Es ist so weit: Wir ziehen aus! Also noch schnell die letzten Sachen zusammen packen, uns von unseren Gastgebern / Vermietern verabschieden und ab geht’s! Aber wie kommen wir nur zum Flughafen bzw. zum Hostel? Zu unserem großen Glück hatte sich Nick dazu bereit erklärt Lisa und mich durch die Gegend zu kutschieren und so hievten wir bereits gegen 12 Uhr unser Gepäck in dessen Kofferraum. Von Marsfield aus ist es nämlich (wie immer ;) ) eine echte Qual mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen zu gelangen, geschweige denn vorher noch meine Sachen beim, für die folgende Nacht, Hostel abzugeben. Auch mit dem Auto kostete es uns schon etwa 1 ½ Stunden, bis wir schließlich die Stadt einmal durchquert hatten und uns nun im Süden Sydneys befanden. Erster Stopp war mein Hostel. Ein altes viktorianisches Gebäude strahlte mir einladend entgegen und sogleich öffnete mir eine freundliche Angestellte die Tür. Auch das Zimmer war echt schnucklig und da ich es für diese Nacht ganz für mich alleine haben sollte, war es für Hostel-Verhältnisse echter Luxus! Welch ein Glück, dass mir Mama und Papa diese Übernachtung zum Valentienstag geschenkt hatten :)
Viel Zeit verblieb mir jedoch nicht, um mich umzusehen, denn sogleich ging die Tour weiter und wir fuhren zum nationalen Teil des Flughafens. Dort angekommen trugt Nick noch – ganz Gentleman – Lisa's Rucksack zum Check-In, bevor er sich von Lisa verabschiedete und uns Mädels unserer Abschieds-Zeremonie überließ. Kaum hatten wir Lisa's Rücksack aufgegeben, eilten wir schon in den ersten Souviniershop, denn noch hatte Lisa nicht all ihre Mitbringsel beisammen. Neben TimTams (typisch australischen Schoko-Keksen) standen noch eine Haifischkette, ein Kuscheltier und ein „Ich liebe Sydney“-Tshirt auf der Liste. Nachdem alle Einkäufe erledigt waren, entschieden wir uns dazu, etwas zu Mittag zu essen, schließlich hatte Lisa ja einen langen Flug vor sich und bekanntlicher Weise schmeckt Flugzeug-Essen ja nicht gerade wie aus dem Gourmet-Restaurant. Mutig wie wir in Australien geworden waren – keiner von uns hatte vor dem Aufenthalt auf der anderen Seite der Erde Fisch auch nur angerührt – holten wir uns eine Sushi-Platte und probierten uns durch all die kleinen Leckereien durch. Fazit: Wir hatten zwar keine Ahnung was wir da so wirklich aßen, aber lecker war es doch. Satt machte es unsere hungrigen Mägen jedoch nicht wirklich, sodass danach dann doch noch ein Hamburger auf dem Teller landete – wir sind eben doch Europäer und keine Asiaten ;)
Langsam aber sicher näherte sich nun Lisa's Boarding-Zeit und so trotteten wir gemeinsam zu den Sicherheitskontrollen um uns voneinander zu verabschieden. Basierend auf dem tränenreichen Abschied von gestern und der Tatsache, dass wir über die 1 ½ Monate, die wir hier in Sydney miteinander verbracht hatten, wirklich zusammen gewachsen waren, hatten wir beide mit einer großen Heul-Orgie gerechnet, doch wir überraschten uns beide selber: Wir hielten uns echt tapfer! Keiner von uns konnte so richtig realisieren, dass Lisa nun in ein Flugzeug steigen würde, dass sie in die Kälte Deutschlands zurück bringen würde.
Kaum hatte Lisa sich in den Transit-Bereich begeben, hieß es nun für mich raus finden, wie ich wieder zurück in die Innenstadt gelangen würde. Kluger Weise hatte ich nämlich bei meinem gestrigen Besuch auf der Arbeit vergessen mein Arbeits-Tshirt und meine Schürze abzugeben – und gerade Schürzen sind im UNA's echte Mangelware ;)
Trotz wöchentlichem Ticket kostete mich die Fahrt vom Flughafen aus saftige 11,60 AUD (im Vergleich: Mein 2 Zonen Wochenticket kostet 48 AUD), denn anders als bei uns in Deutschland ist es hier üblich, dass die U-Bahn Stationen der Flughäfen privat Betrieben werden – und man scheut nicht davor zurück sich das ordentlich bezahlen zu lassen. Sowas gemeines!
Ich brachte also die Arbeitsklamotten zurück – auf der Arbeit muss man schon denken, ich wollte UNA's gar nicht mehr verlassen – und machte mich auf den Weg zur Oxford Street, wo ich mich mit Nick, Martin, Benji und Narisha treffen wollte um mir die Mardi Gras Parade anzusehen.
Mardi Gras, ursprünglich der französische Term für „Faschingsdienstag“, bezeichnet in Amerika nichts anderes als unseren Fasching. Trifft allerdings der Ausdruck „Mardi Gras“ und Sydney zusammen so weiß jeder sofort: Hierbei handelt es sich um das seit 1978 jährlich stattfindendes dreiwöchiges Schwulen- und Lesbenfestival.
Ihren Ursprung fand das heute so beliebte Mardi Gras Festival in einem 1978 stattfindenden Demonstrationsmarsch. Zu dieser Zeit war Homosexualität noch eine Straftat und sollte es im Bundesstaat New South Wales auch noch bis 1984 bleiben. Um ihrer Sexualität Ausdruck zu verleihen hieß das Motto deshalb „Raus aus den heimlichen Kneipen auf die Straßen“ unter welchem rund 1000 Schwule, Lesben und Transsexuelle ihre Diskriminierung anprangerten.
Dazu packten sie ein Sound-System auf einen Lieferwagen, spielten den Song „Glad to be Gay“ (= froh schwul zu sein) und folgten dem Wagen in ihren zahlreichen Kostümen (schließlich war es Faschingszeit) die Oxford Street entlang. Doch das Ende der eigentlich völlig friedlich verlaufenden Parade war kein schönes, denn die Polizei griff ein und verhaftete gewaltsam 53 Demonstranten, brachte sie auf die Polizeiwache und misshandelte sie teilweise sogar. Die Namen und Adressen der Verhafteten wurden daraufhin in Zeitungen veröffentlicht, wodurch viele ihren Arbeitsplatz verloren.
Doch gerade dieser gewaltsame Widerstand ist es wohl gewesen, der veranlasste, dass es auch im Folgejahr zu einer Parade kam: der offiziell ersten Mardi Gras Parade Sydneys. Bis zu 3000 Homosexuelle marschierten ohne weitere Zwischenfälle bei dieser Parade. 1980 kam noch ein weiteres Element hinzu: Das Picknick im Hyde Park, das heute jedes Jahr die Mardi Gras einleutet.
Über die Jahre hinweg stieg die Beteiligung an beidem, Parade und Aftershow-Party, rapide an, sodass die Massen von 700 in 1981 mit 10.000 Beteiligten an der Parade 2009 ihren bisherigen Höhepunkt fand. Dazu kommen etwa eine halbe Millionen Zuschauer jedes Jahr, sodass die Mardi Gras heute auch wirtschaftlich einen auf 38 Millionen Dollar geschätzten Ertrag für New South Wales einbringt.
Heute wird die Parade sogar im australischen Fernsehen übertragen und regt tausende von Fans jedes Jahr dazu an, in den Flieger zu steigen und der Kälte der nördlichen Hemisphäre für ein paar sonnige und unterhaltungsreiche Wochen in Sydney zu entfliehen. Und zu sehen gibt es sicher genug: Neben der Parade und dem bereits erwähnten Eröffnungs-Picknick „Fair Day“, gibt es noch etwa 100 verschiedene Kunst Veranstaltungen und natürlich - nicht zu vergessen - viele Partys, bei denen echte Weltstars auf der Bühne stehen (dieses Jahr zum Beispiel Whitney Houston und Lady Gaga). Kein Wunder also, dass die schwulen Reise-Bibel „Spartacus“ behauptet: „Ein Besuch der Mardi Gras ist ein absolutes Muss für jeden schwulen Reisenden“.
Auch ohne schwul zu sein genoss unsere kleine Gruppe den Anblick der lustigen Kostüme und einstudierten Tänze, die sich über mehr als 2 ½ Stunden hinzogen sehr. Doch sogar die „Öffiziellen“ der Stadt Sydney sind beim Marsch vertreten: sei es Polizei, Feuerwehr, Rettungsschwimmer und so weiter und so fort, alle waren sie da. Immer noch erfüllt die Parade neben der allgemeinen Belustigung auch eine warnende Aufgabe und macht auf Probleme und Gefahren rund um Homosexualität aufmerksam. Schilder regen zum Gebrauch von Kondomen ebenso an, wie zur Gleichberechtigung der Schwulen-Ehe.
Für Fotos von der Parade: Hier Klicken :)
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