Mittwoch, 24. Februar 2010

Blue Mountains - oder vielleicht sollten wir sie in "Foggy (= neblig) Mountains" umbenennen? VOLLSTÄNDIGE VERSION!!

Seit langem hatten wir es schon geplant, nun endlich kamen wir dazu sie zu besuchen: Die Blue Mountains. Die „Blauen Berge“, wie unser Vermieter Heinz immer so schön zu übersetzen pflegte ;), beginnen etwa 60 km westlich von Sydney und verdanken ihren Namen einem durch den großen Anteil an Eukalyptusbäumen entstehenden Naturschauspiel. Das auf der Blattoberfläche dieser Bäume befindliche Öl verdunstet und schafft somit einen bei Sonneneinstrahlung bläulich erscheinenden Nebelschleier, dessen Intensität stark genug ist um die Berge von Weitem bläulich wirken zu lassen.
Wir hatten uns dafür entschieden die Berge mit einer Tour zu besuchen um von unserem Tour-Guide viele nützliche Informationen über die Blue Mountains zu erfahren. Also hieß es schon früh aufstehen, denn wohnt man in Marsfield, muss man natürlich erst einmal eine Weile zu einem Bus-Treffpunkt fahren ;)
Kaum hatte uns unser Kleinbus eingesammelt, informierte uns unser Tour-Guide über eine Vollsperrung auf der Autobahn, die uns zwang unsere Route etwas zu verändern und einen großen Bogen um die Unfallstelle zu machen. Müde, wie wir waren, störte uns diese Verzögerung jedoch überhaupt nicht, denn sie bedeutete für uns ein bisschen mehr Zeit um auf der Busfahrt zu schlafen ;)
Zwischenstop machten wir in einem kleinen Berg-Café, in dem Lisa und ich uns einen frisch gebackenen Apfelkuchen gönnten – lecker!! - bevor es weiter in die Berge hinauf ging. Dabei erfuhren wir von unserem Tour-Guide über die Nützlichkeit von Waldbränden für die Blue Mountain Region. Diese steht mehrfach im Jahr in Brand – dabei ist häufig eine unachtsam aus dem Fenster geworfene Zigarette oder auch heiße Katalysatoren von auf dem Waldboden abgestellten Autos Ursache für die Entfachung des Feuers. Die Zigarette ist nicht vollständig abgeglüht und entzündet die leicht entflammbaren Eukalyptusblätter und auch die Wärme des Katalysators reicht aus, um das Laub zu entfachen. Dennoch, auch ohne menschliches Zutun, brennen große Teile des Waldes jährlich auf völlig natürlichem Wege ab – denn der Wald braucht dies zur Regeneration. Als eindeutiger Sieger geht aus den bis zu 4.000 Grad heißen Buschbränden (das ist heiß genug um Stahl zu schmelzen) der Eukalyptusbaum hervor. Von diesem gibt es im Blue Mountains National Park übrigens etwa saftige 700 verschiedene Arten. Er besitzt nämlich gegenüber den anderen Pflanzen einen unschlagbaren Vorteil: Seine Wurzelstöcke und Samen überleben - von einer feuerresistenten Rinde geschützt – den Brand und bereits 3 Wochen später treiben diese wieder aus. Das ist wesentlich schneller, als sich jede andere heimische Pflanzenart erholen könnte. Mehr noch braucht der Eukalyptusbaum das Feuer sogar um sich zu verbreiten, denn seine hart verschlossenen Samen sind ohne dieses fast nicht zu öffnen – nur eine einzige der hier lebenden 265 Vogelarten ist in der Lage sie zu knacken.
Unser Umweg führte uns schließlich zu einem Aussichtspunkt, der über eines der vielen Täler des Nationalparks blickte. Bereits am Morgen hatten wir feststellen müssen, dass über Sydney – trotz anders lautender Wettervorhersage; aber wer verlässt sich schon auf die... - eine dicke Wolkendecke herein gezogen war und auch jetzt hatte sich diese noch nicht erbarmt aufzubrechen. So lag also über dem gesamten Tal ein leichter Nebel, der mit dem grau des Himmels verschwamm – idyllisch, nicht? ;) Auch die Wärme hatte sich für diesen Tag verzogen und so fröstelten wir in unseren T-Shirts und kurzen Hosen doch beträchtlich bei lediglich 21 Grad. So ist das eben, wenn man zu lange von sommerlichen Temperaturen verwöhnt ist ;)

Zu allem Übel hatte ich mir am Morgen noch überlegt, meine dicke Bench-Fließjacke aus dem Rucksack heraus zu nehmen, denn es sah zwar regnerisch aus, doch KALT würde es schon nicht werden! Tja... Falsch gedacht. Glücklicher Weise war die gute Odisys Regenjacke jedoch im Rucksack verblieben, und so half mir zumindest diese dort oben auf dem Berg ein bisschen gegen die Kälte.
Zurück ging es also in den – wenn auch schon nicht warmen, dann doch wenigstens vom Wind geschützten – Bus und weiter in Richtung der normalen Tourstrecke. Der Weg führte uns zu einer Seilbahn Station, die ihre Besucher ins Jamison Valley tragen sollte und es wurde uns die Entscheidung überlassen, ob wir diese entweder benutzen möchten, oder aber, ob wir über die etwa 900 Stufen des „Giant Stairway“ ( = die gigantische Treppe) ins Tal hinunter gelangen wollten. Mit leicht schlechtem Gewissen wegen des Apfelkuchens und dem Drang, sich nach dem langen Aufenthalt in Marsfield mal wieder richtig zu bewegen, entschieden wir uns für die sportliche Variante – runter laufen und hoch fahren – und wurden dabei von weiteren 4 (von sage und schreibe 26) Tour-Teilnehmern und unserem Tour-Guide begleitet.

Der Weg führte uns vorbei an zahlreichen Aussichtspunkten, die uns sowohl einen – auf Grund des Wetters leider nur zumindest theoretisch – guten Blick auf die „Three-Sisters“-Felsenformation eröffneten, als auch auf die Katoombafalls.

Bei den „Three-Sisters“ (= drei Schwestern), handelt es sich um die wohl bekannteste Attraktion des Blue Mountain Nationalparkes. Über dem Jamison Valley thronen sie mit einer Höhe von 922 – 906 Metern und regen so allerlei Park-Ranger oder Tour-Guides dazu an, in ihre Märchenkiste zu greifen. Man sagt nämlich, dass die drei Schwestern teil der Aboriginie Traumzeit-Erzählungen wären, von denen 6 Stammesgruppen seit mindestens 25.000 Jahren diese Region bewohnten. Die Traumzeit bezeichnet im Glauben der Aboriginies die Zeit der Schöpfung. Ihre Erzählungen geben die Entstehung der Welt wieder, erklären ihre Gesetze und machen die Verwandtschaft aller Dinge miteinander, sei es Mensch, Tier, Natur oder ähnliches, verständlich.
So fanden die Aboriginies auch für die Entstehung der „drei Schwestern“ eine Erklärung, von der ich gleich zwei Versionen fand. Die scheinbar weiter verbreitete Version zuerst:
Es war einmal – Nein stop! Ich vergaß, wir lesen hier ja nicht aus einem westlichen Märchenbuch, sondern erzählen eine Dreamtime-Story. Also noch einmal:

Die Traumzeit-Legende erzählt von drei Schwestern „Meehni“, „Wimlah“ und „Gunnedoo“ (Ich bitte an dieser Stelle darum, mich nicht nach der korrekten Aussprache dieser Namen zu fragen ;) ), die im Jamison Valley als Mitglieder des Katoomba Stammes lebten. Sie waren außergewöhnlich hübsch und der Stamm war sehr stolz auf ihre Schönheit. Die drei Mädchen verliebten sich in drei Brüder eines anderen Stammes, doch das Stammesgesetz verbot ihnen eine solche Heirat. Doch die Brüder – in Liebe zu den Schwestern entbrannt – waren nicht bereit dieses Gesetz zu akzeptieren und so entschlossen sie sich dazu, die Mädchen mit Gewalt an sich zu reißen. Die Folge war ein riesiger Stammeskrieg.
Im Verlaufe dieser Schlacht geraten die Leben der drei Schwestern in ernste Gefahr, sodass ein Medizinmann ihres Stammes sie in Stein verwandelte, um sie vor jedem Schaden zu beschützen. Natürlich hatte er vorgehabt die Schwestern – nachdem die Schlacht beendet war – zurück in ihre menschliche Gestalt zu verwandeln, doch wurde er selbst im Kampf getötet. Nur ihm wäre es jedoch möglich gewesen, seinen Zauber aufzuheben, sodass die Mädchen noch bis zum heutigen Tage in ihrer steinernen Form verbleiben und mit ihrer außergewöhnlichen Felsformation alle folgenden Generationen an die Schlacht erinnern.

Soviel also zur ersten Version der Geschichte. Unser Tour-Guide erzählte uns die Geschichte jedoch etwas anders und da ich seine Version viel schöner fand, wollte ich sie euch natürlich auch nicht vorenthalten:

Vor langer Zeit lebten in den Blue Mountains drei kleine Aboriginie Schwestern. Sie hießen Meenhi, Wimlah und Gunnedoo, und ihren Vater, der ein Medizinmann war, nannte man Tyawan. Es gab nur eine Kreatur, die von allen gefürchtet war – der Bunyip, welcher in einem tiefen Loch hauste. Wann immer Tyawan am Loch vorbei gehen musste, ließ er seine schönen Töchter sicher an der Klippe hinter einer Felswand versteckt. Eines Tages, seinen Töchtern zum Abschied winkend, stieg er die Klippenstufen hinunter. Kurz darauf kroch ein riesiger Tausendfüßler über den Klippenrand hinauf, der Meehni fast zu Tode erschreckte. Sie warf einem Stein nach ihm, doch der Stein rollte über die Klippe und krachte hinunter ins Tal. Vögel, Tiere und Feen hielten die Luft an, als sich daraufhin der Fels hinter den drei Schwestern spaltete und diese auf einem dünnen Felsvorsprung gefangen nahm. Der auf Grund der Erschütterung erzürnte Bunyip tauchte aus seinem Loch auf und sah die verängstigten Schwestern. Währenddessen, im Tal, sah Tyawan den Bunyip die Felswand hinauf klettern, der seine Töchter schon fast erreicht hatte, also zielte er mit seinem magischen Knochen auf die Mädchen und verwandelte sie in Stein. Der Bunyip, davon natürlich nicht begeistert, verfolgte daraufhin Tyawan, der sich in einer Sackgasse wiederfand. Gezwungener maßen richtete er seinen magischen Knochen also auf sich selbst, und verwandelte sich selbst in einen Leierschwanz (Leierschwanz, oder in Englisch „Lyre Bird“ ist ein den Waldboden bewohnender typisch australischer Vogel, der sowohl für seinen schönen Gesang, als aber auch für die Tatsache, dass er auf dem Boden scharrt um kleine Insekten zu finden, bekannt ist). Nun waren alle sicher, doch als Tyawan davon flog, um dem Zorn Bunyips zu entgehen, verlor er seinen magischen Knochen. Als Bunyip verschwunden war, kehrte Tyawan an die Stelle zurück, an der er seinen Knochen vermutete und suchte und suchte nach ihm – und er sucht noch heute.
Die drei Schwestern beobachten ihn lautlos von ihrem Platz auf dem Felsvorsprung und hoffen, dass er den Knochen eines Tages finden wird, um sie wieder in ihre menschliche Gestalt zurück zu verwandeln. Wenn man heute die drei Schwestern betrachtet, kann man noch immer Tyawan, den Leierschwanz hören, wie er nach seinen Töchtern ruft, während er seine Suche nach dem verlorenen Knochen fortsetzt.

Hört sich das nicht niedlich an?
Unsere Mythologie – die Wissenschaft ;) - erklärt sich die Entstehung der Felsformation übrigens durch Erosion des Weichen Sandsteines. Dieser wird durch Regen, Wind und Flüsse leicht weggewaschen, sodass die drei Schwestern wohl irgend wann völlig verschwinden werden. Fakt ist, dass dort, wo heute die drei Schwestern stehen, einst 7 Schwestern vorzufinden waren, von denen 5 bereits abbrachen. Bestimmt erzählen die Tour-Guides nach dem Verschwinden der letzten Schwester dann davon, das Tyawan seinen magischen Knochen wiedergefunden hat ;)
Wir gelangten also schließlich ins Tal und so anstrengend waren diese 900 Treppenstufen nun auch wieder nicht gewesen. Der Versuchung sie wieder hinauf zu nehmen widerstanden wir aber gerade so ;)


Unten angekommen wollten wir uns sogleich an die Erkundung des Tales machen, dass Dank angelegter Holz-Stege wirklich angenehm zu durchlaufen ist. Da hatten wir leider falsch gedacht, denn unser Guide informierte uns darüber, dass wir etwa 10 Minuten hatten, um uns noch kurz umzusehen und dann sollten wir uns schon wieder am Fuße der Scenic Railway – der angeblich steilsten Bahn der Welt – einfinden. Ein bisschen enttäuschend fand ich das schon, denn ich hatte mich wirklich darauf gefreut den ganzen Tag lang durch die Gegend zu laufen und alles zu erkunden, zumal unser Guide uns das ja auch schon hätte sagen können, als er uns die Entscheidung, ob wir die Bahn oder die Treppe nehmen wollen, überlassen hat. Dann hätten wir uns vermutlich dafür entschieden unsere sportlichen Aktivitäten eben im Tal zu vollführen. Naja, wie dem auch sei, wir schafften es gerade noch uns ein paar Informationstafeln bezüglich des früher in den Blue Mountains betriebenen Kohleabbaus durchzulesen und fanden auch noch ein cooles aus Metall gegossenes Kohle-Schlepp-Pferd, doch dann ging es zurück. Die Scenic Railway – früher eine Bahn, die dazu benutzt wurde die Kohle aus dem Tal hinaus zu befördern; heute eine Touristenattraktion – ermöglichte uns leider auch keine spektakulären Blicke, denn da man Regen befürchtete, war sie mit einer Plastikplatte bedeckt. Oben angekommen stöberten wir noch durch den Souviniershop, denn Lisa, die sich ja Samstag bereits wieder auf den Weg ins kalte Deutschland machen würde, brauchte ja noch ihre Mitbringsel.

Zurück im Bus ging es zu einem weiteren Aussichtspunkt, der uns einen Blick über das „Valley of the Waters“ (= Tal der Gewässer) ermöglichen sollte. Diesen hatten wir aber – ganz eindeutig – nicht für uns allein, denn auf dem Aussichtpunkt wimmelte es nur so von asiatischen Teenagern, die – laut quatschend und ganz ganz fürchterlich falsch angezogen (Chucks mit Highheel-Absätzen während einer Wanderung?! Im Ernst jetzt?!) – jegliche Aussicht versperrten. Na ja, wir nahmen es – notgedrungener Maßen – mit Humor.


Auf dem Rückweg hielten wir noch in einem kleinen Tal und begaben uns auf die Suche nach Kängurus. Während die beiden Mädchen aus Dänemark, mit denen Lisa und ich uns ganz gut verstanden hatten, völlig aufgeregt waren endlich ein Känguru zu Gesicht zu bekommen, waren Lisa und ich da weniger ambitioniert. Wie heißt es so schön: Hat man eines gesehen, kennt man alle. Und in 6 Monaten Australien-Aufenthalt hatten wir schon genügend zu Gesicht bekommen ;) Lisa konnte sich trotzdem dazu durch wringen ein paar Fotos zu schießen und ich muss ja gestehen: sie sehen ja echt niedlich aus. Ich währenddessen machte es mir auf der Wiese gemütlich, denn endlich hatte sich der Tag entschieden, aufzuklaren und ein blauer Himmel erlaubte es ein paar Sonnenstrahlen meine Nase zu kitzeln :)
Das sollte es also gewesen sein: unser Ausflug in die Blue Mountains. Ein bisschen gemischte Gefühle beschlichen mich auf dem Heimweg, als ich den Tag an mir Revue passieren ließ. So ganz war es nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Na ja, dann muss ich eben irgendwann nochmal wieder kommen. Das ist ja nun auch nicht das schlimmste der Welt ;)

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