. Hm, ich kann doch hier nicht einfach fremde Leute reinlassen, oder? Wobei, auf der anderen Seite ist er vermutlich wirklich mit den Jungs befreundet und ich bin wohl mehr eine Fremde in diesem Haus als er. Raus schmeißen stand also nicht auf der Liste meiner zur Verfügung stehenden Optionen. Also entschied ich mich dafür, einfach bei Sam zu bleiben und mich mit ihm zu unterhalten. So konnte ich definitiv sicher sein, dass er hier nichts anstellte.
Dabei stellte sich dieser als wirklich gute Gesellschaft heraus :) Etwa eine halbe Stunde nach seinem Auftreten klopfte es erneut an der Tür und ein weiterer wildfremder Junge betrat das Haus, ließ sich auf dem Sofa nieder und schaute Fernsehen. Etwa eine Viertel Stunde später und nach einem kleinen Plausch machte er sich wieder auf den Weg. Keine 2 Minuten später tauchte ein neuer Kerl auf – natürlich, wie immer, wohnte auch er nicht im Haus, sondern war nur mit den Jungs befreundet – und gesellte sich zu uns, plauschte und nutzte nebenbei den Laptop einer der Jungs um im Internet zu surfen. „Sagt mal, geht das hier immer so zu?“, fragte ich sie „Was denn?“ „Na, lauft ihr immer so in Häuser rein, in denen die Bewohner nicht zuhause sind und macht es euch gemütlich?“ „Na aber das sind doch unsere Freunde!“ „Ja aber die sind doch nicht Zuhause!?!“ „Also bei uns ist das normal“ … na dann ;)
Nachdem nun also 3 Wildfremde das Haus zwischenzeitlich belagert hatten, wurde es wieder ruhig im Haus und ich musste mich nun wirklich langsam beeilen in den Pub zu kommen, in dem das Rodeo stattfinden würde. Jacko und Regina waren schon eine Stunde dort und genossen bereits die Show. Glücklicher Weise ersparte mir Sam den Weg zum Pub und nahm mich auf dem Weg nach Hause mit dem Auto mit. Meine Füße haben ihm sehr dafür gedankt ;)

Freitag, 27. November 2009

Das Schiff das Singen kann

Nachdem Aussie Nachmittags dann schließlich zur Arbeit eilen musste und ich mich in einem der Einkaufscenter Rockhamptons rumgetrieben hatte, trafen wir uns am Abend wieder, um hinaus zum „Singenden Schiff“ zu fahren, von dem Aussie ganz begeistert war. Als Kind hatte sein Vater ihn immer mit dorthin genommen und nun wollte er es mir unbedingt zeigen.
Wir fuhren also nörd-östlich von Rockhampton zu einem Dörfchen an der Küste, dessen Name schon einige Verwirrung bei mir gestiftet hatte. „Emu Park“ stand hier überall auf den Schildern und ich hatte ganz aufgeregt zu Aussie gesagt: „Wow, ihr habt hier einen Emu-Park!? Das ist ja cool! Ich wusste, dass es hier eine Krokodilfarm gibt, aber einen Emu-Park noch dazu?!“ Tja, wie sich heraus stellte, war es jedoch das Dorf, zu dem wir uns nun begeben sollten, was diesen Namen trug. Was sich der Mensch gedacht hat, der es Emu-Park nannte, weiß hier auch keiner, denn nach Aussies Aussage verirrt sich hier vielleicht 1 oder 2 mal im Jahr ein Emu hin. Na ja, was solls, dann eben keine Emus... Singende Schiffe haben ja auch was für sich!
Wir erreichten also in voller Dunkelheit „Emu Park“ und da, auf einer Anhöhe, die in die Keppel Bay hinein ragt, strahlte uns ein großes weißes Metall-Segel entgegen.
Captain Cook selbst, hatte am 27 May 1770 die Keppel Bay benannt und als sich das Ereignis 1970 zum 200. Mal jähren sollte, hatte man entschlossen zu Ehren Captain Cooks ein Denkmal zu errichten. Das 12 Meter hohe „Singing Ship“ war aus dem dazu veranstalteten Wettbewerb als eindeutiger Sieger hervorgegangen und mit 30 Millionen Dollar hatte man das Projekt zum Leben erweckt. Nun, bei Nacht, sah das „Schiff“ ja wirklich ein wenig gespenstisch aus. Ebenso gespenstisch hörte es sich an, denn es verfügt über mehrere große metallene Hohlkörper, die als Pfeifen dienen. Der Wind bläst in sie hinein und da alle Offnungen auf verschiedener Höhe liegen, entstehen eine ganze Reihe verschiedener Töne. Es wird sogar gesagt, dass das „Singing Ship“ in der Lage sein soll, ganze Lieder zu spielen.
Ein Lied konnte ich selbst nicht erkennen, jedoch hätte sich die leise und lang gezogene Melodie, die es von sich gab vermutlich gut in einem Horror-Film verwenden lassen können. Wir setzten uns also einen Moment nieder und hatten natürlich kein besseres Gesprächsthema als eben über diese Grusel-Filme zu sprechen... Na super, jetzt lief mir plötzlich ein kalter Schauer über den Rücken. Ach nein, Moment, das war doch nur der Wind... Oder doch nicht? ;)

Über den Entenfänger von Rockhampton, Monsterschildkröten und Ameisenhintern

Am nächsten Morgen erwachte ich - ganz ohne von Plastiktüten-Gekruschel oder Herumgetrampel gestört worden zu sein - ganz einfach durch meinen Wecker. Welch ein Luxus!
Wenig später holte mich auch schon Aussie mit seinem Auto ab und gemeinsam ging es zum Botanischen Garten, der sich im Norden Rockhamptons befindet. Wie bereits erwähnt, hatte mir Ryan in Mackay den Tipp gegeben, dass es im See des Botanischen Gartens hunderte von Schildkröten gab und deren Anblick wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Also machten wir auf unserem Weg einen kurzen Zwischenstop bei Woolworths und kauften eine Packung Toast-Brot. Dabei hofften wir, dass die Schildkröten nicht schon ganz wählerisch geworden seien, denn bestimmt wären wir nicht die ersten, die ihnen Brot zu werfen würden – schließlich kauften wir gerade einmal das 1 Dollar Brot ;)
Im Botanischen Garten angekommen ging es nun also direkt zum See. Dort erwarteten uns zuerst einmal nur Enten und Gänse – vor letzteren hatte Aussie wie sich heraus stellte tierische Panik, war er doch im Garten seiner Großmutter immer von fiesen, schnappenden Gänsen verfolgt worden. Schließlich zeigten sich auch die Schildkröten – jedoch waren sie keineswegs so süß und freundlich, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Diese Fiecher sahen ganzschön gemein und wie kleine Monster aus! Und wie bei jedem kleinen Monster musste man auch darauf aufpassen, dass nicht statt des Brotes ein Stückchen Finger abgerissen wird. Fieeese Schildkröten!!



Doch mit den Schildkröten konnte ich mich nach dem ersten Schock sowie so nicht länger beschäftigen, denn die ganze Vogelwelt schien beschlossen zu haben, ich müsste jeden von ihnen füttern, anstatt mich mit den Schildkröten zu beschäftigen. Von Gänsen, Enten und sonstigem Vogel-Getier gejagt ging es nun also im Rückwärtsgang auf die Flucht, denn besonders die Gänse kamen einem schon unheimlich nahe und Fauchten einen sogar an, wenn sie nichts zugeworfen bekamen. Die waren ja sogar noch fieser als die Schildkröten!

Aussie und ich hatten trotzdem Spaß und nachdem ich einige Meter von den Gänsen weggespurtet war, gaben diese auch schon entmutigt auf. Ganz schön faul ;) Schließlich konnte ich mich doch noch ein wenig mit den Schildkröten beschäftigen und habe so einige schöne Fotos erhaschen können. Kam nun eine Gans auf mich zu und fauchte mich an, so machte ich mich einfach groß und fauchte zurück. Das hat sie ganz schön verwirrt und zum Rückzug hat es sie außerdem noch getrieben. So kontrollierten wir also die Tierwelt des botanischen Gartens für eine Weile. Ein bisschen kam ich mir ja schon vor, wie der Rattenfänger von Hameln, als mir eine Schar von Enten (natürlich vöööllig unauffällig) folgte, als ich am Seeufer entlang schlenderte. Man war ich mal wieder beliebt ;)
Als uns nun schließlich das Brot ausging, machten wir uns auf den Weg zum kleinen Zoo hinauf, der hier Teil des Botanischen Gartens und damit völlig kostenlos ist.

Vorbei an einem Emu, dessen Drohgebärde sich verdächtig nach Aufstoßen anhörte, sowie großen Echsen, die sich in der Sonne sonnten, gelangten wir ins Vogelgehege. Neben den zahlreichen Vögeln, die wir dort zu Gesicht bekamen, erregte aber noch etwas anderes unsere Aufmerksamkeit: Green Ants. Diese kleinen grünen Ameisen hatte ich schon zur Genüge in Cairns kennen gelernt, wo ich in der zweiten Woche meines Aufenthaltes als Gärtner arbeiten durfte. Während Olga damals unserem Gastgeber zum Opfer gefallen war und sich gezwungen sah auf seine Aufforderung hin den Hintern einer dieser Ameisen abzuschlecken – und sie leistete schon relativ starken Widerstand – wollte ich nun auch endlich wissen, wie denn so ein Ameisenhintern schmeckt. Green Ants werden nämlich schon seit jeher von Aborigines zur Limonadenherstellung genutzt, denn ihr Hinterteil soll bekanntlicher Weise nach Zitrone schmecken. Das musste ich doch gleich einmal selbst ausprobieren! Und tatsächlich, ziemlich sauer, ein bisschen stechender sogar, als Zitronen. Aber lecker :) Sogar Aussie, der als einheimischer Australier noch nicht mal wusste, dass man diese kleinen Ameisen essen kann, bekam ich dazu, seine eigene „Ich-lecke-einer-Ameise-den-Hintern-ab“-Erfahrung zu machen ;) Hat er ein Glück mit einem Touri unterwegs gewesen zu sein ;)

Weiter ging es in den wunderschön angelegten Japanischen Garten, wo wir uns auf einer der vielen Bänke erstmal gemütlich niederließen und den Tag genossen. Besonders hatten es mir hier der Bambus angetan, denn was vermutlich als dumme Idee einiger Kinder begann, hatte sich mittlerweile schon fast zur Kunst entwickelt: Einschnitzungen im Bambus. Auf so gut wie jedem Bambusstab fand man hier dutzende Namen von bereits hier gewesenen Touristen und wir konnten natürlich nicht widerstehen, uns auch darauf zu verewigen. So ziert nun also „Franzi, AUS (für Aussie) und Svenson“ einen Bambusstab in Australien. Wenn das mal nichts ist :)
Unsere letzte Station sollte das kleine Museum darstellen, das vor allem ausgestopfte, bzw. aufgespießte (im Falle von Insekten) Tiere beherbergte. Arme Viecher... dafür hatten wir nun die Gelegenheit uns die Schmetterlinge in Ruhe und in voller Pracht ansehen zu können, die den ganzen Tag schon um uns herum geschwirrt waren.
Von groß bis klein gab es da alles und ein Schmetterling war schöner als der andere. Sogar ganze Bilder würden auf Schmetterlings- bzw. Käferformationen erstellt. Aber lasst es selbst auf euch einwirken:



Und sieh mal einer an, wem ich hier auf dem Weg zurück zum Auto über den Weg gelaufen bin:
Schnappi, dem kleinen Krokodil! Hier liebevoll künstlerisch umgestaltet - mit anderen Worten: geklaut und umbenannt - dient er dem Gast des Botanischen Garten als Wegweiser. Ob die Besitzer dieses Schildes überhaupt wissen, welche deutsche Berühmtheit sie sich da vor die Tür gestellt haben? Ich jedenfalls summte gleich einmal das Schnappi-Lied, damit sich das kleine Krokodil auch verstanden fühlen würde ;) Tschüss Botanischer Garten, Tschüss Schnappi!!