Freitag, 26. Februar 2010

Lisa's letzter Abend

Heute war es nun soweit: Es war die letzte Nacht, in der uns unser Apartment in Marsfield, das wir die letzten 1 ½ Monate bewohnt hatten, ein Zuhause sein sollte, bevor wir ihm morgen den Rücken kehren und uns auf Reisen begeben würden.
Während ich mich für dir nächste Nacht in einem Hostel nahe des Flughafens eingebucht hatte, da ich übermorgen einen Flug nach Brisbane nehmen würde, würde sich Lisa morgen bereits um 15 Uhr im Transitbereich des Flughafens befinden und um 17 Uhr würde das Flugzeug abheben, dass sie zurück in die Heimat brächte. So wirklich konnte sie sich darauf nicht freuen. Zwar würde es natürlich toll werden Freunde und Familie wieder zu sehen, doch schließlich würde sie aus den sommerlichen Temperaturen Australiens in den eiskalten Winter Deutschlands reisen und darauf hatte sie nun gar keine Lust.
Unser Plan war es eigentlich gewesen unseren letzten gemeinsamen Tag mit einem Strandbesuch zu beginnen, doch als wir uns am Freitag morgen aus unserem Bettchen rollten um den Vorhang zur Seite zu ziehen, mussten wir feststellen, dass das Wetter andere Pläne für uns hatte: Wolkendecke war angesagt.
Na ja, dann eben nicht, dann haben wir wenigstens Zeit in Ruhe zu packen und uns für die Party heute Abend schick zu machen. Wir hörten also den ganzen Tag über Wicked-Lieder und trällerten wunderbar schief dazu mit – hey, schließlich wurde unsere Mitbewohnerin uns ja am nächsten Tag los, sie hat das Katzengejaule einen Tag lang schon überlebt. Außerdem entschloss ich mich einen Schokokuchen für meine ehemaligen Kollegen zu backen, um mich nochmals für die schöne Zeit mit ihnen zu bedanken.
Für's Abendessen hatten wir uns mit 2 deutschen Freunden - Schlotti und Linda - verabredet und auch noch Charlott, eine holländische Freundin Schlottis war mit von der Partie. Ich brachte also meinen Schokokuchen – der übrigens wirklich gut schmeckte! Ich durfte nämlich auch ein Stückchen probieren ;) - auf der Arbeit vorbei und wir ließen uns in einem italienischen Restaurant unweit Kings-Cross (dem absoluten Partybezirk Sydneys) nieder.
Kaum hatten wir unsere Mahlzeit beendet, tauchten auch schon wie gerufen Ina, sowie Robin und seine Freunde auf – Studenten der Maquarie University (also jener Universität, die sich direkt bei uns um die Ecke befand), die Lisa eines Abends kennen lernte, und welche sie nun zu ihrer Abschiedsparty eingeladen hatte.
Gemeinsam begaben wir uns nach Kings Cross und da Getränke in Bars für ein Backpacker Budget immer so teuer sind, entschlossen sich die Mädels sich im Bottle Shop (Alkohol wird hier in eigens dafür vorgesehenen Shops verkauft und nicht wie bei uns über den Getränkehandel oder Supermarkt) eine Flasche Sekt zu kaufen. Nun ist der Konsum von Alkohol in Australien in der Öffentlichkeit bekanntlich verboten - Kein Problem für Ina, die extra für diesen Zweck eine riesige Handtasche mitgebracht hatte. Darin ließ sich die Flasche prima verstecken, während man so aussah, als tränke man die Tasche – und das ist natürlich völlig unauffällig! Zum Glück durfte ich durch meine Antibiotika nichts trinken, sodass mir diese Peinlichkeit erspart blieb ;)
Nachdem nun also diese Straftat völlig unauffällig ausgeführt worden war ;) ging es hinein in den Soho-Club. Dieser war leider nur mäßig befüllt, spielte aber dennoch recht gute Musik. Während Charlott und die Robin Crew sich nach unten auf die Tanzfläche verabschiedeten, verblieben Ina, Linda, Schlotti, Lisa und ich im oberen Geschoss des Clubs. Friedlich tanzten wir vor uns hin, als Ina plötzlich einen der Drinks in der Hand hatte, der sich gerade noch auf dem Nebentisch befunden hatte – offensichtlich gehörte der den dort sitzenden Personen! Allesamt starrten wir sie an, doch sie ließ sich nicht davon beirren und genoss freimütig den „Drink aufs Haus“. Wenige Minuten später versuchte sie das ganze noch einmal – diesmal mit einem Sektglas, dass sich auf dem Tisch befand – und keiner von uns reagierte schnell genug um sie zurück halten zu können. Prompt wurde Ina natürlich erwischt, stolzierte trotz empörten Rufen der Besitzer mit dem Glas weg, um einige Sekunden später mit Strohhalmen im Sektglas wieder zu erscheinen und den Drink zurück zu stellen – offensichtlich hatte sie den armen Strohhalm-losen Besitzern des Drinks nur helfen wollen... na klar! Kein Wunder, dass sich 2 Minuten später ein Security-Mann einfand, der sich demonstrativ neben uns positionierte. Ouch!
Auch Nick trudelte schließlich ein, jedoch ohne die Freunde, die er eigentlich hatte mitbringen wollen. Diese hatte er in einer gegenüberliegenden Bar zurück lassen müssen, da sein 40 Jahre alter Kumpel seinen Ausweis Zuhause vergessen und daraufhin an der Club-Eingangstür den Ausweis einer anderen Person vorgezeigt hatte – nicht, dass der Türsteher ihn überhaupt nach jenem gefragt hätte. Natürlich wurde der Betrug sofort gemerkt und ihm der Eintritt verweigert. Es dauerte also nicht lange, bis wir uns entschlossen den Club zu wechseln und Nicks Freunde abzuholen.
Wir lernten also Martin (40) aus Schweden, sowie Benji und Narisha aus Melbourne kennen und begaben uns zu einem R'n'B Club, den Benji uns empfahl. Dort angekommen entschieden Ina und Schlotti, dass es damit für sie für den Abend genug sein sollte und so begann also Lisa's Leidensgeschichte des Abschied-Nehmens. Viele Tränen und Umarmungen später konnte Lisa sich sichtlich angeschlagen von ihren Freunden losreißen und so zog die Truppe ins „Favela“ ein. Der Club sah echt toll aus und auch die Musik war echt gut, doch so richtig konnte sich Lisa – verständlicher Weise – nicht amüsieren. Immer wieder kullerten ihr die Tränen über die Wangen und nichts konnte sie so richtig aufmuntern, denn schließlich stand es unveränderlich fest: Morgen würde sie sich in ein Flugzeug setzen und das schöne Australien verlassen.

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