Sonntag, 28. Februar 2010

Wieder auf Reisen: 28.02. - 03.03. Brisbane

Nach 3 ½ Stunden Schlaf hieß es sich schon wieder aus meinem erst so kurz genutztem Einzelbett aufraffen und sich für meinen Flug von Sydney nach Brisbane fertig machen. Um 4:45 Uhr holte mich mein Taxi am Hostel ab und im Halbschlaf, wie ich noch war, hatte ich keine Lust mich mit der Schweinebacke (entschuldigt meine Wortwahl!) von einem Taxifahrer rumzustreiten, der absichtlich den längeren Weg zum Domestic Airport nahm. Na dann bekommst er eben kein Trinkgeld, dachte ich mir nur.
Dort angekommen ging es erst einmal durch die Sicherheitskontrolle. Ohne weitere Zwischenfälle durchquerte ich den Handgepäck-Scan, nur um danach von einem netten Beamten angehalten zu werden, der Passagiere und deren Handgepäck Stichprobenartig auf Rückstände von Sprengstoffen überprüfte. Natürlich fand dieser nichts, schließlich bin ich ja ein netter und ehrlicher Flugzeug-Passagier ;) Ich holte mir also erst einmal etwas zum Frühstück und setzte mich für ein paar Minuten hin um mein Sandwich zu verzehren. Kaum hatte ich meinen Rucksack vom Rücken genommen, fiel mir auf: Ach du liebe Güte! Ich hatte ja meine volle Wasserflasche noch im Gepäck! Und noch viel schlimmer: Keiner, weder die Leute vom Sicherheits-Scan, noch der Sprengstoff-Beamte, hat sich daran gestört! Da stellen sie schon Leute zur Sprengstoff-Kontrolle auf, aber wenn jemand mit einer halben Liter Flasche voller unidentifizierter Flüssigkeit anmarschiert, dann ist das egal. Oh jeh oh jeh! Soviel also zur Sicherheit auf Flügen! ;)
Es dauerte nicht lange, bis ich mich an Board des Flugzeuges begeben konnte und wir uns auf in Richtung Brisbane machten. Defakto kostete mich der Flug 1 ½ Stunden, doch da Queensland sich als einziger Staat Australiens hartnäckig weigert die Sommer- / Winterzeit anzunehmen, kam ich nach 1 stündiger Zeitverschiebung nur eine halbe Stunde später in Brisbane an ;) 6:30 Uhr... Noch viel zu früh um auf den Beinen zu sein!
Auch hier durfte ich wieder saftig in den Geldbeutel greifen, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu gelangen, aber etwas anderes blieb mir ja auch gar nicht übrig! Von der Roma Street Station aus begab ich mich also auf meinen Marsch zum Hostel, dass ich zum Glück leicht fand. Dort konnte ich natürlich noch nicht einchecken, denn genau an diesem Wochenende hatte in Brisbane das ACDC Konzert stattgefunden und so waren alle Betten bis 10 Uhr Check-out Zeit belegt. Ich ließ mich also auf dem Sofa im Wohnzimmer nieder und nutzte die Zeit zum Bloggen. Schnell hatte sich jemand zu mir gesellt und ein Gespräch mit mir angefangen. Der Brite schien echt sympathisch zu sein und ich dachte mir: Ist ja super, da kenne ich ja schon mal eine nette Person im Hostel. Keine halbe Stunde später jedoch musste ich feststellen, dass eben jener nette Brite und seine Freunde offensichtlich einmal zu viel, zu lange und zu laut gefeiert hatten und aufgefordert wurden das Hostel zu verlassen. Um dieser Aufforderung Nachdruck zu verleihen, tauchten gleich 6 Polizisten (für 3 Gäste?!) auf, die das Geschehen überwachten und notfalls natürlich auch eingeschritten wären. Na bei dem Auftritt vermittelte das Hostel natürlich gleich einen super Eindruck auf mich ;)
Zum Glück handelte es sich bei diesem Zwischenfall um eine Ausnahme und in den drei Tagen, in denen ich mich im Hostel aufhielt, stellte sich der Rest der Hostel-Besatzung auch als wirklich freundlich und aufgeschlossen heraus, sodass sofort eine super familiäre Atmosphäre herrschte. Schwein gehabt, denn ich verließ das Hostel während meines Aufenthaltes wirklich nur selten - es regnete so ziemlich die kompletten 3 Tage aus Strömen. Wenigstens hatte ich also gute Gesellschaft, während ich mich vor den Wassermassen versteckte, die nach meiner Abreise übrigens zur Überflutung von großen Teilen Brisbanes führten.
Ich ließ es mir aber natürlich nicht nehmen, die alte Tradition wieder aufzunehmen, die Sarah und ich kurz vor Weihnachten praktiziert hatten: An einem Sonntag Abend gehört man eben ins Normanby. In meiner Zimmernachbarin Franzi (19) aus München, fand sich auch gleich eine nette Begleitung und so stapften wir – mit meinem Regenschirm bewaffnet – in die stürmische Regennacht hinaus. Leider erfüllte sich meine Hoffnung nicht, jene nette Gruppe von Jungs wieder zu treffen, die ich durch Sarah kurz vor Weihnachten kennengelernt hatte – vermutlich hatte sie der Regen abgeschreckt, denn große Teile des Normanbys befinden sich unter freiem Himmel. Dafür machte ich eine ganz andere Entdeckung. Gerade als sich der Abend dem Ende zu nähern schien fiel mir eine Gestalt auf, die mir doch verdächtig bekannt vorkam. „Warte mal Franzi“, sagte ich, „ich glaub den Kerl da drüben kenn' ich. Ich geh mal kurz rüber“ Gesagt getan stand ich also vor besagter Person und fragte etwas verlegen: „Entschuldige? Das mag jetzt vielleicht etwas komisch klingen, aber könnte es sein, dass du ein Schiffskapitän bist?“ „Ich wusste doch, dass du mir irgend woher bekannt vorkommst!“, kam nur zurück und damit war bestätigt was ich vermutet hatte: Ich war doch tatsächlich in Steve rein gerannt, den Schiffskapitän der Emperor Wings, mit der ich von Airlie Beach aus für 3 Tage zum Tauchen hinaus ans Great Barrier Reef gefahren war. Das man in diesem riesig großen Land aber auch immer wieder Leute trifft, die man an einer ganz anderen Stelle kennen gelernt hat. Versteht sich von selbst, das wir einander erst einmal ausführlich auf den neusten Stand der Dinge brachten ;)
Am folgenden Mittag dann hieß es den nächsten alten Bekannten wieder treffen, denn Ron, der mich in Mackay für einen Monat beherbergt hatte, war mittlerweile nach Brisbane gezogen. Wir nutzten die Zeit seiner Mittagspause also dazu uns bei einem leckeren Sandwich über die neusten Neuigkeiten auszutauschen und hatten sogar mit dem Wetter Glück: für etwa eine Stunde hatte es aufgehört zu Regnen.
Ron, der mittlerweile Vater geworden war, berichtete ganz stolz von seiner kleinen Sasha und natürlich wollte er auch von mir wissen, was ich in den letzten Monaten getrieben hatte. Einen Kommentar über mein unfreiwilliges Piratenoutfit (meine Kinn-Narbe) konnte er sich natürlich auch nicht verkneifen ;) Ich seh's schon kommen, die Geschichte von Franzi und dem rutschigen Küchenboden wird mich nun mein ganzes Leben lang begleiten.
Dienstag stellte sich als „Tag der Veränderung“ für die Betts-Familie heraus, denn während meine ehemalige Austauschpartnerin Sarah sich am Morgen für eine größere Oberweite auf den Tisch legte (die OP verlief Gott sei Dank ohne Komplikationen) und somit die von ihr (ganz in Geheimagenten Manier) auf „die Zwillinge“ getauften Brüste erhielt, bekam ihre Schwester Ashlee wenige Stunden später ihr schon sehnsüchtig erwartetes Baby – der eigentliche Grund dafür, dass ich in Brisbane noch für einige Tage Zwischenstopp gemacht hatte. Nachdem sich jedoch herausstellte, dass Ashlee noch einige Schwierigkeiten mit dem Füttern des kleinen Max hatte, entschied ich mich jedoch dafür ihr ihre wohl verdiente Ruhe zu gönnen und nicht auf einen Besuch zu pochen. Ich sehe den Kleinen ja bestimmt im Juni, wenn ich mit Mama und Papa zurück nach Brisbane komme :) Ein kurzer abendlicher Besuch bei Betts Zuhause brachte mir – dank Tamra, der frisch gebackenen Großmutter - also alle Informationen über die Geburt ein, ohne Ashlee zusätzlich zu belasten und das sollte mir genügen. Sarah ging es übrigens auch erstaunlich gut, obwohl sie in den nächsten Wochen wohl noch durch den Garten ins Haus gelangen wird müssen, denn die große hölzerne Fronttür ist zu schwer für sie, um sie ohne Schmerzen auf stämmen zu können. Auch wenn ich das kleine Teufelchen schon auf meiner Schulter sitzen sehe: Ein bisschen hat mich das ja schon amüsiert ;)

Samstag, 27. Februar 2010

Lisa steigt in den Flieger und Mardi Gras Parade

Es ist so weit: Wir ziehen aus! Also noch schnell die letzten Sachen zusammen packen, uns von unseren Gastgebern / Vermietern verabschieden und ab geht’s! Aber wie kommen wir nur zum Flughafen bzw. zum Hostel? Zu unserem großen Glück hatte sich Nick dazu bereit erklärt Lisa und mich durch die Gegend zu kutschieren und so hievten wir bereits gegen 12 Uhr unser Gepäck in dessen Kofferraum. Von Marsfield aus ist es nämlich (wie immer ;) ) eine echte Qual mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen zu gelangen, geschweige denn vorher noch meine Sachen beim, für die folgende Nacht, Hostel abzugeben. Auch mit dem Auto kostete es uns schon etwa 1 ½ Stunden, bis wir schließlich die Stadt einmal durchquert hatten und uns nun im Süden Sydneys befanden. Erster Stopp war mein Hostel. Ein altes viktorianisches Gebäude strahlte mir einladend entgegen und sogleich öffnete mir eine freundliche Angestellte die Tür. Auch das Zimmer war echt schnucklig und da ich es für diese Nacht ganz für mich alleine haben sollte, war es für Hostel-Verhältnisse echter Luxus! Welch ein Glück, dass mir Mama und Papa diese Übernachtung zum Valentienstag geschenkt hatten :)
Viel Zeit verblieb mir jedoch nicht, um mich umzusehen, denn sogleich ging die Tour weiter und wir fuhren zum nationalen Teil des Flughafens. Dort angekommen trugt Nick noch – ganz Gentleman – Lisa's Rucksack zum Check-In, bevor er sich von Lisa verabschiedete und uns Mädels unserer Abschieds-Zeremonie überließ. Kaum hatten wir Lisa's Rücksack aufgegeben, eilten wir schon in den ersten Souviniershop, denn noch hatte Lisa nicht all ihre Mitbringsel beisammen. Neben TimTams (typisch australischen Schoko-Keksen) standen noch eine Haifischkette, ein Kuscheltier und ein „Ich liebe Sydney“-Tshirt auf der Liste. Nachdem alle Einkäufe erledigt waren, entschieden wir uns dazu, etwas zu Mittag zu essen, schließlich hatte Lisa ja einen langen Flug vor sich und bekanntlicher Weise schmeckt Flugzeug-Essen ja nicht gerade wie aus dem Gourmet-Restaurant. Mutig wie wir in Australien geworden waren – keiner von uns hatte vor dem Aufenthalt auf der anderen Seite der Erde Fisch auch nur angerührt – holten wir uns eine Sushi-Platte und probierten uns durch all die kleinen Leckereien durch. Fazit: Wir hatten zwar keine Ahnung was wir da so wirklich aßen, aber lecker war es doch. Satt machte es unsere hungrigen Mägen jedoch nicht wirklich, sodass danach dann doch noch ein Hamburger auf dem Teller landete – wir sind eben doch Europäer und keine Asiaten ;)

Langsam aber sicher näherte sich nun Lisa's Boarding-Zeit und so trotteten wir gemeinsam zu den Sicherheitskontrollen um uns voneinander zu verabschieden. Basierend auf dem tränenreichen Abschied von gestern und der Tatsache, dass wir über die 1 ½ Monate, die wir hier in Sydney miteinander verbracht hatten, wirklich zusammen gewachsen waren, hatten wir beide mit einer großen Heul-Orgie gerechnet, doch wir überraschten uns beide selber: Wir hielten uns echt tapfer! Keiner von uns konnte so richtig realisieren, dass Lisa nun in ein Flugzeug steigen würde, dass sie in die Kälte Deutschlands zurück bringen würde.
Kaum hatte Lisa sich in den Transit-Bereich begeben, hieß es nun für mich raus finden, wie ich wieder zurück in die Innenstadt gelangen würde. Kluger Weise hatte ich nämlich bei meinem gestrigen Besuch auf der Arbeit vergessen mein Arbeits-Tshirt und meine Schürze abzugeben – und gerade Schürzen sind im UNA's echte Mangelware ;)
Trotz wöchentlichem Ticket kostete mich die Fahrt vom Flughafen aus saftige 11,60 AUD (im Vergleich: Mein 2 Zonen Wochenticket kostet 48 AUD), denn anders als bei uns in Deutschland ist es hier üblich, dass die U-Bahn Stationen der Flughäfen privat Betrieben werden – und man scheut nicht davor zurück sich das ordentlich bezahlen zu lassen. Sowas gemeines!
Ich brachte also die Arbeitsklamotten zurück – auf der Arbeit muss man schon denken, ich wollte UNA's gar nicht mehr verlassen – und machte mich auf den Weg zur Oxford Street, wo ich mich mit Nick, Martin, Benji und Narisha treffen wollte um mir die Mardi Gras Parade anzusehen.

Mardi Gras, ursprünglich der französische Term für „Faschingsdienstag“, bezeichnet in Amerika nichts anderes als unseren Fasching. Trifft allerdings der Ausdruck „Mardi Gras“ und Sydney zusammen so weiß jeder sofort: Hierbei handelt es sich um das seit 1978 jährlich stattfindendes dreiwöchiges Schwulen- und Lesbenfestival.
Ihren Ursprung fand das heute so beliebte Mardi Gras Festival in einem 1978 stattfindenden Demonstrationsmarsch. Zu dieser Zeit war Homosexualität noch eine Straftat und sollte es im Bundesstaat New South Wales auch noch bis 1984 bleiben. Um ihrer Sexualität Ausdruck zu verleihen hieß das Motto deshalb „Raus aus den heimlichen Kneipen auf die Straßen“ unter welchem rund 1000 Schwule, Lesben und Transsexuelle ihre Diskriminierung anprangerten.
Dazu packten sie ein Sound-System auf einen Lieferwagen, spielten den Song „Glad to be Gay“ (= froh schwul zu sein) und folgten dem Wagen in ihren zahlreichen Kostümen (schließlich war es Faschingszeit) die Oxford Street entlang. Doch das Ende der eigentlich völlig friedlich verlaufenden Parade war kein schönes, denn die Polizei griff ein und verhaftete gewaltsam 53 Demonstranten, brachte sie auf die Polizeiwache und misshandelte sie teilweise sogar. Die Namen und Adressen der Verhafteten wurden daraufhin in Zeitungen veröffentlicht, wodurch viele ihren Arbeitsplatz verloren.
Doch gerade dieser gewaltsame Widerstand ist es wohl gewesen, der veranlasste, dass es auch im Folgejahr zu einer Parade kam: der offiziell ersten Mardi Gras Parade Sydneys. Bis zu 3000 Homosexuelle marschierten ohne weitere Zwischenfälle bei dieser Parade. 1980 kam noch ein weiteres Element hinzu: Das Picknick im Hyde Park, das heute jedes Jahr die Mardi Gras einleutet.
Über die Jahre hinweg stieg die Beteiligung an beidem, Parade und Aftershow-Party, rapide an, sodass die Massen von 700 in 1981 mit 10.000 Beteiligten an der Parade 2009 ihren bisherigen Höhepunkt fand. Dazu kommen etwa eine halbe Millionen Zuschauer jedes Jahr, sodass die Mardi Gras heute auch wirtschaftlich einen auf 38 Millionen Dollar geschätzten Ertrag für New South Wales einbringt.
Heute wird die Parade sogar im australischen Fernsehen übertragen und regt tausende von Fans jedes Jahr dazu an, in den Flieger zu steigen und der Kälte der nördlichen Hemisphäre für ein paar sonnige und unterhaltungsreiche Wochen in Sydney zu entfliehen. Und zu sehen gibt es sicher genug: Neben der Parade und dem bereits erwähnten Eröffnungs-Picknick „Fair Day“, gibt es noch etwa 100 verschiedene Kunst Veranstaltungen und natürlich - nicht zu vergessen - viele Partys, bei denen echte Weltstars auf der Bühne stehen (dieses Jahr zum Beispiel Whitney Houston und Lady Gaga). Kein Wunder also, dass die schwulen Reise-Bibel „Spartacus“ behauptet: „Ein Besuch der Mardi Gras ist ein absolutes Muss für jeden schwulen Reisenden“.
Auch ohne schwul zu sein genoss unsere kleine Gruppe den Anblick der lustigen Kostüme und einstudierten Tänze, die sich über mehr als 2 ½ Stunden hinzogen sehr. Doch sogar die „Öffiziellen“ der Stadt Sydney sind beim Marsch vertreten: sei es Polizei, Feuerwehr, Rettungsschwimmer und so weiter und so fort, alle waren sie da. Immer noch erfüllt die Parade neben der allgemeinen Belustigung auch eine warnende Aufgabe und macht auf Probleme und Gefahren rund um Homosexualität aufmerksam. Schilder regen zum Gebrauch von Kondomen ebenso an, wie zur Gleichberechtigung der Schwulen-Ehe.
Nach 2 ½ Stunden auf einem Fleck stehen taten uns die Beine dann aber auch zur Genüge weh und ich war froh, als wir uns auf dem Weg zur Bahnstation endlich wieder ein bisschen bewegten ;)
Ich stieg also in die Bahn zurück zum Hostel und fiel erschöpft aber glücklich ins Bett.



Für Fotos von der Parade: Hier Klicken :)

Freitag, 26. Februar 2010

Lisa's letzter Abend

Heute war es nun soweit: Es war die letzte Nacht, in der uns unser Apartment in Marsfield, das wir die letzten 1 ½ Monate bewohnt hatten, ein Zuhause sein sollte, bevor wir ihm morgen den Rücken kehren und uns auf Reisen begeben würden.
Während ich mich für dir nächste Nacht in einem Hostel nahe des Flughafens eingebucht hatte, da ich übermorgen einen Flug nach Brisbane nehmen würde, würde sich Lisa morgen bereits um 15 Uhr im Transitbereich des Flughafens befinden und um 17 Uhr würde das Flugzeug abheben, dass sie zurück in die Heimat brächte. So wirklich konnte sie sich darauf nicht freuen. Zwar würde es natürlich toll werden Freunde und Familie wieder zu sehen, doch schließlich würde sie aus den sommerlichen Temperaturen Australiens in den eiskalten Winter Deutschlands reisen und darauf hatte sie nun gar keine Lust.
Unser Plan war es eigentlich gewesen unseren letzten gemeinsamen Tag mit einem Strandbesuch zu beginnen, doch als wir uns am Freitag morgen aus unserem Bettchen rollten um den Vorhang zur Seite zu ziehen, mussten wir feststellen, dass das Wetter andere Pläne für uns hatte: Wolkendecke war angesagt.
Na ja, dann eben nicht, dann haben wir wenigstens Zeit in Ruhe zu packen und uns für die Party heute Abend schick zu machen. Wir hörten also den ganzen Tag über Wicked-Lieder und trällerten wunderbar schief dazu mit – hey, schließlich wurde unsere Mitbewohnerin uns ja am nächsten Tag los, sie hat das Katzengejaule einen Tag lang schon überlebt. Außerdem entschloss ich mich einen Schokokuchen für meine ehemaligen Kollegen zu backen, um mich nochmals für die schöne Zeit mit ihnen zu bedanken.
Für's Abendessen hatten wir uns mit 2 deutschen Freunden - Schlotti und Linda - verabredet und auch noch Charlott, eine holländische Freundin Schlottis war mit von der Partie. Ich brachte also meinen Schokokuchen – der übrigens wirklich gut schmeckte! Ich durfte nämlich auch ein Stückchen probieren ;) - auf der Arbeit vorbei und wir ließen uns in einem italienischen Restaurant unweit Kings-Cross (dem absoluten Partybezirk Sydneys) nieder.
Kaum hatten wir unsere Mahlzeit beendet, tauchten auch schon wie gerufen Ina, sowie Robin und seine Freunde auf – Studenten der Maquarie University (also jener Universität, die sich direkt bei uns um die Ecke befand), die Lisa eines Abends kennen lernte, und welche sie nun zu ihrer Abschiedsparty eingeladen hatte.
Gemeinsam begaben wir uns nach Kings Cross und da Getränke in Bars für ein Backpacker Budget immer so teuer sind, entschlossen sich die Mädels sich im Bottle Shop (Alkohol wird hier in eigens dafür vorgesehenen Shops verkauft und nicht wie bei uns über den Getränkehandel oder Supermarkt) eine Flasche Sekt zu kaufen. Nun ist der Konsum von Alkohol in Australien in der Öffentlichkeit bekanntlich verboten - Kein Problem für Ina, die extra für diesen Zweck eine riesige Handtasche mitgebracht hatte. Darin ließ sich die Flasche prima verstecken, während man so aussah, als tränke man die Tasche – und das ist natürlich völlig unauffällig! Zum Glück durfte ich durch meine Antibiotika nichts trinken, sodass mir diese Peinlichkeit erspart blieb ;)
Nachdem nun also diese Straftat völlig unauffällig ausgeführt worden war ;) ging es hinein in den Soho-Club. Dieser war leider nur mäßig befüllt, spielte aber dennoch recht gute Musik. Während Charlott und die Robin Crew sich nach unten auf die Tanzfläche verabschiedeten, verblieben Ina, Linda, Schlotti, Lisa und ich im oberen Geschoss des Clubs. Friedlich tanzten wir vor uns hin, als Ina plötzlich einen der Drinks in der Hand hatte, der sich gerade noch auf dem Nebentisch befunden hatte – offensichtlich gehörte der den dort sitzenden Personen! Allesamt starrten wir sie an, doch sie ließ sich nicht davon beirren und genoss freimütig den „Drink aufs Haus“. Wenige Minuten später versuchte sie das ganze noch einmal – diesmal mit einem Sektglas, dass sich auf dem Tisch befand – und keiner von uns reagierte schnell genug um sie zurück halten zu können. Prompt wurde Ina natürlich erwischt, stolzierte trotz empörten Rufen der Besitzer mit dem Glas weg, um einige Sekunden später mit Strohhalmen im Sektglas wieder zu erscheinen und den Drink zurück zu stellen – offensichtlich hatte sie den armen Strohhalm-losen Besitzern des Drinks nur helfen wollen... na klar! Kein Wunder, dass sich 2 Minuten später ein Security-Mann einfand, der sich demonstrativ neben uns positionierte. Ouch!
Auch Nick trudelte schließlich ein, jedoch ohne die Freunde, die er eigentlich hatte mitbringen wollen. Diese hatte er in einer gegenüberliegenden Bar zurück lassen müssen, da sein 40 Jahre alter Kumpel seinen Ausweis Zuhause vergessen und daraufhin an der Club-Eingangstür den Ausweis einer anderen Person vorgezeigt hatte – nicht, dass der Türsteher ihn überhaupt nach jenem gefragt hätte. Natürlich wurde der Betrug sofort gemerkt und ihm der Eintritt verweigert. Es dauerte also nicht lange, bis wir uns entschlossen den Club zu wechseln und Nicks Freunde abzuholen.
Wir lernten also Martin (40) aus Schweden, sowie Benji und Narisha aus Melbourne kennen und begaben uns zu einem R'n'B Club, den Benji uns empfahl. Dort angekommen entschieden Ina und Schlotti, dass es damit für sie für den Abend genug sein sollte und so begann also Lisa's Leidensgeschichte des Abschied-Nehmens. Viele Tränen und Umarmungen später konnte Lisa sich sichtlich angeschlagen von ihren Freunden losreißen und so zog die Truppe ins „Favela“ ein. Der Club sah echt toll aus und auch die Musik war echt gut, doch so richtig konnte sich Lisa – verständlicher Weise – nicht amüsieren. Immer wieder kullerten ihr die Tränen über die Wangen und nichts konnte sie so richtig aufmuntern, denn schließlich stand es unveränderlich fest: Morgen würde sie sich in ein Flugzeug setzen und das schöne Australien verlassen.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Sparerips in die ich mich reinlegen könnte :)

Heute bin ich mit Frank zum Hurricane's Grill & Bar Steakhouse in Bondi Beach Essen gegangen und habe die leckersten Sparerips gegessen, die mir je untergekommen sind. Einfach nur lecker!! Wirklich modisch sahen wir mit den uns extra für diesen Zweck vom Kellner angelegten Lätzchen auch aus! Hihihi! Solltet ihr jemals nach Sydney kommen, kann ich das Hurricane's nur empfehlen!

Mittwoch, 24. Februar 2010

Blue Mountains - oder vielleicht sollten wir sie in "Foggy (= neblig) Mountains" umbenennen? VOLLSTÄNDIGE VERSION!!

Seit langem hatten wir es schon geplant, nun endlich kamen wir dazu sie zu besuchen: Die Blue Mountains. Die „Blauen Berge“, wie unser Vermieter Heinz immer so schön zu übersetzen pflegte ;), beginnen etwa 60 km westlich von Sydney und verdanken ihren Namen einem durch den großen Anteil an Eukalyptusbäumen entstehenden Naturschauspiel. Das auf der Blattoberfläche dieser Bäume befindliche Öl verdunstet und schafft somit einen bei Sonneneinstrahlung bläulich erscheinenden Nebelschleier, dessen Intensität stark genug ist um die Berge von Weitem bläulich wirken zu lassen.
Wir hatten uns dafür entschieden die Berge mit einer Tour zu besuchen um von unserem Tour-Guide viele nützliche Informationen über die Blue Mountains zu erfahren. Also hieß es schon früh aufstehen, denn wohnt man in Marsfield, muss man natürlich erst einmal eine Weile zu einem Bus-Treffpunkt fahren ;)
Kaum hatte uns unser Kleinbus eingesammelt, informierte uns unser Tour-Guide über eine Vollsperrung auf der Autobahn, die uns zwang unsere Route etwas zu verändern und einen großen Bogen um die Unfallstelle zu machen. Müde, wie wir waren, störte uns diese Verzögerung jedoch überhaupt nicht, denn sie bedeutete für uns ein bisschen mehr Zeit um auf der Busfahrt zu schlafen ;)
Zwischenstop machten wir in einem kleinen Berg-Café, in dem Lisa und ich uns einen frisch gebackenen Apfelkuchen gönnten – lecker!! - bevor es weiter in die Berge hinauf ging. Dabei erfuhren wir von unserem Tour-Guide über die Nützlichkeit von Waldbränden für die Blue Mountain Region. Diese steht mehrfach im Jahr in Brand – dabei ist häufig eine unachtsam aus dem Fenster geworfene Zigarette oder auch heiße Katalysatoren von auf dem Waldboden abgestellten Autos Ursache für die Entfachung des Feuers. Die Zigarette ist nicht vollständig abgeglüht und entzündet die leicht entflammbaren Eukalyptusblätter und auch die Wärme des Katalysators reicht aus, um das Laub zu entfachen. Dennoch, auch ohne menschliches Zutun, brennen große Teile des Waldes jährlich auf völlig natürlichem Wege ab – denn der Wald braucht dies zur Regeneration. Als eindeutiger Sieger geht aus den bis zu 4.000 Grad heißen Buschbränden (das ist heiß genug um Stahl zu schmelzen) der Eukalyptusbaum hervor. Von diesem gibt es im Blue Mountains National Park übrigens etwa saftige 700 verschiedene Arten. Er besitzt nämlich gegenüber den anderen Pflanzen einen unschlagbaren Vorteil: Seine Wurzelstöcke und Samen überleben - von einer feuerresistenten Rinde geschützt – den Brand und bereits 3 Wochen später treiben diese wieder aus. Das ist wesentlich schneller, als sich jede andere heimische Pflanzenart erholen könnte. Mehr noch braucht der Eukalyptusbaum das Feuer sogar um sich zu verbreiten, denn seine hart verschlossenen Samen sind ohne dieses fast nicht zu öffnen – nur eine einzige der hier lebenden 265 Vogelarten ist in der Lage sie zu knacken.
Unser Umweg führte uns schließlich zu einem Aussichtspunkt, der über eines der vielen Täler des Nationalparks blickte. Bereits am Morgen hatten wir feststellen müssen, dass über Sydney – trotz anders lautender Wettervorhersage; aber wer verlässt sich schon auf die... - eine dicke Wolkendecke herein gezogen war und auch jetzt hatte sich diese noch nicht erbarmt aufzubrechen. So lag also über dem gesamten Tal ein leichter Nebel, der mit dem grau des Himmels verschwamm – idyllisch, nicht? ;) Auch die Wärme hatte sich für diesen Tag verzogen und so fröstelten wir in unseren T-Shirts und kurzen Hosen doch beträchtlich bei lediglich 21 Grad. So ist das eben, wenn man zu lange von sommerlichen Temperaturen verwöhnt ist ;)

Zu allem Übel hatte ich mir am Morgen noch überlegt, meine dicke Bench-Fließjacke aus dem Rucksack heraus zu nehmen, denn es sah zwar regnerisch aus, doch KALT würde es schon nicht werden! Tja... Falsch gedacht. Glücklicher Weise war die gute Odisys Regenjacke jedoch im Rucksack verblieben, und so half mir zumindest diese dort oben auf dem Berg ein bisschen gegen die Kälte.
Zurück ging es also in den – wenn auch schon nicht warmen, dann doch wenigstens vom Wind geschützten – Bus und weiter in Richtung der normalen Tourstrecke. Der Weg führte uns zu einer Seilbahn Station, die ihre Besucher ins Jamison Valley tragen sollte und es wurde uns die Entscheidung überlassen, ob wir diese entweder benutzen möchten, oder aber, ob wir über die etwa 900 Stufen des „Giant Stairway“ ( = die gigantische Treppe) ins Tal hinunter gelangen wollten. Mit leicht schlechtem Gewissen wegen des Apfelkuchens und dem Drang, sich nach dem langen Aufenthalt in Marsfield mal wieder richtig zu bewegen, entschieden wir uns für die sportliche Variante – runter laufen und hoch fahren – und wurden dabei von weiteren 4 (von sage und schreibe 26) Tour-Teilnehmern und unserem Tour-Guide begleitet.

Der Weg führte uns vorbei an zahlreichen Aussichtspunkten, die uns sowohl einen – auf Grund des Wetters leider nur zumindest theoretisch – guten Blick auf die „Three-Sisters“-Felsenformation eröffneten, als auch auf die Katoombafalls.

Bei den „Three-Sisters“ (= drei Schwestern), handelt es sich um die wohl bekannteste Attraktion des Blue Mountain Nationalparkes. Über dem Jamison Valley thronen sie mit einer Höhe von 922 – 906 Metern und regen so allerlei Park-Ranger oder Tour-Guides dazu an, in ihre Märchenkiste zu greifen. Man sagt nämlich, dass die drei Schwestern teil der Aboriginie Traumzeit-Erzählungen wären, von denen 6 Stammesgruppen seit mindestens 25.000 Jahren diese Region bewohnten. Die Traumzeit bezeichnet im Glauben der Aboriginies die Zeit der Schöpfung. Ihre Erzählungen geben die Entstehung der Welt wieder, erklären ihre Gesetze und machen die Verwandtschaft aller Dinge miteinander, sei es Mensch, Tier, Natur oder ähnliches, verständlich.
So fanden die Aboriginies auch für die Entstehung der „drei Schwestern“ eine Erklärung, von der ich gleich zwei Versionen fand. Die scheinbar weiter verbreitete Version zuerst:
Es war einmal – Nein stop! Ich vergaß, wir lesen hier ja nicht aus einem westlichen Märchenbuch, sondern erzählen eine Dreamtime-Story. Also noch einmal:

Die Traumzeit-Legende erzählt von drei Schwestern „Meehni“, „Wimlah“ und „Gunnedoo“ (Ich bitte an dieser Stelle darum, mich nicht nach der korrekten Aussprache dieser Namen zu fragen ;) ), die im Jamison Valley als Mitglieder des Katoomba Stammes lebten. Sie waren außergewöhnlich hübsch und der Stamm war sehr stolz auf ihre Schönheit. Die drei Mädchen verliebten sich in drei Brüder eines anderen Stammes, doch das Stammesgesetz verbot ihnen eine solche Heirat. Doch die Brüder – in Liebe zu den Schwestern entbrannt – waren nicht bereit dieses Gesetz zu akzeptieren und so entschlossen sie sich dazu, die Mädchen mit Gewalt an sich zu reißen. Die Folge war ein riesiger Stammeskrieg.
Im Verlaufe dieser Schlacht geraten die Leben der drei Schwestern in ernste Gefahr, sodass ein Medizinmann ihres Stammes sie in Stein verwandelte, um sie vor jedem Schaden zu beschützen. Natürlich hatte er vorgehabt die Schwestern – nachdem die Schlacht beendet war – zurück in ihre menschliche Gestalt zu verwandeln, doch wurde er selbst im Kampf getötet. Nur ihm wäre es jedoch möglich gewesen, seinen Zauber aufzuheben, sodass die Mädchen noch bis zum heutigen Tage in ihrer steinernen Form verbleiben und mit ihrer außergewöhnlichen Felsformation alle folgenden Generationen an die Schlacht erinnern.

Soviel also zur ersten Version der Geschichte. Unser Tour-Guide erzählte uns die Geschichte jedoch etwas anders und da ich seine Version viel schöner fand, wollte ich sie euch natürlich auch nicht vorenthalten:

Vor langer Zeit lebten in den Blue Mountains drei kleine Aboriginie Schwestern. Sie hießen Meenhi, Wimlah und Gunnedoo, und ihren Vater, der ein Medizinmann war, nannte man Tyawan. Es gab nur eine Kreatur, die von allen gefürchtet war – der Bunyip, welcher in einem tiefen Loch hauste. Wann immer Tyawan am Loch vorbei gehen musste, ließ er seine schönen Töchter sicher an der Klippe hinter einer Felswand versteckt. Eines Tages, seinen Töchtern zum Abschied winkend, stieg er die Klippenstufen hinunter. Kurz darauf kroch ein riesiger Tausendfüßler über den Klippenrand hinauf, der Meehni fast zu Tode erschreckte. Sie warf einem Stein nach ihm, doch der Stein rollte über die Klippe und krachte hinunter ins Tal. Vögel, Tiere und Feen hielten die Luft an, als sich daraufhin der Fels hinter den drei Schwestern spaltete und diese auf einem dünnen Felsvorsprung gefangen nahm. Der auf Grund der Erschütterung erzürnte Bunyip tauchte aus seinem Loch auf und sah die verängstigten Schwestern. Währenddessen, im Tal, sah Tyawan den Bunyip die Felswand hinauf klettern, der seine Töchter schon fast erreicht hatte, also zielte er mit seinem magischen Knochen auf die Mädchen und verwandelte sie in Stein. Der Bunyip, davon natürlich nicht begeistert, verfolgte daraufhin Tyawan, der sich in einer Sackgasse wiederfand. Gezwungener maßen richtete er seinen magischen Knochen also auf sich selbst, und verwandelte sich selbst in einen Leierschwanz (Leierschwanz, oder in Englisch „Lyre Bird“ ist ein den Waldboden bewohnender typisch australischer Vogel, der sowohl für seinen schönen Gesang, als aber auch für die Tatsache, dass er auf dem Boden scharrt um kleine Insekten zu finden, bekannt ist). Nun waren alle sicher, doch als Tyawan davon flog, um dem Zorn Bunyips zu entgehen, verlor er seinen magischen Knochen. Als Bunyip verschwunden war, kehrte Tyawan an die Stelle zurück, an der er seinen Knochen vermutete und suchte und suchte nach ihm – und er sucht noch heute.
Die drei Schwestern beobachten ihn lautlos von ihrem Platz auf dem Felsvorsprung und hoffen, dass er den Knochen eines Tages finden wird, um sie wieder in ihre menschliche Gestalt zurück zu verwandeln. Wenn man heute die drei Schwestern betrachtet, kann man noch immer Tyawan, den Leierschwanz hören, wie er nach seinen Töchtern ruft, während er seine Suche nach dem verlorenen Knochen fortsetzt.

Hört sich das nicht niedlich an?
Unsere Mythologie – die Wissenschaft ;) - erklärt sich die Entstehung der Felsformation übrigens durch Erosion des Weichen Sandsteines. Dieser wird durch Regen, Wind und Flüsse leicht weggewaschen, sodass die drei Schwestern wohl irgend wann völlig verschwinden werden. Fakt ist, dass dort, wo heute die drei Schwestern stehen, einst 7 Schwestern vorzufinden waren, von denen 5 bereits abbrachen. Bestimmt erzählen die Tour-Guides nach dem Verschwinden der letzten Schwester dann davon, das Tyawan seinen magischen Knochen wiedergefunden hat ;)
Wir gelangten also schließlich ins Tal und so anstrengend waren diese 900 Treppenstufen nun auch wieder nicht gewesen. Der Versuchung sie wieder hinauf zu nehmen widerstanden wir aber gerade so ;)


Unten angekommen wollten wir uns sogleich an die Erkundung des Tales machen, dass Dank angelegter Holz-Stege wirklich angenehm zu durchlaufen ist. Da hatten wir leider falsch gedacht, denn unser Guide informierte uns darüber, dass wir etwa 10 Minuten hatten, um uns noch kurz umzusehen und dann sollten wir uns schon wieder am Fuße der Scenic Railway – der angeblich steilsten Bahn der Welt – einfinden. Ein bisschen enttäuschend fand ich das schon, denn ich hatte mich wirklich darauf gefreut den ganzen Tag lang durch die Gegend zu laufen und alles zu erkunden, zumal unser Guide uns das ja auch schon hätte sagen können, als er uns die Entscheidung, ob wir die Bahn oder die Treppe nehmen wollen, überlassen hat. Dann hätten wir uns vermutlich dafür entschieden unsere sportlichen Aktivitäten eben im Tal zu vollführen. Naja, wie dem auch sei, wir schafften es gerade noch uns ein paar Informationstafeln bezüglich des früher in den Blue Mountains betriebenen Kohleabbaus durchzulesen und fanden auch noch ein cooles aus Metall gegossenes Kohle-Schlepp-Pferd, doch dann ging es zurück. Die Scenic Railway – früher eine Bahn, die dazu benutzt wurde die Kohle aus dem Tal hinaus zu befördern; heute eine Touristenattraktion – ermöglichte uns leider auch keine spektakulären Blicke, denn da man Regen befürchtete, war sie mit einer Plastikplatte bedeckt. Oben angekommen stöberten wir noch durch den Souviniershop, denn Lisa, die sich ja Samstag bereits wieder auf den Weg ins kalte Deutschland machen würde, brauchte ja noch ihre Mitbringsel.

Zurück im Bus ging es zu einem weiteren Aussichtspunkt, der uns einen Blick über das „Valley of the Waters“ (= Tal der Gewässer) ermöglichen sollte. Diesen hatten wir aber – ganz eindeutig – nicht für uns allein, denn auf dem Aussichtpunkt wimmelte es nur so von asiatischen Teenagern, die – laut quatschend und ganz ganz fürchterlich falsch angezogen (Chucks mit Highheel-Absätzen während einer Wanderung?! Im Ernst jetzt?!) – jegliche Aussicht versperrten. Na ja, wir nahmen es – notgedrungener Maßen – mit Humor.


Auf dem Rückweg hielten wir noch in einem kleinen Tal und begaben uns auf die Suche nach Kängurus. Während die beiden Mädchen aus Dänemark, mit denen Lisa und ich uns ganz gut verstanden hatten, völlig aufgeregt waren endlich ein Känguru zu Gesicht zu bekommen, waren Lisa und ich da weniger ambitioniert. Wie heißt es so schön: Hat man eines gesehen, kennt man alle. Und in 6 Monaten Australien-Aufenthalt hatten wir schon genügend zu Gesicht bekommen ;) Lisa konnte sich trotzdem dazu durch wringen ein paar Fotos zu schießen und ich muss ja gestehen: sie sehen ja echt niedlich aus. Ich währenddessen machte es mir auf der Wiese gemütlich, denn endlich hatte sich der Tag entschieden, aufzuklaren und ein blauer Himmel erlaubte es ein paar Sonnenstrahlen meine Nase zu kitzeln :)
Das sollte es also gewesen sein: unser Ausflug in die Blue Mountains. Ein bisschen gemischte Gefühle beschlichen mich auf dem Heimweg, als ich den Tag an mir Revue passieren ließ. So ganz war es nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Na ja, dann muss ich eben irgendwann nochmal wieder kommen. Das ist ja nun auch nicht das schlimmste der Welt ;)

Wicked - die wahre Geschichte der bösen Hexe des Westens!

Unser aufregender Ausflug zu den Blue Mountains hatte uns nicht davon abgehalten den Abend noch zusätzlich aufregend zu verplanen und so hatten wir Karten für das Musical „Wicked“ gekauft. Basierend auf meiner Erfahrung aus Cats, welches ich mit Mama, Papa, Alex und Christina in Frankfurt gesehen hatte, erschien es mir klug im Rang zu sitzen und so hatten wir uns ein paar Sitzplätze in der 3. Reihe erkämpft. Mit von der Partie war neben Lisa und mir natürlich auch noch Nick. Seit ich Lisa am gestrigen Abend mit den Karten überrascht hatte – sie hatte es schon abgeschrieben, dass wir das vor ihrer Abreise noch schaffen würden – waren wir schon die ganze Zeit ganz hibbelig gewesen und hatten uns wie die Blöden auf die Vorstellung gefreut. Und wir wurden nicht enttäuscht!
Wicked, das auf der Geschichte des Zauberers von Oz basiert, zeigt die vermeintlich böse Hexe des Westens (im Englischen „Wicked witch of the west“, daher auch der Titel), die Dorothy im „Zauberer von Oz“ als Gegenspielerin gegenüber steht, in einem ganz neuen Licht und dreht dabei wohl jede Zuordnung von „Gut“ oder „Böse“ um 180° um. Denn als Dorothy im „Zauberer von Oz“ der bösen Hexe den Gar ausmachte, bekamen wir natürlich nur ihre Version der Geschichte erzählt. Wer aber steckt hinter der Figur der bösen Hexe und wie ist sie eigentlich böse geworden? Außerdem: Wie gut ist das Gute und wie böse das Böse wirklich?
Genau um all diese Fragen dreht es sich in „Wicked“ und eines ist sicher: Kommt man aus dem Theater wieder heraus, so hat man eine ganz neue Perspektive auf die alte Geschichte von Dorothy, die mit ihren Zauberschuhen im Lande des Zauberers von Oz fest sitzt gewonnen.
Bereits beim Betreten des Zuschauerraumes nahm mir das Bühnenbild fast den Atem! Eine große Landkarte verdeckte den Großteil der Bühne; darauf verzeichnet natürlich „Oz“ und in seiner Mitte „Emerald City“, die Smaragdstadt, in der der Zauberer von Oz wohnt. Diese wird von hinten mit einem grünlichen Licht bestrahlt und schimmert dadurch ganz magisch. Über der Karte befindet sich ein mehrere Meter großer metallener Drachen. Zu ihrer linken und rechten zwei Türmchen. Der Vorhang hebt sich – in diesem Falle also die Karte – und schon erklingt das erste Lied – ein Lobgesang darauf, dass die böse Hexe des Westens endlich vernichtet sei. Und dort, von ganz oben, kommt Glinda, die gute Fee, auf einem Metallgestell herunter geschwebt – in einem wundervoll glitzernden weißen Kleid und von Luftblasen umgeben. Könnte es einen besseren Einstieg in diese Geschichte geben? Und während die Bewohner der Smaragdstadt noch ihren Sieg über die böse Hexe feiern, erinnert sich Glinda an die Zeit vor ihrer Vernichtung zurück.
Nicht nur das Bühnenbild raubt einem den Atem, sondern auch die Kostüme. Sogar von hier oben sieht man ihnen ihre aufwändige Bearbeitung an und damit machen sie das Geschehen noch ein bisschen magischer.
In der Pause gibt es dann einen Hexentrunk aus farblich leuchtenden Cocktail-Gläsern, bevor man den Rest der Aufführung genießt.
Noch die ganzen nächsten Tage verbrachten Lisa und ich damit die Wicked-Lieder – natürlich fürchterlich schief, aber uns störte es nicht – lauthals bei uns zu Hause zu trällern.
Der Besuch war sein Geld also definitiv wert und ich kann nur jedem, der die Gelegenheit dazu bekommt empfehlen, sich das Musical anzusehen. Welches Musical würde ich mir noch einmal ansehen, wenn ich die Wahl zwischen „Cats“ und „Wicked“ hätte? Ganz eindeutig Wicked! Ich liebe zwar „Cats“, doch „Wicked“ hat ihm gegenüber einen ganz eindeutigen Vorteil: Eine grandiose Geschichte!

Sonntag, 21. Februar 2010

Der Morgen danach

Am nächsten Morgen erhoben sich nun also 5 verkaterte Gestalten und ich aus ihren Betten und genossen erst einmal einen liebevoll von Frank für uns zubereiteten Espresso ;) Während der Rest aufgrund des extensiven Alkoholkonsums am vorherigen Abend noch etwas mit dem Appetit und Hunger zu kämpfen hatten, freute ich mich schon richtig auf das Frühstück, dass wir in einem der Hafencafés zu uns nehmen wollten. Vorher musste jedoch für Frank noch ein Mysterium geklärt werden: Dieser war nämlich in der Mitte der Nacht aufgewacht und hatte das Bett unter sich komplett durchnässt vorgefunden. „Ach du Scheiße!“, war natürlich gleich sein Gedanke, „Hab ich ins Bett gemacht?!“ Doch das Abtasten seiner Hose ergab, dass das nicht der Fall seien konnte, denn diese war trocken. Er erinnerte sich also wieder daran, vor dem Einschlafen noch etwas getrunken zu haben, vermutete also richtiger Weise, dass die Nässe von seiner Wasserflasche stammen würde – diese war aber magischer Weise verschwunden ;) Der Austausch über die Erfahrungen, die wir beide in der Nacht gemacht hatten, resultierten in ausgiebigen Lachanfällen und machten mein vermeintliches „Angepinkelt-werden“ zum Running-Gag des Morgens.
Das Frühstück fiel dann beim Großteil der Gruppe mit lediglich einem Milchshake recht spärlich aus, während ich mir 2 Scheiben Banana-Bread bestellte, um meinen Körper für die neu verschriebenen Antibiotika vorzubereiten, die ich heute zum ersten Mal nehmen sollte.

Kaum hatte ich diese zu mir genommen (vermutlich mit zu wenig Flüssigkeit), verschlechterte sich meine Verfassung jedoch schlagartig und mein Kreislauf schien sich dazu entschieden zu haben, mich nicht mehr zu mögen. Leider sollte sich meine Verfassung den ganzen Tag nicht mehr verändern, doch Jammern hilft nichts und da für den Abend nicht genug Personal da war, musste ich sogar zur Arbeit erscheinen. Ich hoffte nur, dass die Einnahme der Medikamente nicht jeden Tag in solchen Beschwerden resultieren würde. Na ja, wenigstens konnte ich nun mit meinen Boots-Kumpanen mitfühlen ;)

Samstag, 20. Februar 2010

Yum Cha - wirklich "Yummy" (= lecker)

Und wieder einmal stand heute eines von Nicks kulinarischen Experimenten an, die er über den letzten Monat hinweg schon so oft mit mir unternommen hatte. Heute sollte es „Yum Cha“ (sprich = Jamtscha) sein, ein chinesischer Brunch, bei dem das Essen auf kleinen Küchenwagen an den Tischen vorbei gefahren wird und man sich einfach gerade an jenem bedient, was einem ins Auge springt. Bei diesem gewagten Unterfangen ließ es sich Lisa natürlich nicht nehmen uns zu begleiten uns so erreichten wir am späten morgen Chatswood, einen für seine asiatische Population bekannten Stadtteil Sydneys. Dort ging es schnurstracks ins Einkaufcenter und hinein ins „Kam Fook Restaurant“, einem traditionell gestaltetem chinesischem Seafood-Restaurant, in dem man sogar noch seinem Fischlein, Hummer oder Krebs persönlich auf Wiedersehen sagen kann, bevor er in den Kochtopf geschmissen wird.


Kaum hatten wir uns gesetzt ging der Spaß also los und schon stand jemand mit einem Wägelchen neben unserem Tisch und ließ uns fleißig aussuchen. Lisa und ich verließen sich da ganz auf Nick, der mit seinem großen Erfahrungsschatz in Sachen asiatischer Küche doch viel eher wusste, was er da vor sesiner Nase vor fand. Von Krebs über Frühlingsrollen, bishin zu Fisch-Reisbällchen wurde uns hier alles geboten und begierig probierten wir sogleich alles Neue, was sich auf dem Tisch einfand – manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg, denn obwohl Lisa und ich theoretisch schon mit Stäbchen umgehen können, hört es mit den angemessenen Tischmanieren ganz schlagartig auf, wird das Essen zu glitschig ;) Wir hatten trotzdem unseren Spaß und amüsierten uns über unsere kläglichen Versuche, das Essen aus den Schüsseln heraus und auf unseren Teller zu manövrieren.
Nachdem nun also jeder von uns zur Zufriedenheit gestärkt war, wagten wir uns an den Nachtisch heran: Mango-, sowie Kokusnuss-Wackelpudding und mit Mango und Sahne gefüllte Pfannkuchen. Leeecker! Danach waren wir allerdings so satt, dass wir schon fast fürchteten, wir müsten platzen ;)

Um die gerade aufgenommenen Kallorien wieder abzubauen entschieden wir uns spontan zu einem Airhockey-Match, denn bereits beim Eintreten in das Shoppingcenter war mir ein Airhockey-Tisch ins Auge gesprungen. Das es sich dabei um einen „Hamtaro“-Kinder-Airhockey-Tisch handelte, war mir von dort unten jedoch entgangen und so wurde das Match noch durch die Tiefe des Tisches verschäft ;) (für all jene, denen „Hamtaro“ nichts sagt: Hamtaro ist eine japanische Comicserie in der es um lauter – super niedliche – kleine Hamster geht). Besonders die darauf geklebten Hamtaro-Aufkleber erweckten beim Spiel unsere Aufmerksamkeit und lenkten uns damit schon ein wenig vom Geschehen ab ;) Nachdem mich Lisa in der ersten Runde geschlagen hatte, schaffte ich es 2 Mal Nick zu schlagen und konnte damit meinem eben an einem Hamtaro-Tisch verlorene Ehre wieder erlangen ;)

Ich verliere meinen Faden / Feucht-fröhliche Überraschung ;)

Nach diesem durchaus gelungenem Morgen musste ich mich schließlich wieder ernsteren Aufgaben zuwenden: Ein Besuch beim Arzt stand an, denn ich hatte vor 5 Tagen meine Stiche gesetzt bekommen und die sollten nun entfernt werden. Auf den Hinweis meiner Arbeitskollegen hin, ging ich hierfür jedoch nicht zurück ins Krankenhaus, denn es hätte wieder einmal ewig gedauert, dort an die Reihe zu kommen. So wurde mir also das „Medical Center“ nahe meiner Arbeitsstelle empfohlen und genau dort brachte mich Nick freundlicher Weise hin.
Schon am Empfang saß ein – typischerweise für diesen Stadtteil natürlich offensichtlich schwuler – sehr netter Empfangschef, der mir sogleich dabei half all jenen Papierkram richtig auszufüllen, den ich brauchte, damit die Behandlung des bei der Arbeit geschehenen Unfalls auch über die Arbeits-Unfall-Versicherung abläuft. Dazu musste er meinen Chef Kurt anrufen um von ihm die erneute Bestätigung zu erhalten, dass es sich hierbei um einen Arbeitsunfall handelte und sobald er aufgelegt hatte, hieß es gleich mit verschmitztem Lächeln und leicht anzüglichem Ton: „Ach, ich glaub ich kenne Kurt sogar... Das ist doch der, der immer in diesen netten Lederhosen rum läuft oder?“ Na da hatte ja wieder jemand einen Narren an Kurti gefressen ;)
Nach einigen Minuten wurde ich zu Doktor Huber ins Zimmer gerufen, der erst einmal einen ausgiebigen Blick auf meine Narbe warf und diese als perfekt verheilt bezeichnete. Natürlich war noch ein Strich zu sehen, wo sich der Schnitt ereignet hatte, doch trotz meiner Zweifel an den Fähigkeiten des Krankenhaus-Arztes, schien dieser beim Nähen wirklich gute Arbeit geleistet zu haben, sodass die Einstiche nahezu gar nicht mehr zu sehen waren, sobald Hautkleber und Fäden gelöst wurden. Ich erkundigte mich auch bei Doktor Huber nochmals nach einer Behandlung der Narbe durch Cremes oder Öle und anders als mein Krankenhaus-Arzt war dieser der Meinung, Vitamin C Öl würde bei der Wundheilung helfen und verschrieb mir dieses auf Kosten der Arbeitsversicherung. Wusste ich doch, dass ich nicht einfach nichts machen sollte, so wie es der Krankenhaus-Arzt vorgeschlagen hatte ;)
Nachdem meine Arbeitsunfall-Behandlung beendet war, nutzte ich die Gelegenheit nun endlich einmal bei einem Arzt zu sitzen um ihm von meinen seit 1 ½ Wochen immer wiederkehrenden starken Kopfschmerzen zu berichten, die mich schon förmlich in den Wahnsinn getrieben hatten. Ich war mittlerweile schon so verängstigt, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht hatte, mein Hirn nach irgendwelchen Tumoren abscannen zu lassen – so weh tat das Ganze!
Dr. Huber warf also einen Blick in meinen Hals, meine Nase und meinen Rachen und beruhigte mich mit der simplen Aussage: „Gute Nachricht, sie werden überleben“ sogleich ;) Im Detail erklärte er mir nun, woher meine Schmerzen kamen – eine durch Allergie ausgelöste Verschleimung meines Rachenbereiches hatte dafür gesorgt, dass sowohl meine beiden Nasenhöhlen, als auch die hinter dem Auge liegenden Hohlkammern völlig verstopft waren, was in einem starken Schmerz hinter meinem Auge resultierte – und nahm sich wirklich Zeit mir zu erleutern, wie es dort hinten in meinem Nasenbereich aussah. So gut war ich noch nie von einem Arzt unterrichtet worden! So manch ein Roßdörfer Arzt könnte sich da ruhig mal eine Scheibe von abschneiden *räusper* Mir war es immer gewesen, als habe ich hier in Australien nicht mit Heuschnupfen-Beschwerden zu kämpfen, deshalb wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, meine Kopfschmerzen könnten auch nur im Geringsten damit zusammen hängen – tja, falsch gedacht, auch hier auf der anderen Seite scheine ich von meinen Allergien leider nicht verschont zu bleiben.
Dr. Huber ging gleich aufs Ganze und verschrieb mir neben Nasenspray auch gleich Antibiotika um die Entzündung abschwellen zulassen, sodass ich die Apotheke schließlich zwar um 120 AUD ärmer, aber mit einer ganzen Medikamenten-Sammlung reicher wieder verließ ;)
Sogar die saftige Gebühr, die mir in Australien abverlangt wird, um einen Arzt zu sehen, wurde auf Dr. Hubers Drängen hin von 95 AUD auf 80 AUD erniedrigt – hey, das ist schon einmal Essen gehen ;) - und somit verließ ich den Arzt guten Mutes und mit der Hoffnung, bald von meinen Kopfschmerzen erlöst zu sein.
Ausruhen war aber natürlich nicht, schließlich war ich ja heute für die Abendschicht zum Arbeiten eingetragen und obwohl ich viel lieber bereits jetzt zur Bootsparty gegangen wäre, die sich heute auf Franks Boot – einem Freund, den Lisa und ich vor Monaten in Airlie Beach kennen gelernt hatten und der hier in Sydney lebt – ereignen sollte, hatte ich schlicht und ergreifend keine Wahl. Kaum hatte die Uhr jedoch 23.30 Uhr geschlagen und wir alles im Restaurant aufgeräumt, sauste ich hinunter zur U-Bahn und keine 20 Minuten später fand ich mich in Darling Harbour auf Franks Boot ein.

Dort hatte die Party schon um 19 Uhr begonnen und eine schon merklich beschwipste Lisa und ein ebenso merklich torkelnder Frank holten mich vom Pier ab um mich zum Boot zu führen ;) Kein Wunder, bedenkt man doch Franks Version des „Long Island Iced Teas“, dessen Geheimnis es doch ist, lediglich aus Alkohol zu bestehen und nur gerade soviel Cola zu enthalten, dass sich die Farbe des Getränkes verändert. Zu meiner Erleichterung hatten die Anwesenden – Frank, Lisa, Ina, Mel, Albert und seine Freundin Sarah (letztere 3 hatte Frank auf seinem Tauchurlaub auf Koh Tao kennengelernt, aus dem er gerade zurückgekehrt war) – die Schüssel Long Island Iced Tea schon vernichtet und mir blieb damit ein weitaus angenehmeres - von Mel zusammen gemixtes - Gebräu übrig ;)

Für mich war es das erste Mal, dass ich Frank wieder traf, seit wir uns im September letzten Jahres in Airlie Beach kennen gelernt hatten, denn – gelobt sei die Arbeit ;) - während Lisa sich in den letzten Wochen immer mal wieder mit ihm hatte treffen können, war ich immer verhindert gewesen. Nun endlich hatten wir es also geschafft und schon wie in Airlie hatten wir super viel Spaß bei Getränken, Musik und Unterhaltungen. Erst gegen 4 Uhr früh verschlug es uns schließlich ins Innere des Schiffes um zu Schlafen und es mangelte auf dem Boot auch nicht gerade an Übernachtungsmöglichkeiten um uns alle unterzubringen ;) Während Lisa und ich uns also – wie wir das gewöhnt sind – ein Doppelbett teilten, verweilte Frank auf jenem Bett, dass sich genau über meiner Doppelbetthälfte befand. Warum dieses Detail wichtig ist? Wartet nur ab!
Ich war also schon seelenruhig in das Land der Träume abgedriftet, als ich plötzlich unsanft aus meinem Schlaf geweckt wurde – es tropfte auf mich! „Was zur Hölle!?“ dachte ich mir, denn es war klar, dass das nur von Franks Bett kommen konnte. Die Horrorstory, die mir in einem jener Hostels berichtet worden war, die ich auf meiner Reise besucht hatte, kam mir in den Sinn: Ein Kerl hatte sich eines Abends so dermaßen betrunken, dass er seine Blase im Schlaf nicht mehr unter Kontrolle zu haben schien und pinkelte ins Bett. Auch hier ist diese Geschichte – bedenkt man, dass es sich dabei um ein Hostelbett handelt – schon wirklich peinlich, aber es kommt noch besser: der Junge schlief nämlich auf dem oberen Bett eines Hochbettes und sein „Unfall“ betraf dann auch gleich noch das Mädchen das unter ihm schlief, welches von der durch die Matratze dringenden „Flüssigkeit“ voll getropft wurde. Versteht ihr meinen Gedankengang? „Ich bringe dich um Frank! Ich bringe dich UM!“, dachte ich mir und setzte mich so auf dem Doppelbett auf, dass ich auf seine Liege sehen konnte. Dort fand ich – zu meiner Verwirrung, doch ebenso zu meiner großen Erleichterung - eine offene Wasserflasche auf dem Bett liegend vor. „Gott sei Dank, er hat nur den Deckel nicht richtig aufgesetzt“, schoss es mir durch den Kopf und ich sendete ein paar Stoßgebete Richtung Himmel ;) Ich sammelte also die Flasche vom Bett, verschloss sie wieder und tupfte – so gut es eben ging – mit einem Handtuch die völlig durchnässte Matratze etwas trocken. Frank schlief derweil noch seelenruhig weiter und ich wollte ihm seinen Frieden auch gar nicht nehmen. Ich legte mich also wieder hin und schon war ich eingeschlafen.

Freitag, 19. Februar 2010

Spätsommerliche Schneeballschlacht in Sydney

Bereits die letzten paar Wochen hatten sich Lisa und ich von unseren Eltern das Gestöhne über immer wieder auftretenden Schneefall, Streusalzknappheit und vereisten Straßen anhören müssen und das zu so einer späten Zeit des deutschen Winters! Wo es mitlerweile schon eine echte Ausnahme bleibt, dass es ein Paar Tage lang im Rhein-Main-Gebiet schneit und der Schnee auch wirklich liegen bleibt, schien es in diesem Winter so, als hätte sich Deutschland in eine Schneekugel verwandelt.
Aus Mitgefühl für unsere Daheimgebliebenen entschieden sich Lisa und ich schließlich, sich auch am fröhlichen Schneetreiben zu beteiligen und bauten am heutigen Freitag einen Schneemann, sowie veranstalteten eine Schneeballschlacht. Und das nicht etwa auf einem hoch gelegenen Berg, nein, gleich hier in unserem Sydney-Vorort Marsfield - sogar gleich in unserem Garten. Wie das ganze funktionieren soll fragt ihr euch? Tja, ganz einfach, wir haben gelernt zu zaubern ;) Naja, ein wenig Hilfe haben wir dabei von Lisa's Schwester erhalten, die Lisa zu Weihnachten mitsamt der Eltern und Freund in Australien besucht hatte und "Schnee-Wunderpulver" mitgebracht hatte. Dieses galt es nun nur mit Wasser zu vermischen und im Gefrierfach für einige Zeit ruhen zu lassen und schon konnten wir mit dem Schneemann-bauen loslegen.
Dabei war uns doch glatt entfallen, wie kalt Schnee doch wirklich war und so saßen wir in unseren kurzen Klamotten in unserem Garten und vereisten uns beinahe die Finger bei dem Versuch, möglichst gleichmäßige Kugeln für unseren kleinen Schneemann-Körper zu formen - Tja, Schneehandschuhe nimmt man eben im Allgemeinen nicht unbedingt mit nach Australien. Mit einigen Tricks gelang es uns aber schließlich unseren auf "Snowy" getauften Schneemann zu errichten und natürlich hatten wir auch daran gedacht Karotten einkaufen zu gehen, um ihm eine Nase zu verpassen. Da unsere Karotte jedoch ein größeres Ausmaß hatte, als der tatsächliche Schneemann, hieß es gleich erst einmal Schneemann-Nase-Schnitzen und schon prangte eine wunderschöne orangene Möre in dessen Gesicht.
Ein paar Mini-Stöckchen als Arme später nahm er schon richtige Formen an und seinen Job als Foto-Modell richtig ernst ;)

Doch so wie alles sein Ende haben muss, blieb auch "Snowy" leider nicht davon verschohnt, und zu allem Überfluss gab es auch noch frech genuge Menschen, die diesen wirklich tragischen Vorfall per Videokamera festgehalten haben - immer diese Sensationslustigen!
Nachdem Snowy sich nun leider von den Lebenden verabschiedet hatte, fanden wir jedoch sogleich eine neue Verwendung für dessen Überreste: Eine Schneeballschlacht. Und so kam sie zustande, unsere spätsommerliche Schneeballschlacht in Sydney. Aber seht nur selbst:



Hafenluft schnuppern

Der Abend sollte für uns ebenfalls noch einige Aktivitäten bereit halten, denn zur Abwechslung hatte ich an einem Freitag Abend einmal frei. Also entschlossen sich Ina, Lisa und ich zur Opera Bar zu gehen und bei ein paar Drinks gemütlich zu Quatschen. Die Kulisse dafür ließ sich auch wirklich sehen, hatte doch ein großes Kreuzfahrtschiff (der Name ist mir leider entfallen) im Hafen festgemacht und erstrahlte dort in auffälligem Violett.

So in reiner Mädels-Gruppe unterwegs, dauerte es natürlich nicht lange, bis wir von den ersten Jungs angequatscht wurden und damit durfte ich natürlich so einige Male erklären, was es mit den Fäden in meinem Kinn auf sich hatte. Lisa jedoch sprang gleich helfend ein und verbreitete das Gerücht, ich sei Profiboxerin und wäre bei meinem letzten Kampf schwer verletzt worden. Bei der Menge von Alkohol, den einige dieser Jungs im Blut hatten, führte das vorerst zu erstaunten und bewundernden Blicken, bis sie schließlich doch realisierten, dass wir sie auf den Arm nahmen. Wir genossen also ein gutes Opera-Bar-Bier – ein sehr reiches und nahezu fruchtiges Bier, das nur in jener Bar erhältlich ist – bis später auch noch Nick zu uns stieß und wir genug von der Location und den Leuten hatten.


Zurück ging es also Richtung Cirqular Quay, wo wir uns erneut in einer Bar niederließen um ein bisschen Wein zu genießen. Keine 30 Minuten später torkelten auch unsere neu gewonnenen „Freunde“ vorbei und gesellten sich natürlich sogleich zu uns ;) Haha, das war ein Spaß, waren wir sie doch gerade erst erfolgreich losgeworden. Zu unserer Verabredung, die wir für Freitag ausmachten um Lisa's Abschied aus Australien zu feiern hätten sie sich bestimmt auch gerne noch eingeladen, aber wir verrieten ihnen sicherheitshalber nicht, wohin wir gehen würden ;) Man kann ja nie wissen :P