Sonntag, 27. September 2009

Mackay - Kitesurfen

Am ersten Morgen in Ron's Haus hieß es schon früh aus den Federn heraus, denn der Herr wurde schon ganz unruhig: der Wind war stark an diesem Tag. Was einen Fischermann mit kleinem Boot verärgert hätte und seine Pläne, einen guten Fang zu machen, zerstören würde, war für Ron und seine Freunde eine super Begebenheit. Denn für's Kitesurfen braucht man eine starke Priese. Ich hatte zuvor noch nie wirklich vom Kitesurfen (oder auch „Kiten“) gehört und so war dies eine ganz neue Erfahrung für mich, die ich natürlich nicht missen wollte.
Ausgerüstet mit seinem Kite – einem großen Drachen, der ein bisschen an einen Gleitschirm erinnert -, einer Luftpumpe und seinem Hüftgürtel ging es also hinaus Richtung Sarina, wo wir auf Peter (27) – einen seiner Kiter-Freunde – treffen sollten. Am Strand angekommen zeigte sich mir ein verblüffendes Naturschauspiel: Der Sandsturm, der schon vor einigen Tagen auch für den Norden Queenslands angekündigt worden war und ganz Brisbane bereits unter einer Schicht rot-braunen Staubes begraben hatte, war hier in der Ferne, über dem Meer hängend, deutlich zu sehen. Zwar war der Tag relativ freundlich und warm, doch blickte man hinaus auf's Meer, so schien es sich hier eher um einen trüben, deutschen Herbsttag zu handeln.
Die Jungs störte das jedoch eher wenig, und so pumpte Ron seinen Kite auf (der Kite enthält keinerlei starre Teile, so wie zum Beispiel Metallstangen, um ihn zu stabilisieren, sondern lediglich Luftschläuche, die aufgepumpt werden und somit Stabilisierung schaffen) und schwang sich auf sein Board. Ich bewaffnete mich derweil mit meiner Fotokamera und versuchte einen guten Action-Shot zu schießen, was sich jedoch als nicht so einfach heraus stellte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wenig später stießen auch Kitey und Nathan zu unserer Gruppe hinzu und somit hatte ich nun Gesellschaft beim Fotografieren, denn auch Nathan kann nicht Kitesurfen. Anders als Nathan jedoch, der eine wasserfeste Kamera dabei hatte, musste ich mich ein wenig zurück halten. Diese wasserfesten Kameras sind hier in Australien (zumindest an der Küste) wirklich unglaublich beliebt. Naja, mal rein logisch betrachtet macht das ja auch Sinn, verbringt man seine Zeit hier doch größtenteils mit Wassersportarten und am Strand. Dabei sieht so eine Wasserkamera wirklich gar nicht anders aus, als eine ganz normale Kamera und kostet auch nur 100-200 Dollar mehr, wie man mir sagte. Mich juckt es ja schon ein bisschen in den Fingern, mir so eine zu zulegen, aber auf der anderen Seite... ich hätte – zurück in Deutschland – ja doch keine Verwendung dafür (haha, höchstens beim Quietscheentchen fotografieren in der Badewanne!!).

Die Kraft, mit der Ron, Kitey und Peter von ihrem Kite durch die Gegend gezogen wurden, war schon überwältigend. Wäre der Kite nicht noch über einen Haken am Hüftgürtel des Kiters befestigt, wäre er ihnen wohl so einige Male aus der Hand geflogen. So jedoch nutzten sie den Auftrieb, den der Kite ihnen verschaffte für Sprünge und Tricks und gaben dabei wirklich keine schlechte Figur ab.
Ein bisschen neidisch war ich ja schon, da auf meinem Strand stehend, obwohl ich gestehen muss, dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich so einen Kite überhaupt halten könnte. Irgendwann probiere ich das aber ganz sicher mal aus ;) Einige Stunden später nun, entschlossen wir uns zu Peter's und Claire's (seine Freundin) Haus zurück zu kehren um ein wenig zu Grillen. Neben Peter und Claire, die beide erst vor etwa einem Jahr nach Australien gezogen waren, ursprünglich aus Großbritannien stammten und hier als Zahnarzt und Zahnarzt-Helferin arbeiten, gesellte sich auch noch Michaela (23) zur Runde hinzu. Auch sie stammt ursprünglich aus England und ist vor etwa 2 Jahren mit ihrer Familie nach Australien ausgewandert.
Bei so viel europäischer Präsenz fühlte ich mich natürlich gleich wohl. Und alle fühlten wir in einem Punkt genau gleich über Australien: Australien hat die unbeschreibliche natürliche Schönheit, aber Fakt ist: Europa hat die Kultur! Jemand wie Ron, der in seinem Leben noch nie in Europa gewesen war, kann glaube ich einfach nicht verstehen, wie anders das Leben in Europa doch tatsächlich ist, genauso wie jemand, der noch nie in Australien war. Zwar ist Australien ein durch europäische Sitten geprägtes Land (wie sollte es auch anders sein, kamen die ersten Siedler doch aus Europa), doch die geographischen Begebenheiten des Landes und vor allem seine Weite schaffen doch ein ganz anderes Klima als in Europa.
Was auf der einen Seite entspannend und idyllisch erscheinen mag und auch ganz sicher ist, kann auch ganz schnell in langweilig und optionslos umschwenken, dann nämlich, wenn man nicht gerade zum Stand gehen oder sich betrinken möchte. Befindet man sich nicht in einem der handvollen Metropolen Australiens, sieht es mit Veranstaltungen, die man besuchen kann oder Plätzen, die irgend eine Beschäftigung bieten relativ rar aus. Naja, dann chille ich eben ein Jahr lang ;)

Wenig später stieß auch noch Shaun zu unserer Gruppe hinzu, der gerade erst von der Goldcoast nach Mackay hinauf gezogen war und mit Claire zusammen im Krankenhaus als Kinderzahnarzt arbeitet. Bei Hamburgern, Würstchen, Salat, Chips und einigen Drinks ließen wir es uns also richtig gut gehen und saßen bis tief in den Abend noch quatschend zusammen. In dieser Gruppe fühlte ich mich nun wirklich pudelwohl. Peter und Claire waren soo lieb und ich hatte so vieles, was ich mit ihnen bereden konnte, sodass ich mich gleich fühlte, als wären sie schon jahrelang meine Freunde und auch Michaela war mir überaus sympatisch.
Als Ron mir an diesem Abend anbot so lange im Haus zu bleiben wie ich wolle und lediglich 60 Dollar pro Woche für die Unterkunft von mir verlangte, stand deshalb gleich für mich fest: Klar, hier bleibe ich! Bei so vielen tollen Leuten und einer Stadt, die dafür bekannt ist, dass man hier leicht Arbeit findet, warum nicht?

Samstag, 26. September 2009

Mackay – Die scheinbare Geisterstadt

- Mehr Bilder folgen noch!! -

Am Samstag hieß es nun also die Vertrautheit von Lee's Wohnung verlassen und sich ins Ungewisse begeben – genauer gesagt 150 km weiter südlich nach Mackay. Meine Freunde in Airlie Beach hatten nur den Kopf über mein Vorhaben geschüttelt überhaupt in Mackay halt zu machen, doch da Rockhampton gleich 500 km entfernt lag und ich keine Lust auf eine super große Busreise hatte, zog ich es vor Mackay eine Chance zu geben. Hatte ich geglaubt auf dem Bootstrip auf mich alleine gestellt zu sein, so hatte ich mich eindeutig getäuscht. Hier in Mackay angekommen hieß es nun WIRKLICH völlig allein mit meinem KOMPLETTEN Gepäck durch die Straßen wandern und versuchen eines der beiden Hostels in der Stadt zu finden.
Ich machte mich also - bei ganz schöner Hitze und in Jeans und Pulli gekleidet (notwendig, weil die Klimaanlage der Greyhoundbusse einen fast zu Eis gefrieren lässt) - auf den Weg zur Sydneystreet, wo ich im Geckos einchecken wollte. Eine Vorbuchung war mir leider nicht möglich gewesen, denn da man bei einer Buchung nur einen Prozentanteil der Kosten bezahlt und ich nur für eine Nacht buchen wollte, falls es mir nicht gefallen würde, war der Betrag, mit dem meine Kreditkarte belastet werden würde, zu klein (weniger als 1,50€) und ich konnte ihn nicht bezahlen. „Was soll's“, hatte ich mir gedacht, „wenn es da nur 2 Hostels gibt und in der Stadt sowieso nicht viel los ist, dann werden schon nicht beide Hostels ausgebucht sein!“ Tja, falsch gedacht...

Mein Gepäck endlich zum Geckos gecheckt erfuhr ich von dem Mädchen am Schalter, dass für die heutige Nacht leider nichts mehr frei wäre. Sie ersparte mir netter Weise den Weg zum zweiten Hostel in der Stadt und erfuhr über Telefon, dass die Lage im anderen Hostel auch nicht anders aussehen würde. „Na toll! Völlig allein in einer fremden Stadt, ohne Orientierung und ohne Möglichkeit die warmen Klamotten gegen angenehmere einzutauschen! Naja, was solls, dann lagere ich hier erstmal meine Sachen ein und erkunde die Straßen, ob es hier vielleicht ein erschwingliches Motel gibt“. Gesagt getan begab ich mich zurück auf die Straße um mich umzusehen. Ohne Internetzugang jedoch, stellte sich die Orientierung als realitiv schwierig heraus, denn GoogleMaps konnte ich nicht nutzen. Ich erkundigte mich also nach dem Weg zur Lagoone, da ich hoffte dort, wie bisher immer, eine Art Stadtzentrum vorfinden zu können. Zwar hatten wir es erst 14 Uhr an einem sonnigen Samstag, jedoch schienen die Straßen von Mackay bereits fast ausgestorben. Kaum eines der Geschäfte hatte geöffnet und mein Magen knurrte schon bedenklich. Zum Glück hatte ich 2 der am Vortag gebackenen Muffins mitgenommen, die mir zumindest über die erste Durststrecke hinweg helfen sollten.
Ziemlich entmutigt und verzweifelt setzte ich mich auf eine der Parkbänke, die es am Fluss entlang auf dem Weg zur Lagoone gibt, und packte mein Buch aus. „Beruhige dich Franzi, du wirst schon irgendwo unter kommen“, sagte ich mir und versuchte meine Aufgekratztheit zu verscheuchen. Ohne viel Erfolg jedoch – Zwar genieße ich es sehr ein gutes Buch an einem schönen sonnigen Tag zu lesen, doch nur dann, wenn ich nicht gerade fürchten muss heimatlos zu sein... ich konnte mich nicht wirklich dazu bewegen, mich auf das Buch zu konzentrieren. Also ging es weiter Richtung Lagoone. Dort angekommen konnte ich mich leider auf Grund von fehlendem Bikini (der ja immer noch, so wie meine luftigen Klamotten, im Abstellraum des Gekkos auf mich wartete) noch nicht einmal im Wasser abkühlen und fragte deshalb ein paar Mädels, wo ich hier den nächsten McDonals finden würde, in der Hoffnung freies W-Lan – und damit Kontakt zur Außenwelt – zu finden. Ich spielte sogar mit dem Gedanken einfach den nächsten Bus zurück nach Airlie zu buchen und zurück zu Lee zu kehren.
Die Mädels hatten mich in ein nahe gelegenes Einkaufszentrum geschickt, und zum ersten Mal fühlte sich Mackay nicht wie eine Geisterstadt an. Hier gab es tatsächlich Menschen und viel besser noch: Geschäfte, die geöffnet hatten! So holte ich mir gleich ein Sparmenü von McDonals um endlich meinen knurrenden Magen zum Schweigen zu bringen.

Nach einigem hin und her Überlegen entschloss ich mich dazu, Ron, dem Kerl, denn ich in der Beaches-Bar einige Wochen zuvor kennen gelernt hatte und der mir seine Nummer gegeben hatte, eine Sms zu schreiben und ihn zu fragen, ob er vielleicht einen Platz wüsste, in dem ich für nicht allzu viel Geld für heute Nacht einchecken könnte. Was hatte ich schon zu verlieren? Die Sms, die ich zurück bekam begann mit der amüsanten Information, dass er echt glücklich wäre, dass ich mich melde, denn er habe meine Nummer verloren, da er sein Handy beim Schnorcheln in der Hosentasche vergessen hätte. Hahahaha, wie kann man das denn schaffen?!
Er bot mir außerdem an, die Nacht bei ihm im Haus zu verbringen, dass er mit 3 anderen Leuten bewohnen würde, und lud mich ein am Abend mit ihm und seinen Freunden Essen zu gehen. Glücklich darüber, einen Platz zum Schlafen gefunden zu haben, sagte ich natürlich zu und wenig später holte Ron mich und mein Gepäck ab um mich zu ihm zu fahren.

Der Weg führte hinaus aus der Stadt in einen der unzähligen und weit gefächerten Stadtteile Mackays. Mir, die ich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Ahnung von den geographischen Gegebenheiten Mackays hatte, kam die Fahrt unglaublich lang vor und ich hoffte nur, jetzt nicht irgendwo auf einem Bauernhof zu landen. Doch schnell verflog meine Angst, als wir in einen, der hier typischen „Estates“ einbogen. Dabei handelt es sich um künstlich angelegte Wohnsiedlungen, die einem das Gefühl verschaffen, man befände sich in einem ganz kleinen Örtchen, in dem man alle seine Nachbarn kennt. Dabei findet man überall sorgfältig gepflegte Vorgärten, schöne Häuserfassaden und kleine begrünte Verkehrsinseln, die einen davon abhalten sollen, hier durch die Gegend zu Rasen. Wer sich schon einmal „Desperate Housewives“ angesehen hat, könnte das Aussehen vermutlich am besten mit der Wisteria Lane vergleichen.
Im Haus machte ich gleich die Bekanntschaft von Matt, Ron's 33 jährigen Mitbewohner (Ron selbst ist übrigens 29) und durfte meine Sachen in Ron's Zimmer unterbringen. Das Haus ist relativ groß, wenn auch nur einstöckig, besitzt ein Wohnzimmer, einen Fernsehbereich, eine offene Küche, 3 Schlafzimmer, 2 Bäder, eine Garage und einen großen Garten. Was will man mehr? Da hatte ich doch wirklich Glück mit meiner Unterkunft gehabt ;)
Besonders interessant fand ich es außerdem, dass es hier in Australien völlig normal zu sein scheint, sich ein Haus zu mieten und dieses mit einer Wohngemeinschaft zu bewohnen. Was man sich bei uns nur höchstens als Wohnung leisten kann (und das dann auch ganz sicher ohne Garten!) scheint hier kein Problem zu sein. Und dabei begreift man Mackay von den Wohnpreisen her als einen der teuersten Orte in ganz Queensland. Dies kommt zustande, da es hier in der Gegend eine sehr große Mienen-Industrie gibt – und Mienenarbeiter verdienen hier in Australien verdammt gut! Die Konkurrenz ist also groß und zahlungsfähig. Naja, aber wenn Australien eines zu bieten hat, dann ist es ganz sicher Platz! Es verwundert also nicht wirklich, dass man es hier vermutlich schwerer hat eine Wohnung zu finden, als ein Haus, denn in die Höhe wird kaum gebaut. Bewegt man sich nur ein bisschen aus dem Stadtkern heraus, so findet man nur noch lediglich ebenerdig gebaute Häuser vor.


Nachdem ich mich nun also ein bisschen im Haus umsehen durfte, hieß es sich schick machen für's Restaurant. Dort sollte ich auf Kitey und Nathan treffen – Ron's 19 jährige Mitbewohnerin (die ihren Spitznamen ihrem Hobby, dem Kitesurfen, verdankt) und ihr Freund -, sowie auf Lisa und auf Charlotte – Rons 3. Mitbewohnerin im Alter von 18, die im Restaurant an der Bar angestellt ist. Das Essen war mit nahezu 30 Dollar eindeutig das Teuerste, das ich seit meiner Ankunft in Australien zu mir genommen hatte, war dafür aber auch weitaus feiner, als alles zuvor gegangene. Mit Kitey und Nathan verstand ich mich gleich auf Anhieb und so war ich wirklich froh, dass Ron mich vor meinem Obdachlosen-Schicksal bewahrt hatte und mir so nette Leute vorstellte. Neben leckeren Essen gab es ebenso leckere Cocktails und so verstrich der Abend auf eine sehr angenehme Weise.
Jetzt fühlte ich mich wieder besser. Hatte der Tag noch so schrecklich ganz alleine im verlassenen Mackay angefangen, so machte die Gesellschaft am Abend es wieder her und veranlasste mich dazu, Mackay doch nicht als eines der schlimmsten Erlebnisse auf meiner Reise in Erinnerung zu behalten.

Montag, 21. September 2009

Campen auf den Whitsunday Islands 20.09.2009 - 21.09.2009 Teil 2

Um 7 Uhr morgens war unsere Nacht dann aber endgültig vorbei, da uns das liebevolle Gekrächtse einiger Krähen aufweckte... wir überlegten sie mit Lee's Harpune vom Baum zu holen, entschieden uns jedoch dagegen - zu viel Aufwand!
Während die Jungs das Boot für einen neuen Tag vorbereiteten - d.h. vom gröbsten Schmutz säuberten und Benzin nachfüllten -, bereiteten wir Mädels ein ausgiebiges Frühstück mit Bacon und Egg (Schinken und Ei) vor. Ein bisschen zusätzliche Knusprigkeit erlangten wir durch die - natürlich völlig gewollte - Zugabe von Sand... Lecker! Vielleicht hat diese Art des Campens doch ein paar kleine Nachteile.
Danach hieß es unser Hab und Gut in einer Felsspalte verstecken, damit sich keiner darüber hermachen würde und zurück aufs Boot. Dabei leisteten wir ganze Arbeit, denn mit den Decken kaschiert, die wir über unsere Sachen gelegt hatten, ließ sich wirklich nur dann ein Unterschied zwischen Fels und Gepäck feststellen, wenn man wusste, wo man suchen muss. Damit hatten wir nun also genügend Zeit ein weiteres Mal ausgiebig Schnorcheln zu gehen.
Unweit einer kleinen Insel hielten wir diesmal für einen Schnorchel-Gang und schon vom Boot aus sah das Wasser wunderschön aus. Nachdem wir nun also die dortige Unterwasserwelt erforscht hatten, begaben sich Sophie und ich auf die Insel, denn Lee hatte uns verraten, dass man dort viele schöne Muscheln und Korallen finden kann. Ein wenig durch die Gegend geguckt und schon hatten wir beiden etwas, dass uns gefiel. Während Sophie und Ben wohl keine Probleme damit haben dürften, ihre Muschel nach Hause zu transportieren, war für mich klar, dass ich nicht fähig sein werde, die Koralle und den kleinen Seestern, die ich gefunden hatte, nach Hause zu schicken, geschweige denn sie ein Jahr lang mit mir herum zu schleppen und sie mit zurück ins Flugzeug zu nehmen. Das sind eben die Nachteile, wenn man plant Australien wieder zu verlassen... Ein anderer Verwendungszweck schoss mir allerdings sogleich in den Kopf: Als Dankeschön für all die Hilfe, die ich von Mark bekommen hatte, die ganzen Kontakte, sowie die Vergünstigung für das Apartment, wollte ich ihm die Koralle hinterlassen. Ich war mir sicher, er würde einen schönen Platz für sie finden.
Mein zerbrechliches Gut so gut wie möglich verstaut ging es nun also weiter übers Meer zum nächsten Schnorchel-Spot. Nachdem auch dort alles erkundet war, leisteten sich die Jungs ein bisschen Spaß und pesten (mit langem e ;) hihi, jetzt pack ich schon mein Plattdeutsch aus) unweit des Whitehaven Beaches durch eine Art Wasser-Wald-Gebiet. Es erinnerte mich ein bisschen an jene Wassergebiete, die man immer im Fernsehen sieht, wenn es mal wieder eine Reportage über Krokodile im Amazonas gibt. Sträucher und Bäume, die aus dem Wasser heraus ragen und nahezu „Wasserstraßen“ zwischen sich Bilden. Vermutlich könnte man sowas auch schon mal bei „Crocodile Hunter“ gesehen haben... sehr beruhigend ;) Ich strengte mich also besonders an, nicht aus dem Boot zu fallen (nicht, dass diese Gefahr jemals bestanden hätte... aber man weiß ja nie ;) ) und hielt Ausschau nach grünlich-braunem Getier, das sich als Baumstumpf tarnt. Wir hatten jedoch Pech, denn kein Krokodil wollte sich blicken lassen.

Wir hielten nahe einer der für den Whitehaven Beach so bekannten „Sandinseln“ (für alle, die interessiert daran sind, was ich meine, der gehe zu http://maps.google.de/ und suche nach „Whitsunday Islands“. Der weiß hervorstechende Strand, den man schon von weit aus dem All erblicken kann, ist der Whitehaven Beach. Zoomt man nun ein wenig heran, so erkennt man, dass das Gebiet rund um den Hauptstrand herum interessant aussehende Quirle aufweißt. Diese Quirle sind kleine Wasserpassagen und die kleinen Sandinseln von denen ich spreche) und sprangen ins Wasser, um die Insel für uns zu erobern. Sophie und ich nahmen dabei unsere Bücher mit, denn wir wollten wenigstens einmal auf unserem Camping Trip einfach nur am Strand gelegen und gelesen haben. Die paar Meter zum Strand waren schon ein abenteuerliches Erlebnis, denn der Sand auf dem wir liefen war unglaublich weich und so sank man bei jedem Schritt ziemlich weit ein und verursachte unter einem ganze Blubberblasen-Explosionen. All jene Luft, die sich im Wasser zwischen dem Sand angesammelt hatte, wurde durch das darauf Treten freigesetzt und gab einem für 1-2 Sekunden ein bisschen das Gefühl in einem Whirlpool (mit zugegebener Maßen recht kleinen Blubberblasen) zu stehen. Auf der Insel angekommen legten sich Sophie und ich demonstrativ zum Lesen auf unsere Handtücher, während die Jungs eine leere Kokosnuss als Football missbrauchten ;) Keine 5 Minuten später entschieden unsere Jungs jedoch, wir sollten uns zurück auf den Weg machen... Solche Literatur Banausen ;)
Also machten wir uns zurück zu unserer Insel um das Boot mit unseren Sachen zu beladen und den Heimweg anzutreten. Nachdem sich Ben bereits am Morgen ebenfalls am großen Zeh verletzt hatte, war es nun Heyden's Zug, sich den Zeh aufzuschlitzen. Haha, wenigstens war ich mit meiner Unachtsamkeit (oder auch Dummheit... wie man es nimmt) nicht alleine ;) Nun gab es schon 3 Invalide von insgesamt 6 Bootsinsassen ;) Das ist mal ein „gesundes“ Verhältnis ;)
Noch ein letztes Gruppenbiild und schon hieß es zurück aufs Boot und mit voller Kraft voraus in Richtung Festland. Dabei sahen wir davon ab, uns auf den Kühltruhen nieder zu lassen, denn bei der Geschwindigkeit und der relativ kleinen Größe des Bootes, spürte man jede Welle als deutlichen Schlag. Einige Gehirnerschütterungen später also, fuhren wir in den Hafen ein und verluden das Boot wieder auf dem Anhänger. Schließlich bei Lee's Haus angekommen galt es nun, das Boot zu säubern und Sophie und ich boten uns freiwillig an, es von oben bis unten im Bikini einzuseifen (hey, in dem Wasser-Seife-Gemisch war auch Bleichmittel und wir wollten nur nicht, dass unsere Sachen was abbekommen, ja?! ;) ). Dabei gaben wir keine schlechte Figur ab und so war das Boot in Null-Komma-Nix so gut wie neu.
Der Rest zog sich nun zurück auf Heyden's und Rob's Boot (das Boot, dass sie für's Arbeiten hatten und das von seinen Ausmaßen dann doch „dezent“ größer und luxuriöser war als Lee's Boot - inklusive Schlafkabinen, Toilette, Küche und Steuerkabine ;) ), während Lee mir anbot, weiterhin bei ihm wohnen zu können, wenn ich wollte. Die Entscheidung fiel nicht wirklich schwer, war die Alternative doch eine durchgelegene Matratze und möglichst auch noch schnarchende Zimmergenossen. Außerdem verstand ich mich mit Lee ja auch super :) Und da ich meine Sachen ja ohnehin schon bei ihm zwischengelagert hatte, war gar kein extra Aufwand mit dem „Einziehen“ verbunden ;)
Wir fuhren also Einkaufen, denn am Abend wollten wir uns alle wieder bei Lee treffen und Fish und Chips essen – Natürlich frisch aus UNSEREM Fisch gemacht ;)
Ein bisschen von unserem Fisch wurde also aus der Kühlbox geholt, paniert und frittiert und auf diese Weise – so ganz ohne knackenden Sand zwischen den Zähnen – schmeckte der Fisch sogar noch viel besser :) Und er war wirklich, wirklich nicht fischig! Ich war sehr begeistert!
Ein guter Abend mit guten Essen – was will man mehr?

Sonntag, 20. September 2009

Campen auf den Whitsunday Islands 20.09.2009 - 21.09.2009 Teil 1

Ich packte also in Rekordgeschwindigkeit meine 7 Sachen zusammen, checkte aus und verabschiedete mich von Lisa, für die auf dem Boot leider kein Platz mehr zu finden war und die, sollte sich Justin nicht melden, morgen mit dem Bus weiter Richtung Süden reisen wollte.
Meine Sachen sollten sicheren Unterschlupf in Lees Haus finden, und so zog ich meinen Trolley - mal wieder - quer durch Airlie Beach. Ebenfalls bepackt mit einer Essenstüte, einer extra-Tüte für dreckige Wäsche und einer dritten Tüte mit... unverzichtbaren Schuhen für meine Reise (... ja, wir sprechen hier von meinen neuen Highheels), kam ich mir ein wenig wie ein Lastenesel vor und schwitze wohl auch wie einer. Eine Dusche und ein wenig Ruhe später, holte mich der Rest der "Reisegruppe" schließlich ab.




Darf ich vorstellen:
Heyden und Rob, beide Mitte Zwanzig und professionelle Fischer, sowie Sophie und Ben, Pärchen von der Sunshine Coast, ebenfalls Mitte zwanzig und natürlich Lee :)
Zu sechst in den Jeep gequetscht und Lees Boot, die "Wet Beaver" auf unserem Hänger, ging es also zum "Shute Harbour" Hafen. Das Wetter spielte uns außergewöhnlich gut mit und soerschien schon der Hafen ein echtes Paradis. Wo bei uns dunkle, sumpfartige Brühe dümpelt, befindet man sich hier an einer kleinen Bucht, nur abgeschirmt von ein paar kleineren Inseln und genießt den strahlenden Sonnenschein.


Hinaus ging es also, vorbei am Whitehaven Beach, den ich nach meinem Besuch mit der "Emperors Wings" schon unter: "Das sehe ich bestimmt erst mit Mama und Papa wieder" abgeheftet hatte, und auf die gegenüber gelegene Insel namens "Haslewood Island". Dort suchten wir uns ein etwas geschützt gelegenes Plätzen und entluden unser Boot.

Und was wir dabei hatten war sicher nicht wenig: 2 Kühltruhen gefüllt mit Getränken und Essen hatten es mit auf die Insel geschafft und bescherten uns eine Verpflegung die mit einem "Gestrandet wie Robinson Cruiso"-Campingausflug nun wirklich nichts mehr zu tun hatte.
Von Müsli, Milch, Würstchen, Steaks, Obst, Jogurt, geräuchertem Lachs, Scampis, Fruchtsaft, Cola, Wasser, Bier, Bailys und Rum gab es sicherlich genug um uns 2 Tage über Wasser zu halten. Natürlich nur "gerade so" ;P
Aber auch eine Matratze hatte es mit auf die Insel geschafft und ich fand mich in der glücklichen Situation wieder, sie mir mit Lee teilen zu dürfen :D Jippiii! Und sogar eine richtige Bettdecke hatte er mitgenommen, sodass ich Frostbeule nun wirklich keine Angst mehr haben musste auf der Insel zu erfrieren. Das nenne ich Campen! ;)Neugierig wie immer erkundete ich sogleich die Insel und die scharfkantige Felsenkonstellation am einen Ende des Strandes konnte mich natürlich nicht davon abhalten, um die Ecke zu sehen. "Vorsichtig Franzi!", dachte ich bei mir, "Es wäre jetzt schon echt sehr peinlich, wenn du es schaffen würdest dich - keine 5 Minuten auf der Insel - zu verletzen! Nur nicht abrutschen!" So watschelte ich also über die Felsen und schaffte es doch tatsächlich unverletzt an ihr Ende zu kommen. Ich war happy :) Und für die Aussicht, die sich mir bot, hatte sich das Risiko doch wohl gelohnt, oder? Ich begab mich also auf meinen Weg zurück, immer noch sehr vorsichtig, um mich nicht zu verletzen und fand meine Füße schließlich wieder sicher auf Sand stehend. Glücklich über diesen Umstand, nahm ich einen letzten Hopser über ein paar aus dem Sand herausragende Steinchen - und schlitzte mir prompt den großen Zeh auf... war das nicht klar?

Mit blutendem Zeh humpelte ich also über den Strand zurück zu unserem Camp, nur um mir halb besorgte, halb amüsierte Blicke einzufangen. Natürlich, die Deutsche muss sich weh tun! Wie sollte es auch anders sein! Da ich es aber hier mit echten Männern zu tun hatte, wusste man mir gleich zu helfen und desinfizierte meine Wunde sachgerecht. Das Pflaster dazu zu bewegen auf der Wunde zu halten, stellte jedoch schon eine größere Herausforderung dar und so kam es mir sehr zu Gute, dass ich meine Santa-Wuschel-Socken eingepackt hatte, sofern es mir zu kalt werden sollte. So lief ich nun also den ganzen Tag mit einem Fuß mit einer Santa-Socke verziert über die Insel - das ist so Mode hier, ok?!
Nach einem kleinen Snack, bestehend aus "bescheidenen" Crackern in 3 verschiedenen Ausführungen, 2 Aufstrichen, einer Salami, Camenbert und Moschus, entschlossen wir die nun wesentlich weniger beladene "Wet Beaver" erneut zu Wasser zu lassen und ein wenig Schnorcheln zu gehen. Schnorcheln, einfach so, weil man gerade Lust hat, ohne Tour, die man dafür gebucht hat... wie genial! Ein wenig Bauchkribbeln hatte ich ja schon, so ganz ohne ausgebildeten Rettungsschwimmer... auf der anderen Seite, machen das die Jungs ja nicht zum ersten Mal. Also hieß es "Masken auf, Schnorchel in den Mund, Flossen an die Füße und Rücklinks ins Wasser".
Lee bewaffnete sich zusätzlich mit einer Harpune und ging beständig auf Tauchstation, um möglicher Weise einen großen Fisch zu jagen. Dabei erschreckte er mich so manche Male, beim plötzlichem aus der Tiefe auftauchen. Ansonsten genoss ich es sehr, mir alle Korallen und Fischlein anzusehen, die es da so gab. Zwar sah ich nicht unbedingt etwas neues, jedoch ist es doch eine ganz andere Erfahrung einfach mal Schnorcheln zu gehen, ohne auf irgendwelche Terminpläne acht geben zu müssen. Einzig meinem Zeh gefiel die Idee Schnorcheln zu gehen nicht ganz. Zwar hielten sich die generellen Schmerzen meines kleinen Freundes in Grenzen und er brannte noch nicht einmal im Salzwasser, aber das beständige Reiben einer Schwimmflosse war dann doch etwas zu viel für den Kleinen. So schwamm ich also mehr wie eine halbseitig gelähmte Robbe durch das Wasser, was auf die Dauer schon ein wenig anstrengend wurde. Doofer Stein......Nach erneutem Umsetzen des Bootes setzte ich deshalb bei diesem Tauchgang aus und verbrachte die Zeit, gemeinsam mit Ben, der auch erstmal genug hatte, auf dem Boot. Es dauerte jedoch nicht lange bis, zumindest die Jungs, ziemlich aufgescheucht wieder kamen und zügig das Boot betraten. Auf unsere fragenden Blicke hin erzählte man uns, sie wären da hinten auf einen ziemlich großen Hai gestoßen. All das, während Sophie noch weiter im Wasser planschte und fröhlich das Untertauchen übte. Auf einmal war ich gar nicht mehr so böse, dass ich mir den Zeh aufgeschlitzt hatte, denn schließlich hatte mich das davor bewahrt hier ins Wasser zu gehen.
Wir zogen also weiter und entschlossen uns, ein wenig Fischen zu gehen. "Na toll", dachte ich, "stundenlang auf dem Boot rum sitzen... zum Glück habe ich mein Buch mitgenommen. Ich hoffe nur, ich bekomme keinen Sonnenbrand". Doch was mich erwarten sollte war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte und an Lesen war bei diesem Fischen ganz sicher nicht zu denken. Statt das Boot nur irgendwo abzustellen und darauf zu warten, dass ein Fisch sich entschließt eine Mahlzeit zu sich zu nehmen, in der tragischer Weise sein Todesurteil steckt, verließen sich die Jungs ganz auf die neuste Technik. Ausgerüstet mit einem Unterwasser-Radarsystem, das grafisch genau anzeigt, wenn sich ein Fisch unter dem Boot befindet und das sogar relativ genau seine Größe bestimmt, betrieben wir "Action-Fischen".

Dazu wurde das Boot von einem Ort zum anderen bewegt, immer mit einem Auge auf das "Radarsystem" starrend, während die Angelrouten über das Heck des Bootes ausgeworfen wurden. Erschien nun die Silhouette eines großen Fisches auf dem Bildschirm, so hofften wir, dass unser Köder genug Anreiz für ihn bieten würde, um ihn dazu zu bewegen, ihn zu verschlucken. Und tatsächlich, die Fische bissen an!Nach 2 missglückten Versuchen, die am letzten Schritt - dem, den Fisch mit einem Haken ins Boot zu hieven - scheiterten, schafften unsere 2 Fischermänner es einen großen "Spanish Mackerel" ins Boot zu holen. Dabei mussten wir sehr vorsichtig sein, den "Spanish Mackerels" haben sehr scharfe Zähne und scheuen nicht davor zurück, diese in ihrem Todeskampf einzusetzen. Ein paar beherzte Schläge auf den Kopf und einen Messerstich später, war es mir der Wehrerei jedoch vorbei und der Fisch baumelte Kopfüber in einer Kiste um auszubluten.

Bei dem ganzen Fischblut, was über den Boden des Bootes verstreut wurde, wurde ich ja schon ganz panisch. Wer weiß, welche Krankheiten man sich einfangen kann, wenn deren Fischblut auf meine offene Wunde kommt. Am Ende ende ich noch wie Spiderman... naja, nur, dass ich Wasserblasen vor mich hin blubbere, statt Spinnweben zu schleudern... irgendwie hört sich das bei Spiderman cooler an!

Natürlich musste unser Fang gleich dokumentiert werden und so posten wir alle mit unserem Fisch für die Fotokamera. Dabei hatte dieser Fisch schon ein Gewicht, das es mir schwer machte ihn länger als eine Minute zu halten. Aber für ein gutes Foto nimmt man solche Strapazen ja auf sich.
Nun wollte Sophie ihr Glück versuchen. Mit einem Gurt ausgerüstet, der es ihr erleichtern sollte die Angel in der Hüftgegend abzustützen (und der zugegebener Maßen echt zum Schießen aussah ;) ) ließen die Fische nicht lange auf sich warten. Nach langer Kurblerei musste sie jedoch schließlich aufgeben, da ihre Kraft nicht mehr reichte um die Leine schnell genug einzuholen.
Ihr Freund, Ben, sprang als Held in glänzender Rüstung ein und vollendete das Werk. Und was hatten wir gefangen? Erneut einen "Spanish Mackerel", diesmal aber sogar noch größer als sein Vorgänger. Da nun also das Essen für den Abend auf jeden Fall gesichert war, dachte ich mir, ich könnte auch einmal versuchen einen Fisch zu fangen. Wenig später stand ich also, wie eine blöde Kurbelnd, am Heck des Bootes und lieferte mir einen Kampf mit meinem Fisch. Ich muss gestehen, ganz ohne Lee's Hilfe, der mir die Angelroute, zusätzlich zu meinen kläglichen Versuchen zu Kurbeln UND gleichzeitig gescheit Festzuhalten, hielt, wäre ich wohl nicht fähig gewesen, den Fisch aus dem Wasser zu holen. Da! Schon konnte ich den Fisch sehen! Nun war klar: Noch ein Spanish Mackerel, aber noch um einiges größer, als die beiden anderen! Kein Wunder, dass der so schwer einzuholen war. Ich hoffte nur inständig, dass der Fisch nicht zu stark kämpfen würde und "weg rennen" würde, wie man das hier nennt. Schwimmt der Fisch nämlich mit aller ihm noch zur Verfügung stehenden Macht in die entgegengesetzte Richtung, so hat man keine andere Chance als ihn Rennen zu lassen und das Spiel von vorne zu beginnen: Wieder die Leine einholen und hoffen, dass er das Spielchen nicht nochmal spielt. Nach 2 Fluchtversuchen hörte man mich auf dem Schiff nur noch ächtzen: "Verdammter Fisch! Wenn du nochmal weg rennst schwöre ich dir, ich spring hinterher und hau dich K.O.!"... Wenig später rannte er wieder... ich blieb jedoch trocken... hatte mir das ganze dann doch anders überlegt... man weiß ja nie, welche anderen großen Fische sich da unten auf dem offenen Meer noch so rumtreiben ;)
Nach also insgesamt 4 mal Einholen, schien der Fisch schließlich genauso k.o. zu sein, wie ich, und es gelang uns ihn auf den Haken zu bekommen und ins Boot zu hieven. Mensch war das ein Riese! Die Jungs waren mächtig stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte, den größten Fisch (und ich zitiere an dieser Stelle Lee) "den die Wet Beaver je gesehen hat" an Bord zu holen. Die Jungs waren nun wirklich in Fische-Fieber, aber Sophie und ich konnten sie überreden, dass 3 Riesenfische doch wohl ausreichen sollten, um uns alle satt zu bekommen. Außerdem war es nicht mehr lange hin, dass die Dämmerung einsetzen würde und wir hatten noch kein Feuerholz gesammelt um die Nacht über Licht und Wärme zu sichern. Also machten wir eine Kehrtwende und kehrten zurück auf "unsere" Insel. Dort schlugen wir uns ins Hinterland und suchten nach geeignetem Feuerholz, was sich als schwieriger herausstellte als man vielleicht annehmen würde. Entweder die großen Äste hingen noch an einem Baum und waren zwar ausgetrocknet, weigerten sich aber dennoch beständig, sich vom Fleck zu rühren, oder das Holz war von Termiten ausgehöhlt worden und ließ sich zwar gut abbrechen und mitnehmen, würde jedoch nicht allzu lange brennen. Eine gute Mischung von beidem war es also, für das wir uns entschieden und nach etwa 15 Minuten türmte sich ein kleiner Holzberg neben unserem Lager auf.
Noch ein paar letzte Fotos mit unseren Fischlein und dann mussten auch sie ihr "Fell lassen" ;) Und glaubt es oder nicht, ich war plötzlich wirklich interessiert daran, wie man so einen Fisch denn filetiert. Also begutachtete ich an den beiden ersten Fischen aufmerksam, wie Rob fachmännisch den Fisch auseinander nahm und ließ mir ganz genau erklären, was ich da vor mir sah. Beim 3. Fisch versuchte ich dann mein Glück und stellte mich (für jemanden, der noch nie Fisch zubereitet hat und Fisch eigentlich auch gar nicht mag) gar nicht so schlecht an. Zwar konnte man meine Stücken ganz deutlich von seinen unterscheiden (meine hatten eine ganz ausgefranste Oberfläche, weil ich immer wieder nachstechen musste, während seine schön gleichmäßig und in einer Bewegung zerschnitten worden waren), aber ich war trotzdem ganz schön stolz auf mich :) Danach hieß es dann die Fillets zerkleinern und in Tüten packen. Nachdem all die Arbeit verrichtet war, hatten wir wirklich eine ganze Menge Fischfleisch übrig: 24 Kilo schätzten unsere Profis und die Kühltruhen ächzten unter dem zusätzlichen Ballast.

Dem konnten wir natürlich nur mit einem ausgiebigen Abendessen entgegenwirken :) So gab es also Würstchen, Toast, Steak und Fisch und von alledem nicht gerade wenig in der Menge. Ich wollte natürlich auch meinen Fisch probieren - wenn ich ihn schon mit meinen eigenen Händen gefangen habe! - und musste zu meiner Überraschung feststellen: Hey der schmeckt ja sogar! Wow, mein erstes Fischerlebnis (mal ganz von Fischstäbchen abgesehen), das nicht in einem Desaster endete!

Wir genossen den Abend also mit gut gefülltem Magen und guten Getränken bei Lagerfeuermusik am Strand - könnte es idyllischer sein? An solch ein Campen könnte ich mich doch wirklich gewöhnen! Wo in Deutschland matschiger Schlammboden - maximal (und das auch nur, wenn man Glück hat) Grassboden - auf einen wartet und man von Mücken nur so zerstochen wird, genießt man hier angenehmen Sand unter sich, darf sogar ein Feuer machen (ok, ok, eigentlich darf man das nicht, aber es war ja keinerlei Gestrüpp in der Nähe und Sand brennt ja bekanntlich nicht) und hat als Geräuschkulisse das Rauschen des Meeres. Traumhaft!!!