Samstag, 26. September 2009

Mackay – Die scheinbare Geisterstadt

- Mehr Bilder folgen noch!! -

Am Samstag hieß es nun also die Vertrautheit von Lee's Wohnung verlassen und sich ins Ungewisse begeben – genauer gesagt 150 km weiter südlich nach Mackay. Meine Freunde in Airlie Beach hatten nur den Kopf über mein Vorhaben geschüttelt überhaupt in Mackay halt zu machen, doch da Rockhampton gleich 500 km entfernt lag und ich keine Lust auf eine super große Busreise hatte, zog ich es vor Mackay eine Chance zu geben. Hatte ich geglaubt auf dem Bootstrip auf mich alleine gestellt zu sein, so hatte ich mich eindeutig getäuscht. Hier in Mackay angekommen hieß es nun WIRKLICH völlig allein mit meinem KOMPLETTEN Gepäck durch die Straßen wandern und versuchen eines der beiden Hostels in der Stadt zu finden.
Ich machte mich also - bei ganz schöner Hitze und in Jeans und Pulli gekleidet (notwendig, weil die Klimaanlage der Greyhoundbusse einen fast zu Eis gefrieren lässt) - auf den Weg zur Sydneystreet, wo ich im Geckos einchecken wollte. Eine Vorbuchung war mir leider nicht möglich gewesen, denn da man bei einer Buchung nur einen Prozentanteil der Kosten bezahlt und ich nur für eine Nacht buchen wollte, falls es mir nicht gefallen würde, war der Betrag, mit dem meine Kreditkarte belastet werden würde, zu klein (weniger als 1,50€) und ich konnte ihn nicht bezahlen. „Was soll's“, hatte ich mir gedacht, „wenn es da nur 2 Hostels gibt und in der Stadt sowieso nicht viel los ist, dann werden schon nicht beide Hostels ausgebucht sein!“ Tja, falsch gedacht...

Mein Gepäck endlich zum Geckos gecheckt erfuhr ich von dem Mädchen am Schalter, dass für die heutige Nacht leider nichts mehr frei wäre. Sie ersparte mir netter Weise den Weg zum zweiten Hostel in der Stadt und erfuhr über Telefon, dass die Lage im anderen Hostel auch nicht anders aussehen würde. „Na toll! Völlig allein in einer fremden Stadt, ohne Orientierung und ohne Möglichkeit die warmen Klamotten gegen angenehmere einzutauschen! Naja, was solls, dann lagere ich hier erstmal meine Sachen ein und erkunde die Straßen, ob es hier vielleicht ein erschwingliches Motel gibt“. Gesagt getan begab ich mich zurück auf die Straße um mich umzusehen. Ohne Internetzugang jedoch, stellte sich die Orientierung als realitiv schwierig heraus, denn GoogleMaps konnte ich nicht nutzen. Ich erkundigte mich also nach dem Weg zur Lagoone, da ich hoffte dort, wie bisher immer, eine Art Stadtzentrum vorfinden zu können. Zwar hatten wir es erst 14 Uhr an einem sonnigen Samstag, jedoch schienen die Straßen von Mackay bereits fast ausgestorben. Kaum eines der Geschäfte hatte geöffnet und mein Magen knurrte schon bedenklich. Zum Glück hatte ich 2 der am Vortag gebackenen Muffins mitgenommen, die mir zumindest über die erste Durststrecke hinweg helfen sollten.
Ziemlich entmutigt und verzweifelt setzte ich mich auf eine der Parkbänke, die es am Fluss entlang auf dem Weg zur Lagoone gibt, und packte mein Buch aus. „Beruhige dich Franzi, du wirst schon irgendwo unter kommen“, sagte ich mir und versuchte meine Aufgekratztheit zu verscheuchen. Ohne viel Erfolg jedoch – Zwar genieße ich es sehr ein gutes Buch an einem schönen sonnigen Tag zu lesen, doch nur dann, wenn ich nicht gerade fürchten muss heimatlos zu sein... ich konnte mich nicht wirklich dazu bewegen, mich auf das Buch zu konzentrieren. Also ging es weiter Richtung Lagoone. Dort angekommen konnte ich mich leider auf Grund von fehlendem Bikini (der ja immer noch, so wie meine luftigen Klamotten, im Abstellraum des Gekkos auf mich wartete) noch nicht einmal im Wasser abkühlen und fragte deshalb ein paar Mädels, wo ich hier den nächsten McDonals finden würde, in der Hoffnung freies W-Lan – und damit Kontakt zur Außenwelt – zu finden. Ich spielte sogar mit dem Gedanken einfach den nächsten Bus zurück nach Airlie zu buchen und zurück zu Lee zu kehren.
Die Mädels hatten mich in ein nahe gelegenes Einkaufszentrum geschickt, und zum ersten Mal fühlte sich Mackay nicht wie eine Geisterstadt an. Hier gab es tatsächlich Menschen und viel besser noch: Geschäfte, die geöffnet hatten! So holte ich mir gleich ein Sparmenü von McDonals um endlich meinen knurrenden Magen zum Schweigen zu bringen.

Nach einigem hin und her Überlegen entschloss ich mich dazu, Ron, dem Kerl, denn ich in der Beaches-Bar einige Wochen zuvor kennen gelernt hatte und der mir seine Nummer gegeben hatte, eine Sms zu schreiben und ihn zu fragen, ob er vielleicht einen Platz wüsste, in dem ich für nicht allzu viel Geld für heute Nacht einchecken könnte. Was hatte ich schon zu verlieren? Die Sms, die ich zurück bekam begann mit der amüsanten Information, dass er echt glücklich wäre, dass ich mich melde, denn er habe meine Nummer verloren, da er sein Handy beim Schnorcheln in der Hosentasche vergessen hätte. Hahahaha, wie kann man das denn schaffen?!
Er bot mir außerdem an, die Nacht bei ihm im Haus zu verbringen, dass er mit 3 anderen Leuten bewohnen würde, und lud mich ein am Abend mit ihm und seinen Freunden Essen zu gehen. Glücklich darüber, einen Platz zum Schlafen gefunden zu haben, sagte ich natürlich zu und wenig später holte Ron mich und mein Gepäck ab um mich zu ihm zu fahren.

Der Weg führte hinaus aus der Stadt in einen der unzähligen und weit gefächerten Stadtteile Mackays. Mir, die ich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Ahnung von den geographischen Gegebenheiten Mackays hatte, kam die Fahrt unglaublich lang vor und ich hoffte nur, jetzt nicht irgendwo auf einem Bauernhof zu landen. Doch schnell verflog meine Angst, als wir in einen, der hier typischen „Estates“ einbogen. Dabei handelt es sich um künstlich angelegte Wohnsiedlungen, die einem das Gefühl verschaffen, man befände sich in einem ganz kleinen Örtchen, in dem man alle seine Nachbarn kennt. Dabei findet man überall sorgfältig gepflegte Vorgärten, schöne Häuserfassaden und kleine begrünte Verkehrsinseln, die einen davon abhalten sollen, hier durch die Gegend zu Rasen. Wer sich schon einmal „Desperate Housewives“ angesehen hat, könnte das Aussehen vermutlich am besten mit der Wisteria Lane vergleichen.
Im Haus machte ich gleich die Bekanntschaft von Matt, Ron's 33 jährigen Mitbewohner (Ron selbst ist übrigens 29) und durfte meine Sachen in Ron's Zimmer unterbringen. Das Haus ist relativ groß, wenn auch nur einstöckig, besitzt ein Wohnzimmer, einen Fernsehbereich, eine offene Küche, 3 Schlafzimmer, 2 Bäder, eine Garage und einen großen Garten. Was will man mehr? Da hatte ich doch wirklich Glück mit meiner Unterkunft gehabt ;)
Besonders interessant fand ich es außerdem, dass es hier in Australien völlig normal zu sein scheint, sich ein Haus zu mieten und dieses mit einer Wohngemeinschaft zu bewohnen. Was man sich bei uns nur höchstens als Wohnung leisten kann (und das dann auch ganz sicher ohne Garten!) scheint hier kein Problem zu sein. Und dabei begreift man Mackay von den Wohnpreisen her als einen der teuersten Orte in ganz Queensland. Dies kommt zustande, da es hier in der Gegend eine sehr große Mienen-Industrie gibt – und Mienenarbeiter verdienen hier in Australien verdammt gut! Die Konkurrenz ist also groß und zahlungsfähig. Naja, aber wenn Australien eines zu bieten hat, dann ist es ganz sicher Platz! Es verwundert also nicht wirklich, dass man es hier vermutlich schwerer hat eine Wohnung zu finden, als ein Haus, denn in die Höhe wird kaum gebaut. Bewegt man sich nur ein bisschen aus dem Stadtkern heraus, so findet man nur noch lediglich ebenerdig gebaute Häuser vor.


Nachdem ich mich nun also ein bisschen im Haus umsehen durfte, hieß es sich schick machen für's Restaurant. Dort sollte ich auf Kitey und Nathan treffen – Ron's 19 jährige Mitbewohnerin (die ihren Spitznamen ihrem Hobby, dem Kitesurfen, verdankt) und ihr Freund -, sowie auf Lisa und auf Charlotte – Rons 3. Mitbewohnerin im Alter von 18, die im Restaurant an der Bar angestellt ist. Das Essen war mit nahezu 30 Dollar eindeutig das Teuerste, das ich seit meiner Ankunft in Australien zu mir genommen hatte, war dafür aber auch weitaus feiner, als alles zuvor gegangene. Mit Kitey und Nathan verstand ich mich gleich auf Anhieb und so war ich wirklich froh, dass Ron mich vor meinem Obdachlosen-Schicksal bewahrt hatte und mir so nette Leute vorstellte. Neben leckeren Essen gab es ebenso leckere Cocktails und so verstrich der Abend auf eine sehr angenehme Weise.
Jetzt fühlte ich mich wieder besser. Hatte der Tag noch so schrecklich ganz alleine im verlassenen Mackay angefangen, so machte die Gesellschaft am Abend es wieder her und veranlasste mich dazu, Mackay doch nicht als eines der schlimmsten Erlebnisse auf meiner Reise in Erinnerung zu behalten.

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