Montag, 28. Dezember 2009

Ankunft in Sydney

Nach einer langen Nacht erreichten wir, 2 ½ Stunden früher als nach Plan, am frühen Morgen Sydney. Wer sich die Fahrt über die Harbour Bridge an diesem Tag um 8 Uhr morgens nun aber mit wunderschönem Ausblick auf das Opera House vorstellen mag, der liegt hier leider falsch. Von Nebel und Regen versteckt musste uns unser Busfahrer schon darauf Aufmerksam machen, damit wir es – schemenhaft und mehr erahnt als tatsächlich gesichtet – erkennen konnten.
Kaum mit dem Bus an der Centralstation angekommen, ging es auch schon daran, die zahlreichen Gepäckstücke, die so viele Sydney-Silvester-Reisende mit sich gebracht hatten, aus dem Bus zu entladen. Dabei hieß es schnell sein, denn nahm man dem Busfahrer sein Gepäckstück nicht aus der Hand, landete dieses mit einem großen „Platsch“ in jenem kleinen Bächlein, dass sich da am Rande des Fußweges gebildet hatte. „Das wäre doch jetzt mal Wetter um meine Odisys Regenjacke zum Einsatz zu bringen“ - doof nur, dass die ganz unten im Koffer lag und ich diesen schlecht in der zentralen Bus-und-Bahn-Umsteige-Stelle öffnen konnte. Da hatten Olga und Nadja wohl eindeutig mehr mit gedacht, als sie ihre Rucksäcke packten.
In T-Shirt und kurzer Hose, sowie mit Rucksack, Essenstasche und Trolley bepackt, ging es also im strömenden Regen in Richtung unseres Hostels. Dabei schleiften Olga und ich unsere Trolleys unsägliche Male durch „Straßenrandbäche“ - vielleicht wäre ein Backpack (ein großer Reiserucksack) doch keine so schlechte Idee gewesen. Endlich im Maze Backpackers angekommen, triefte ich nun also von Kopf bis Fuß und durfte zu meiner „Freude“ erfahren, dass wir erst um 14 Uhr einchecken konnten. Also hieß es die Sachen (ebenfalls ganz schön durchnässt) die Treppen hinunter in den Abstellraum hieven. Hier machte sich wieder meine Erkältung bemerkbar, denn selbst die Trepen ohne Gepäck hinauf und hinunter zu laufen, versetzte mich in den Zustand eines heftigen Dauer-Rumschnaufens. Ein bisschen kam ich mir ja vor, wie ein wütendes Nilpferd.
In diesem miesen Wetter lag es uns natürlich fern, hinaus zu treten und Sydney zu erkunden, doch man informierte uns, dass sich im dritten Stock des Gebäudes ein Fernsehraum befinden würde.
Nilpferd-Schnaufend erreichte ich also das dritte Stockwerk und zu meiner Freude hatte man dort Softmatten ausgelegt und Sitzsäcke verteilt, die das Fernsehgucken ein wenig gemütlicher gestalteten. Sogleich hatte ich mir eine der Matten in einer Ecke geschnappt und mich häuslich eingerichtet: die (halb-seitig natürlich völlig durchnässte) Tempobox zu meiner Rechten, die Wasserflasche zu meiner Linken und auch die Vanillekipferl, die ich im Weihnachtspaket meiner Eltern erhalten hatte, hatten mit mir die Treppenstufen erklommen. Damit bewaffnet schaffte ich es die 5 Stunden bis 14 Uhr zu überstehen. Die Vanillekipferl leisteten dabei bei ihrer Aufgabe, mit als Frühstücks-und-Mittagsessen-Ersatz zu dienen, ganze Arbeit und die eingelegten Filme unterhielten mich zur Genüge, sodass aus dem Schlaf-Vorhaben schlussendlich doch nichts wurde.
Um 14 Uhr schleppte ich mich also zurück zur Rezeption um nun endlich einchecken zu können. Raum 45 im zweiten Stock sollte es sein – na klasse, das bedeutete ich musste meine Sachen aus dem Keller 3 Stockwerke hinauf tragen. Na das konnte ja heiter werden!
Nachdem nun also die erste Hürde – die Treppen – überwunden war und ich ein ganz neues Level des Nilpferd-Schnaufens erreicht hatte, stellte sich mir schon wieder eine neue Hürde in den Weg: Das Maze (= Irrgarten) war seinem Namen wirklich gerecht geworden, denn es war tatsächlich wie ein Labyrinth aufgebaut, indem Olga und ich uns natürlich prompt verliefen – und das nicht nur einmal. Schließlich mit allen meinen Sachen im Zimmer angekommen und entsprechend verschwitzt – das Fieber tat sein Übriges dazu - wollte ich nur noch eines: Eine Dusche.
Nachdem dieser wirklich notwendige Akt der Reinlichkeit ( ;) ) verrichtet war, blieb mir nicht viel Zeit, um mich häuslich einzurichten, denn ich hatte mich mit Justin, den ich in Noosa kennegelernt hatte, verabredet. Das Wetter hatte sich ein wenig verbessert und so war es zwar immer noch grau und wolkenverhangen, aber zumindest regnete es nicht mehr. Ich traf mich mit Justin in einem Café um die Ecke und gemeinsam machten wir uns auf den Weg, die George Street hinunter, denn wir wollten uns das Opera House, sowie die Harbour Bridge angesehn und ein wenig im Botanischen Garten umher schweifen. Der Weg, der dank meiner Verfassung – ich kam mir mittlerweile wie ein altes schnaufendes Nilpferd vor – mit mehreren Sitzpausen unterbrochen werden musste, führte uns vorbei an so allerlei netten Geschäften und spätestens jetzt stand fest: ich würde hier wirklich noch mal Shoppen gehen müssen.

Schließlich erreichten wir Circular Quay, einen der zentralen Verkehrs-Knotenpunkte Sydneys. Der Circular Quay (= runde Kai) befindet sich am nördlichen Ende des Stadtzentrums und liegt rund um die Bucht „Sydney Cove“. An der Einfahrt der Bucht befindet sich das Sydney Opera House und ein wenig weiter westlich befindet sich die Sydney Harbour Bridge.
Am 26. Januar 1788 kamen genau hier in der Sydney Cove die ersten britischen Siedler an und somit wurde Sydney zur ersten gegründeten Siedlung Australiens (der Name geht übrigens auf den damaligen britischen Innenminister Lord Sydney zurück). Kein Wunder also, das Circular Quay zum Australia Day, dem australischen Nationalfeiertag am 26. Januar, Standort zahlreicher Attraktionen darstellt.
Heute wird der Circular Quay vor allem, wie erwähnt, als Verkehrs-Knotenpunkt verwendet. Von hier kann man von Bussen, U-Bahnen, über Fähren und Kreuzfahrtschiffen alles nehmen. Dabei ist der Circular Quay mit all seinen kleinen Geschäftchen und Cafés auch noch richtig gemütlich und läd dazu ein, ihn hinunter zu schlendern. Mit seiner direkten Sicht auf sowohl Harbour Bridge zur Linken und Opera House zur Rechten, ist er außerdem natürlich perfekter Standort für ausgiebige Touri-Fotosessions. Natürlich stellten Justin und ich dabei keine Ausnahme dar ;)

Schließlich stand ich also vor dem Sydney Opera House, dem wohl bekanntesten Gebäudes Australiens. Wohl jedes kleine Kind weiß spätestens nach dem Film „Findet Nemo“, wie es aus sieht und es würde mich nicht wundern, wenn es beim durchschnittlichen Europäer das erste Bild wäre, was ihm bei dem Wort „Australien“ in den Kopf schießt – zumindest war es, vor meinem Aufenthalt in diesem wunderschönen Land, sicherlich mein erster Gedanke gewesen.
Nun, wo ich es so in voller Größe und in Natura vor mir sah, beschlich mich jedoch ein anderer Gedanke: „Mensch, das könnten sie aber wirklich mal wieder sauber machen!“ Wo an einem sonnigen Tag vermutlich die Reflexion der Sonnenstrahlen über die graue Schicht, die sich auf seinen Schalen abgelegt hatte, hinweg trügt, verhinderte heute die dicke Wolkenschicht diesen Effekt und legte offen, wie wenig Sorgfalt dem Haus offensichtlich zugedacht wird. Für das Wahrzeichen Australiens hätte ich da aber mehr erwartet! Na ja, vielleicht sollte ich der Stadt ja mal meine Dienste als Sauber-mach-Teufel anbieten ;)

Der Entwurf für das Sydney Opera House wurde 1957 von dem dänischen Architekten Jørn Utzon eingereicht und setzte sich, im von der Stadt Sydney veranstalteten Wettbewerb, gegen alle 232 Mitbewerber durch. Sein Entwurf erinnert an die Segel eines Schiffes, was, durch die Lage des Opernhauses in der Einfahrt des Hafens, besonders schön zur Geltung kommt.
Das ursprünglich erdachte Etat betrug dabei 3,5 Millionen £ und der Bau sollte zum Australia Day im Jahre 1965 eingeweiht werden. Doch die gekrümmten Schalen seines Daches, bereiteten in der Umsetzung immer wieder Probleme, da sie sehr schwer zu berechnen waren. So musste der Bauplan einige Male an die Realität angepasst werden und die Baukosten stiegen in eine Höhe von schließlich über 50 Millionen £ (~ 65 Millionen Euro) – 46,5 Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt! Auch der Termin der Fertigstellung musste um 8 Jahre verschoben werden und so eröffnete das Opera House schließlich erst im Jahre 1973. Mittlerweile war es zwischen der Regierung des Bundesstaates New South Wales und dem Architekten auf Grund der immer weiter steigenden Baukosten, sowie der Kompromisse, die zu Zwecken der physikalischen Gesetzte getroffen werden mussten ;) zum Eklat gekommen, der in einer nahezu fluchtartigen Ausreise Utzons im Jahre 1966 ausuferte, der seit jeher nie wieder einen Fuß auf den australischen Kontinent gesetzt hat. Eine Gruppe junger australischer Architekten brachte das Werk schlussendlich zu Ende. Utzon selbst konnte das von ihm Entworfene Bauwerk, das heute sogar zum UNESCO-Welterbe zählt also nie fertiggestellt betrachten.
Schade eigentlich, denn genau das ist es, was tausende von Touristen jeden Tag in Sydney tun. Dabei wird jedoch viel häufiger vor dem Opernhaus gepost und ein Foto geschossen, als dass jemand es doch einmal wirklich in Erwägung zieht, sich dort eine Veranstaltung anzusehen. Anders aber wir! Justin und ich fragten uns, was wir es uns wohl leisten lassen müssten, um das Opernhaus mal in seiner ursprünglich erdachten Aufgabe (und nicht nur als Fotoobjekt) erleben zu dürfen und rechneten – schließlich handelt es sich hier um eines der beiden Wahrzeichen Australiens (das andere ist der Uluru / Ayers Rock) – mit furiosen Wucherpreisen. Doch wir wurden angenehm überrascht, denn statt der von uns geschätzten 300 Dollar pro Ticket, gab es hier Tickets für Musikveranstaltungen schon ab 35 Dollar und jene auf das Jahr 2009 zurück blickende Comedy-Veranstaltung „That was the year that was“ (= Das war das Jahr das war) die unser besonderes Interesse geweckt hatte, begann auch schon bei 95 Dollar pro Person. Zwar waren das nicht gerade Backpacker Preise, doch hey, es handelte sich hierbei schließlich um das Sydney OPERNHAUS! Und sogar mit den Aufführungstagen hatten wir Glück, denn die Veranstaltung fand nur 2 Mal statt: morgen und übermorgen.
Mit einer Broschüre bewaffnet, jedoch mit wenig Hoffnung, dass es dafür noch Karten geben würde, begaben wir uns nun also in den Botanischen Garten. Hier forderte uns ein Schild freundlich dazu auf, den Rasen zu betreten. Huch! Was war denn das?! Das ist ja mal ungewöhnlich! Normalerweise bekommt man das doch immer nur verboten! Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so machten wir sogleich von unserer neu gewonnen Rasen-Freiheit Gebrauch und setzten uns nieder um ein wenig die abendliche Atmosphäre Sydneys zu inhalieren.
Doch natürlich konnte diese Ruhe mit uns beiden nicht lange anhalten, denn Energiebündel wie wir beiden sind und ebenso abenteuerlich, kam uns die grandiose Idee, einen der Bäume des Parkes zu erklimmen – schließlich schienen die sich mit ihren niedrig liegenden Ästen und Gabelungen geradezu dazu anbieten zu wollen. Dass das vermutlich verboten war, war uns auch klar, aber hey, zumindest hatte keiner ein Schild aufgestellt: „Das klettern auf Bäumen ist verboten“. Wir konnten uns also nicht hundert prozentig sicher sein ;)
Das Hochkommen auf den Baum stellte sich dann doch als ein wenig schwerer heraus, als wir es vermutet hatten und es erforderte schon all meine Kraft, um Justin von unten auf dem Baum zu halten, während er versuchte, irgendwo Halt zu finden. Schließlich oben angekommen, schaffte ich es, dank seiner Hilfe von oben, auch noch auf den Baum und da saßen wir nun also auf unserem großen Ast und fragten uns: „Und wer zur Hölle macht jetzt von uns beiden hier oben ein Foto?!“ Na ja, dann gab es eben kein Foto, sondern nur einen schönen Ausblick von etwas weiter oben über den Park.
Als wir schließlich genug vom Eichhörnchen-Leben hatten, stellte sich uns die Frage: „Wie kommen wir hier jetzt eigentlich wieder runter?!“. Der Weg, den wir hinauf gekommen waren wussten wir, konnten wir nicht so einfach wieder hinunter, denn es hatte eigentlich nur Halt für die Hände gegeben und wir hatten uns größtenteils über unsere Arme hochziehen müssen. Eine Stelle, wo wir nun also unseren Fuß abstellen hätten können, gab es also nicht – so ein Mist! Heldenmütig wie er ist, erreichte Justin von seiner erhöhten Position auf dem Ast schließlich einen anderen Zweig, von dem er herunter springen konnte und „anmutig wie eine Fee“ glitt auch ich mit seiner Hilfe den Baum hinunter... na ja, vielleicht ist das auch nur Wunschdenken... ich schaffte es auf jeden Fall irgendwie wieder vom Baum herunter... über meine Eleganz bei diesem Unterfangen schweigen wir an dieser Stelle mal besser.

Montag, 21. Dezember 2009

Lichterwahnsinn

Nachdem ich hier in Australien die weihnachtliche Stimmung Europas vermisste, entschloss sich Sarah mit mir Weihnachtslichter ansehen zu gehen. Anders als bei uns, schmücken hier nur sehr wenige ihre Fenster mit Weihnachtsdekoration und so ist es schon etwas außergewöhnliches, wenn man hier Lichterketten im Fenster vorfindet. Was mich jedoch auf dieser Rundtour quer durch Brisbane erwarten würde, darauf war ich nun wirklich nicht vorbereitet. Das Motto müsste hier wohl lauten: Entweder man schmückt garnicht, oder aber richtig. In diesem Falle trat wohl "richtig" ein. Aber am besten ihr seht selbst:




Wir hoffen, dass alle Hausbesitzer am Ende der Weihnachtssaison noch genug Geld finden, um neben der imensen Stromrechnung, die sie zu begleichen haben, auch noch ein paar Geschenke zu kaufen ;)

Montag, 14. Dezember 2009

Neues Gadget

Hallo ihr! Wollte euch nur auf das neue Gadget aufmerksam machen, das ich an der Seite angebracht habe. Es befindet sich unter dem Blogarchiv und heißt: "Was Franzi gerne bei sich hätte". Neue Blogeinträge folgen bald. Ich geb mir Mühe aufzuschließen.

Hab euch lieb

Sonntag, 6. Dezember 2009

Fraser Island die Zweite - UNVOLLSTÄNDIG!! -

Nachdem die Nacht doch zunehmend kalt geworden war, hatte ich mich immer weiter in meine mitgenommenen Sachen eingemummelt, sodass ich am morgen mit einer Hotpants unter der Jeans, Wuschelsocken, einem normalem T-Shirt, einem Surf-Thermo-T-Shirt, einer Regenjacke, einem Badehandtuch, einem Sarong und meinem Traveller-Sheet (eine Art Bettlaken) bedeckt aufwachte. Die Nacht war nicht wirklich angenehm gewesen, hatte man uns doch bei Beaches vergessen mitzuteilen, dass wir keine Isomatten für das Zelt vorfinden würden, sodass wir auf dem harten Boden schlafen mussten. Zum Glück waren wir auf einer Sandinsel und nicht auf einer Fels-Insel gelandet. Unsere Rücken machten sich nichts desto trotz bemerkbar, doch jammern half schließlich nichts und so ging es um 6 Uhr morgens erstmal unter die – immer noch – eiskalte Dusche.
Da unser Geschirr sich mit dem von Beaches gestellten Spülmittel (das Mischverhältnis von Spüli zu Wasser war hierbei wohl 1:100) keineswegs hatte säubern lassen und nun immer noch vom BBQ-Fett triefte, verzichteten wir auf dessen Gebrauch und griffen auf unsere Hände als Teller für unser Frühstücks-Toast zurück. Glücklicher Weise hatte ich ganz in Camper-Manier mein Tracking Besteck nicht vergessen, dass Andi, Matze und Jessi mir vor meiner Abreise aus Deutschland ebenso glücklicher Weise geschenkt hatten, und so konnte ich mit einem sauberen Löffel und meinem sauberen Becher bewaffnet, sogar ein bisschen Müsli genießen.
Danach hieß es dann unser Hab und Gut wieder im Jeep verstauen (schließlich sollten wir erst am Abend ins Camp zurück kehren und wollten nicht, dass uns etwas aus den Zelten gestohlen wird) und ab in das nächste Abenteuer. Die Autobahn – in unserem Falle also den Strand – hinauf, ging es zum Indian Head, einer Kliffformation auf einer Landzunge Fraser Islands, die Cook 1770 wohl an einen Aborigine erinnerte (der Begriff „Indians“ wurde zu jener Zeit für die Urbewohner vieler Länder gleichermaßen verwendet).
Da Anna sich vor geraumer Zeit eine Fußverletzung zugezogen hatte und immer noch mit einem geschwollenem Gelenk zu kämpfen hatte, kostete uns der Anstieg weitaus mehr Zeit, als die anderen Gruppen, mussten wir doch einen Weg für sie finden, der nicht zu steil für sie war. Mit vereinten Kräften schafften wir es schließlich auf den Berg hinauf und wurden mit einer phänomenalen Aussicht belohnt. Das Wasser, das schon am Strand so einladend ausgesehen hatte, stellte sich auch von oben betrachtet als glasklar heraus, sodass der Meeresboden ohne Probleme und größere Anstrengungen beobachtet werden konnte.
Ein Schild verbot zwar das Betreten des hervorragenden Felsspitze, doch wie schon mit den Dingos, schien man es hier mit den Regeln und Verboten nicht zu genau zu nehmen. Während sich die Mitglieder unserer Gruppe dabei aber wenigstens noch sehr vorsichtig fortbewegten und immer darauf bedacht waren, nicht zu nah an den Abgrund heran zu treten, sah es bei anderen Besuchern des Indian Heads schon ganz anders aus. Manch einer kletterte die Felswand sogar todesmutig ein wenig hinunter, nur um ein „perfektes“ Foto zu erhaschen; andere wiederum hatten den Alkoholkonsum wohl schon am frühen morgen begonnen und torkelten auf dem dünnen Felsstück herum. Wahnsinnige!!
Vorsichtig auf einem der Felsen sitzend betrachteten wir den Grund des Meeres von dort oben und wurden nach kurzem Warten saftig belohnt: Neben einem Delfin, der sogar ein paar Sprünge für uns vollführte, tauchte auch noch eine Riesenschildkröte an die Wasseroberfläche auf und ermöglichte uns damit einen detailreichen Blick auf sie. Auch die für die Fraser Island Küste so berüchtigten Haie ließen sich dort beobachten, wobei es sich bei jenen doch deutlich um Riffhaie - und damit wirklich kleine Haie - handelte. Schon fast auf dem Rückweg, den Berg wieder hinunter kam plötzlich Gemurmel und Aufregung auf: 2 große Haie waren entdeckt worden und die mussten natürlich von allen erst einmal bestaunt werden. Das war schon ein Erlebnis, so einen „echten großen“ Hai vor der Küste im Wasser zu sehen. Unser Entschluss wurde bekräftigt: Nein, wir gehen nicht im Meer schwimmen.
Es wäre sicherlich auch faszinierend gewesen Fraser Island ein wenig früher zu besuchen, denn von Juli bis November ist Wal-Saison. Es muss atemberaubend sein, diese Giganten in klarem Wasser an der Küste vorbei schwimmen zu sehen. Naja, vielleicht ein anderes Mal ;)
Hinunter ging es nun wieder den gerade erklommenen Berg und zurück ins Auto, denn trotzdem uns Beaches untersagt hatte, den Weg zu den Champagne Pools mit dem Jeep hinauf zu fahren (zu viele Jeeps blieben auf der Auffahrt stecken), fühlten wir uns mit Philipp als Fahrer sicher und wagten das Unterfangen – mit Erfolg!
Oben angekommen nahmen wir den Weg zu den Champagne Pools der, kluger Weise, aus dunkelbraun gestrichenen Holzplanken bestand und somit jedem, der das Schild „Schuhwerk wird empfohlen“ getrost ignoriert hatte, eine Menge Spaß bereitete.
Die Champagne Pools bieten die einzige Möglichkeit für Fraser Island Besucher im Salzwasser schwimmen zu gehen, denn es handelt sich hierbei um ein kleines, durch Felsen vom offenen Meer abgeschirmtes, natürliches Schwimmbecken. Dieses wird von überschwappendem Meereswasser genährt und somit gibt es keinen direkten Zugang für größere Fische (sprich: Haie ;) ) um in das Becken zu gelangen. Das Aufschäumen des Wassers, wenn es über die Felsen tritt ist es, dass der Bucht den Namen „Champagne Pool“ (= Champagner Pool) verleiht.
Wir betraten den kleinen – ok, klein hört sich eigentlich immer noch zu groß an... mehr klitzekleinen vielleicht? - Strandabschnitt, der sich vor dem Pool befand und wieder ein mal war dieser übersät mit Sonnenanbetern, die ihre Haut offensichtlich nicht leiden konnten. Wir sprangen erst einmal allesamt ins Wasser, denn die Mittagshitze hatte mittlerweile eingesetzt – wir hatten es etwa um 12 Uhr – und somit war Weg zum Pool mit einer Sauna vergleichbar gewesen. Nachdem wir uns also etwas abgekühlt hatten, beschloss der Großteil unserer Gruppe sich den Hautkrebsfanatikern anzuschließen und sich in der Sonne grillen zu lassen, während Philipp und ich uns ein schattiges Plätzchen unter einer Felswand suchten. Ich war immer noch ganz schön müde, denn ich hatte zwar einige Stunden Schlaf bekommen, doch war dieser qualitativ nicht so sonderlich hoch anzusiedeln gewesen. Ich suchte mir also eine schattige Felseinhöhlung und legte mich für ein Nickerchen nieder.

- UNVOLLSTÄNDIG!! -

Samstag, 5. Dezember 2009

Fraser Island die Erste

Am Samstag morgen um 5.30 Uhr hieß es dann für uns schon wieder aufstehen, schließlich wollte man doch noch eine ausgiebige Dusche genießen, bevor man sich auf die größte Sandinsel der Welt begab, sowie alles nötige einpacken. Fraser Island liegt vor der Küste von Hervey Bay, dem Ausgangspunkt unserer Reise, und umfasst insgesamt etwa 1840 km². Zum Vergleich: Sylt umfasst nur etwa 99 km²!
Mit der Organisation „Camp Beaches“ sollte es nun also los gehen und um 7 Uhr fanden wir uns alle ein, um alle wichtigen Informationen in einer Einführung mitgeteilt zu bekommen. Ein Video verdeutlichte uns die Gefahren, die da auf der Insel auf uns lauerten: startend bei aufgeschwämmtem Sand, weichem „Hilfe-wir-bleiben-stecken“-Sand, bis zu Dingos, deren natürlicher Lebensraum die Insel ist.
Nun wurden wir in 10er Gruppen eingeteilt und durften uns zusammen setzen, um einen Essensplan auszuarbeiten. Dabei griffen wir auf die uns vorgeschlagenen Abendessen – BBQ und Nudeln – zurück, sodass wir uns nur noch für Frühstück und Mittagessen etwas überlegen mussten. Auch dem Alkohol-Konsumenten sollte geholfen werden und so sollte es eine Gruppe von Leuten geben, die sich um diesen kümmerten. Da jene, die die Besorgungen machten nicht beim Fahrer-Briefing anwesend sein würden, fielen diese als Fahrer aus, doch da Alice und Hayley mit ihren 18 Jahren genauso unter die Altersgrenze von 21 fielen wie ich und Melissa (21) und David (24) noch keine - ebenso benötigte - 2 Jahre Fahrerfahrung hatten, fiel es uns nicht schwer, die Verantwortlichen für Essen und Alkohol zu finden.
Mit Melissa und David sprang ich also in den Kleinbus, der uns zum Supermarkt bringen sollte. Dabei waren wir schon wirklich spät dran, wie man uns erzählte, und deshalb hatten wir statt den gewohnten 45 Minuten nur 30 Minuten Zeit, um unsere Besorgungen zu machen. Gut, dass wir - im Gegensatz zu den anderen Gruppen – zu dritt waren, sodass wir einen Mann mehr zu Verfügung hatten. Wir stürmten also in den Markt hinein, teilten die einzelnen Abteilungen untereinander auf und genau 5 Minuten vor angekündigter Abfahrt des Kleinbusses fanden wir uns an der Kasse ein. Zu unserer Beruhigung waren die anderen Gruppen auch noch am Bezahlen, doch besah man sich den Inhalt ihrer Einkaufswägen und verglich diesen mit unserem – über voll und kurz vor dem Überquillen – wurde schnell klar, dass wir eindeutig mehr geplant hatten, auf die Insel mitzunehmen. Nun wurde es spannend, denn jeder unserer 10 Teilnehmer hatte, wie von Beaches vorgeschlagen, 20 Dollar für die Essensverpflegung abgegeben und so standen uns 200 Dollar zur Verfügung. Ob das für einen proppe-vollen Einkaufswagen reichen würde? Wir bibberten!
Am Ende hieß es einige Chips-Tüten zurück lassen, wir verzichteten auf Pilze für den Grill und auch die Wassermelone schaffte es nicht mit auf die Insel, aber alles in allem hatten wir aus unseren 200 Dollar doch wesentlich mehr heraus geholt, als die anderen Gruppen.
Stolz kehrten wir zu den anderen zurück, die gerade ihr Briefing hinter sich gebracht hatten und freundlicherweise unsere Taschen von der Bar mit zum Auto transportiert hatten. Was einen Gefallen Philipps an mich darstellte, sollte später am Abend noch drastische Konsequenzen haben ;)

Wir verstauten also alles auf dem Dach unseres Jeeps und los ging es auf unsere Abenteuerreise. Philipp hatte sich bereit erklärt, die Strecke bis zur Fähre zu fahren und das verschaffte mir den Ehrenplatz neben ihm - war ich doch nun für die Navigation zuständig. An der Anlegestelle angekommen ließ die Fähre auch nicht lange auf sich warten, kein Wunder also, das die Leute von Beaches uns gedrängelt hatten. Alle 3 Beaches Autos jedoch schafften es rechtzeitig drauf und so saß unsere Gruppe nun auf dem Oberdeck und lernte sich erstmal kennen. Darf ich vorstellen:
Hayley und Alice, beide 18 und aus England, reisen gerade von einem Ort der Welt zur anderen und waren vor nicht ganz so langer Zeit aus Süd-Afrika in Australien aufgeschlagen; Tim, 21, ebenfalls Engländer, der die Mädels auf ihrem Weg durch Australien kennen gelernt hatte und sich ihnen anschloss; David und Melissa, 24 und 21, Pärchen aus Irland; Anna und Sally, 26 und 31 aus England; Clifton, 21, aus Zürich in der Schweiz, der gerade seine Weltreise bestreitet; und natürlich Philipp und ich :)
Dabei waren wir beiden ganz schön froh darüber, dass wir die einzigen Deutschen in der Gruppe waren, hatten wir doch schon Alpträume von einer durchweg deutschen Gruppe gehabt und ganz und gar keine Lust verspürt, den Trip über nur Deutsch zu sprechen. Sogar untereinander hatten wir von Anfang an lediglich Englisch gesprochen und somit hörte es sich regelreicht eigenartig für uns an, hörten wir den anderen Deutsch sprechen. Tja, mit dieser Gruppe mussten wir uns davor bestimmt nicht fürchten!
Kaum von der Fähre hinunter stürzten wir uns mitten hinein ins Abenteuer: Über holprige Sandstraßen ging es ins Insel-Innere, denn wir mussten die Insel in voller Breite durchqueren. Auf der anderen Seite sollten wir den Strand erreichen, der hier offiziell als Autobahn (und Flugzeug-Landeplatz) gilt. Philipp, der das erste mal eine solche 4-Wheel-Drive-Strecke (= Allrad-Antriebs-Strecke) fuhr, stellte sich dabei als echtes Naturtalent heraus und mit ihm als Fahrer fühlte sich alle sicher im Auto.

Plötzlich jedoch sahen wir, wie sich ein Stau vor sich aufbaute. Da musste wohl jemand stecken geblieben sein. Es war natürlich Ehrensache gleich zur Tat zu schreiten und zu helfen. Mit gemeinsamen Kräften ließ sich der Landrover befreien, der – den Konstrukteuren sei Dank ;) - praktischer Weise das Reserverad mittig unter dem Fahrzeug angebracht hatte und damit – logischer Weise – während des Fahrens ganze Sandhaufen unter dem Auto auftürmte. Wir sollten ihnen an diesem Tag noch einige Male unsere Hilfe anbieten.

Schließlich auf der Ostseite der Insel angekommen ging es Richtung Norden, denn bevor wir uns in unserem Camp einrichten sollten, wollten wir erst einmal etwas besichtigen. Dabei war schon die Fahrt den Strand entlang ein echtes Highlight, denn das Wasser sah mit seiner schönen blauen Farbe ebenso einladend aus, wie seine Wellen – schade nur, dass man von diesem Plansch-Vergnügen absehen muss, befinden sich vor den Küsten Fraser Islands bekanntlich doch viele Haie und herrschen dort doch sehr starke Strömungen vor. Wir genossen stattdessen den Anblick.

Schließlich an unserem ersten Ziel angekommen waren wir von dessen Schönheit ebenso verblüfft, wie von den duzenden von Verrückten, die sich doch da tatsächlich zum Sonnenbaden in die Mittagssonne knallten. Hautkrebs lässt grüßen.

Eli Creek, ein kleiner Flusslauf direkt am Strand der Ostküste, bot uns kristall-kares Wasser und eine angenehme Abkühlung, konnte man ihn doch gemütlich bei knie-hohem Wasser entlang waten.


Weiter ging es zu unserer nächsten Attraktion: Dem Schiffswrack der Maheno, das 1935 während eines Zyklons auf Grund lief. Das ehemalige Luxusschiff wurde zu jener Zeit gerade von einem kleineren Schiff Richtung Japan geschleppt, wo es verschrottet werden sollte. Praktisch also, dass es schon in Australien an Land ging und hier von den Bewohnern der Insel als Attraktion angesehen wurde ;) Da spart man sich doch gleich den Sprit für den weiteren Transport.


Dekorativ sah das ganze auch noch aus und so machten wir gleich ein paar Fotos. Waren wir noch vor 2 Minuten alleine am Schiffswrack angekommen, so hatte nun ein Tour-Bus neben uns gehalten und ganz viele kleine Asiaten stürmten wie wild geworden aus ihm heraus – und direkt in unser Bild. Man fragt sich, warum sie einen immer böse angucken, wenn man selbst in ihre Bilder rennt, sie aber keinerlei Rücksicht darauf nehmen, wenn man selbst ein Foto macht – ein Rätsel, das sich wohl nie lösen wird ;) - Dann stellen wir eben die Kamera auf „Makro“ um und machen ein paar schöne Detailaufnahmen ;)


Nachdem jeder von uns genügend Fotos geschossen hatte, machten sich nun unsere Mägen bemerkbar und wir entschlossen uns einen Teil unseres Essens vom Dach zu laden und ein paar Sandwiches zu verzehren.

Als wir schließlich, etwa 3 Minuten später, alle mit einem lüsternen Grinsen genüsslich in unser fertig belegtes Sandwich beißen wollten, blieb uns der Bissen fast im Hals stecken: Zu unserer kleinen Gruppe hatte sich ein Dingo hinzu gesellt, der vom Schinken auf unserem Sandwich genauso angetan zu sein schien wie wir. Unsicher, ob er gleich über unser Essen (und möglicherweise uns) herfallen würde, erinnerten wir uns an die Anweisungen aus unserem Einführungsvideo: „Wenn ein Dingo aufkreuzt und ihr Essen bei euch habt bringt es ins Auto und bringt auch euch im Auto in Sicherheit“ Gesagt, getan, quetschten wir uns also mitsamt unseres Essens in unseren Jeep, nur um gleich darauf ein sehr interessantes Spektakel zu beobachten: Während wir uns in Sicherheit brachten, strömten sogleich alle anderen Gruppen zum Dingo hin und hatten ganz und gar keine Scheu davor, sich ihm auf weniger als 3 Meter zu nähern. Super Idee, bei einem Dingo, der offensichtlich hunrig ist, da er genau in jenem Moment auftaucht, wenn Essen in der Nähe ist.

Der Dingo war ursprünglich ein süd-ost-asiatischer Haushund, der schon vor Jahrtausenden nach Australien gebracht wurde und dort schließlich verwilderte. Es gibt nicht mehr viele reinrassige Dingos an der Ostküste Australiens, doch die meisten von ihnen befinden sich auf Fraser Island. Obwohl diese Hunde wie Haustiere aussehen, darf man sie nicht unterschätzen, schließlich leben sie schon tausende von Jahren ohne menschlichen Einfluss. Die größte Gefahr für die Dingos auf Fraser Island stellen tatsächlich die vielen Touristen dar, die tagtäglich auf die Insel strömen. Durch das Füttern der Dingos gewöhnen diese sich an den Menschen als Quelle von Nahrung, verlernen das Jagen und verlieren auch langsam aber sicher ihre natürliche Scheu vor Menschen. Was sich nun für die Meisten wie eine Art „Zähmung“ anhören mag, hat tatsächlich eher den entgegengesetzten Effekt: Fürchten Dingos den Menschen nicht mehr, beginnen sie ihn als Konkurrenten für Futter anzusehen und scheuen nicht davor zurück, mit diesem Konkurrenten um das Futter zu kämpfen. Bisher sind die Dingos von Fraser Island zumindest für Erwachsene noch keine Gefahr, Kinder jedoch, die am Strand spielen, werden oftmals als Beute angesehen und angegriffen. Was viele der Besucher der Insel nicht zu begreifen scheinen ist, dass es ihr unachtsamer Umgang mit Essensresten und Müll ist, der den Dingo in seinem Verhalten verändert, ebenso wie ihr größtenteils scheuloser Umgang mit den Tieren.
Zu unserem Glück schien dieser Dingo sich jedoch dagegen entschieden zu haben, mit uns um unser Essen zu streiten, sodass trotz völlig unverantwortlichem Verhalten der meisten Fraser Island Reisenden, niemand verletzt wurde.
Weiter ging es also zu unserer dritten und damit, für diesen Tag, letzten Attraktion: The Pinnacles. Dieser farbenprächtiger Sandstein, der durch Erruption aufgeworfen wurde und sich damit seinen Namen (zu deutsch etwa: Gipfel / Spitze / Felsnadel) verdient hat, wird in den Fremdenführern als eine der spektakulärsten und schönsten Sehenswürdigkeiten Fraser Islands beschrieben und soll eines der farblich besten Sandformationen Australiens sein. Zu unserer Enttäuschung jedoch, beeindruckte uns dieser Fels relativ wenig. Man konnte ihn lediglich von einer Seite betrachten, war doch der „Aussichtspfad“ lediglich etwa 15 Meter lang und überall warnten und Schilder davor, den Pfad zu verlassen.

Etwas verstört standen wir also vor dem Fels, schweiften einmal den Blick über ihn und fragten uns „soll das nun wirklich alles gewesen sein?“ Nachdem nun also die Raucher unserer Truppe wenigstens eine kurze Pause gefunden hatten um ihrer Sucht nachzugehen, machten wir uns von dieser „unglaublichen Erfahrung“ noch tief geprägt, zurück zum Auto und auf den Weg in unser Camp.

Dieses sollte sich, wie sich heraus stellte, wirklich nur um die Ecke befinden und da wir von den heute ankommenden Gruppen die erste war, die sich im Camp eingefunden hatte, hatten wir (abgesehen von den 3 Stellplätzen, die von den Gruppen belegt waren, die schon am Vortag übergesetzt hatten) freie Auswahl bei unserem Standort. Nachdem wir entdecken mussten, dass sich – wie war es auf einer Sandinsel anders zu erwarten – auch Ameisen pudelwohl auf der Insel fühlten, und der ganze Boden mit ihren Hügeln und Gängen durchzogen war, blieb uns schlussendlich nichts anderes übrig, als uns auf ein paar ihrer Ausgänge niederzulassen. Sie mögen es uns verzeihen ;)

Die Zeltverteilung war schnell gegeben: Während Anna, Seli, David und Melissa sich zu viert in eines der Zelte kuschelten, belegten Hayley, Alice und Tim Zelt 2 und damit blieben Philipp, Clifton und ich für das Mittelzelt übrig. Dieses hatte zu unserer Beunruhigung ein beachtliches Loch an der Seite des Innenzeltes, das zwar bei Regen keinen nennenswerten Effekt hervorgerufen hätte, jedoch natürlich eine Schwachstelle gegenüber allem krabbelnden Gefiech darstellte. Ein Sorge, der sich später am Abend noch als berechtigt herausstellen sollte.

Nach einem heißen Tag auf der größten Sandinsel der Welt wollten wir alle nur noch eines: Eine angenehme Dusche. Angenehm beinhaltete dabei für mich ganz gewiss auch ein gewissen Maß an Wärme – genau bei dieser sollte es aber einen kleinen Haken geben. Während auf der „Beaches“-Internetseite großspurig mit „FREE hot showers and flushing toilets“ (= Freie heiße Duschen und Toiletten mit Spülung) geworben wurde, durfte ich in der Dusche jedoch feststellen, dass der Begriff „heiße“ wohl nicht ganz so wichtig genommen worden war. Stattdessen gab es im gesamten Camp lediglich eiskaltes Wasser, was die so sehnsüchtig erwartete Dusche am Ende des Tages eher weniger „genüsslich“ gestaltete. Völlig durch gefroren watschelte ich also aus der Dusche und dem Waschhaus heraus – nur um sogleich wieder rückwärts hinein zu laufen. Am Fuße dessen Rampe patrouillierte nämlich gerade ein Dingo und schlich dort unten bis auf einen Meter an ein – in Angst versteinertes – Mädchen heran. Nachdem seine Neugierde jedoch befriedigt war, drehte er wieder ab und trottete von dannen. Na dann!

Zurück im Zelt angekommen sollte bald die Dämmerung einbrechen und so schmiss ich mir nur schnell etwas zum Anziehen über und transportierte mit den anderen unser Essen für's BBQ zur Kochstelle. Hier war reges Treiben an der Tagesordnung und der Geräuschpegel war dabei wohl mit einem Rockkonzert vergleichbar. Vorteil des ganzen: Trotz des vielen Essens würde sich hier ganz gewiss kein Dingo heran wagen und wir mussten nicht darum fürchten, dass man uns unser Essen stehlen würde. Nachteil: Man konnte kaum sein eigenes Wort verstehen.
Nachdem nun also endgültig die Dunkelheit eingesetzt hatte, verließ uns auch langsam die mollig Warme Temperatur und so eilte ich in Begleitung von Philipp (schließlich soll man sich auf Grund der Dingos nie alleine über die Insel bewegen) zurück zum Zelt um meine warme Bench-Fließjacke hervor zu kramen. Zu meiner Überraschung jedoch durfte ich feststellen, dass sich die Jacke nicht an jenem Ort befand, wo ich sie vermutet hatte. „Komisch“, dachte ich, „naja, sie muss ja irgendwo sein“. Ich entleerte also meine komplette Tasche nur um nun mit klarer Gewissheit vor mir zu sehen: Meine Bench-Jacke hatte es nicht mit auf die Insel geschafft.
Wir rekapitulierten: Wo konnte sie jedoch verschütt gegangen sein. Da dämmerte Philipp ein mögliches Szenario. Da meine Jacke nur lose auf der Tasche gelegen hatte, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie beim Transport von der Bar zum Auto herunter gefallen war – ich hatte die Tasche leider Gottes am Auto nicht mehr gecheckt, war ich doch zu beschäftigt gewesen, das Essen in den dafür vorgesehenen Plastikkörben zu verstauen. Das würde eine kühlere Nacht werden, als ich sie erwartet hatte.
Für's erste gab mir Philipp erstmal seine Jacke, denn während ich Frostbeule mal wieder fror, war es für den Rest der Insel offenbar noch wunderbar warm. Wir setzten uns also um das Lagerfeuer, das von einem der Aboriginies entflammt worden war, die das Camp führen und wenig später kam auch Davids Gitarre zum Einsatz, die er heldenmütig mit auf die Insel genommen hatte. Aus unserer kleinen, familiären Gruppe, wurde sobald eine immer größere, sodass es am Ende erschien, als habe sich das ganze Camp versammelt, um mit David gemeinsam zu Singen oder einfach am Feuer zu entspannen.

Gegen 24 Uhr zog es Philipp und mich nun schließlich wieder zurück zum Zelt, fielen uns doch nach diesem anstrengenden Tag langsam die Augen zu. Im Zelt hieß es also umziehen und gerade als ich die Taschenlampe schon ausschalten und zu Bett gehen wollte machte ich eine grusellige Entdeckung: Da, in meiner Ecke, nur etwa 20 cm über meinen Sachen, hatte sich eine nicht minder große Spinne niedergelassen. Philipp und ich gerieten natürlich gleich in Panik, hatten wir doch keine Ahnung, ob es sich dabei um eine giftige – möglicherweise sogar tödliche – Spinne handelte.

Schnell noch ein Foto von dieser im Durchmesser etwa 1dm großen und ganzschön eklig haarigen Spinne gemacht und dann mussten wir uns etwas überlegen, wie wir sie aus dem Zelt bekommen würden. „Wir brauchen einen Behälter“, kombinierte ich. „Ja aber was denn?!“ „Irgendwas großes... in ein Glas bekommen wir die nicht so leicht“ „Der Topf!“. Und schon wurde der Topf, den wir gerade noch zum kochen unserer Dosenbohnen verwendet hatten zur Spinnenjagt missbraucht. Kaum hatten wir die Spinne nun also mit dem Topf an der Wand des Zeltes festgenagelt, stellte sich nun die nächste Frage: „Woher bekommen wir nun ein Stück Pappe um den Topf abzudecken und die Spinne zu fangen?!“ Unsere 4WD-Einführungs-Folie musste herhalten und nach vielem gequieke (und das nicht nur von mir) und gejammere, schaffte es schließlich Philipp sich einen Ruck zu geben und Topf mit Folie von der Wand zu heben. Gackernd wie die Hühner liefen wir auf die andere Seite des Camps, ließen den Topf fallen und begaben uns auf 2 Meter Sicherheitsabstand – man weiß ja nie! Vielleicht springt die ja! Langsam und vermutlich völlig benommen kletterte die Spinne aus ihrem Gefängnis hinaus und schüttelte vermutlich ihren kleinen Spinnenkopf über die Aufruhr, in die sie diesen komischen großen Gestalten versetzt hatte. Nun, mit Internetzugang und damit Zugang zum Google Bilderarchiv gehen wir davon aus, dass es sich bei unserer Spinne um eine „Huntsman Spider“ gehandelt hat – völlig ungefährlich für den Menschen. So wirklich ruhig schlafen konnten wir jedoch ohne dieses Wissen nicht.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Der abgelegene Strand

Nachdem ich mich die letzten 2 Tage erst einmal dank Muskelkater ausgeruht hatte und auch diesen Morgen langsam angehen wollte, begab ich mich gegen Mittag mit Philipp zu den Läden und besorgte mir eines jener Surf-Neopren-Shirts, die ich die letzten beiden Male von den Surfschulen gestellt bekommen hatte. Diese halten einen nicht nur etwas wärmer im Wasser, sondern dienen vorallem zum Schutz vor Aufschürfungen am Board und bei Mädels bewahren sie außerdem noch vor peinlichen "Ups, ich hab mein Bikini-Oberteil verloren"-Situationen ;)
Um 15 Uhr trutelten wir nun also im Surfshop ein, denn ich wollte mir für 2 Stündchen ein Board ausleihen und ein bisschen üben. Leider hatte ich diese Rechnung ohne den Verleih gemacht, denn dieser verlangte alle Bretter schon um 16 Uhr wieder zurück und somit waren sie nicht bereit, mir noch ein Brett auszuleihen.
Etwas enttäuscht darüber, dass ich meine letzte Möglichkeit in Agnes Waters Surfen zu gehen vertan hatte, entschlossen Philipp und ich uns zu jenem abgelegenen Strand zurück zu kehren, den wir schon gestern besucht hatten. Dieser lag nur unweit vom Hauptstrand entfernt, war aber durch einen Felsvorsprung mit darauf befindlichem Aussichtspunkt von ihm abgetrennt, sodass man ihn nur über das Innland erreichen konnte.

Wir schnappten uns also 2 Bodyboards, die es bei uns im Hostel glücklicher Weise umsonst auszuleihen gab und begaben uns auf den Weg. Am Strand angekommen, der zum naheliegenden Campingplatz gehörte, begaben wir uns schnurstracks weiter nach links zu jenem Strandabschnitt, den wir schon gestern entdeckt hatten. Bei Ebbe war dieser ganz einfach zu erreichen, konnte man doch einfach an den Felsen vorbei laufen, aber wir hatten schon am gestrigen Tag feststellen müssen, dass dies bei Flut nicht der Fall sein solle. Am gestrigen Tag hatte das in einer Felsen-Kletter-Aktion geendet, die sich auf Grund der unterschiedlich geformten Felsen als relativ einfach herausgestellt hatte.

Heute, mit unseren Bodyboards stürtzten wir uns in die Fluten und vergaßen darüber ein weiteres mal die schnell einsetztende Flut. Um uns das Klettern zu ersparen, wollten wir um die Felsen herum schwimmen – machten aber natürlich einen großen Bogen um diese, wollten wir doch nicht von einer großen Welle erfasst und gegen sie geschleudert werden. Was wir dabei aber eindeutig unterschätzten war die Ströhmung. Zwar trieb sie uns nicht auf's Meer hinaus, doch sie stoppte einen fast davon, überhaupt vom Fleck zu kommen. Wir entschlossen uns also zum Strand zurück zu kehren und waren, da wir eine Felsenkette bereits hinter uns gebracht hatten, glücklicherweise in der Lage durch eine kleine Felsspalte zu huschen und ersparten uns damit eine erneute Kletter-Aktion.
Am Abend hieß es dann Abschied nehmen von unseren neu gewonnenen Freunden, die vor allem aus den dort arbeitenden Backpackern bestanden, denn Philipp und ich hatten uns entschieden am Samstag gemeinsam unsere Fraser Island Tour zu beginnen und mussten so also am nächsten Morgen nach Hervey Bay aufbrechen.
Dieser kleine Ort hatte mich wirklich beeindruckt. Die Atmosphäre im Ort, sowie im Hostel, war so angenehm, dass es mich schon ein bisschen traurig stimmte, sie zu verlassen. Hätte ich keine Einladung zu Weihnachten von meiner ehemaligen Gastfamilie in Brisbane bekommen, so wäre ich sicher noch länger hier geblieben und hätte Weihnachten hier verbracht.
Aber nun hieß es erstmal: Weiter mit der Reise :)