Sonntag, 20. September 2009

Campen auf den Whitsunday Islands 20.09.2009 - 21.09.2009 Teil 1

Ich packte also in Rekordgeschwindigkeit meine 7 Sachen zusammen, checkte aus und verabschiedete mich von Lisa, für die auf dem Boot leider kein Platz mehr zu finden war und die, sollte sich Justin nicht melden, morgen mit dem Bus weiter Richtung Süden reisen wollte.
Meine Sachen sollten sicheren Unterschlupf in Lees Haus finden, und so zog ich meinen Trolley - mal wieder - quer durch Airlie Beach. Ebenfalls bepackt mit einer Essenstüte, einer extra-Tüte für dreckige Wäsche und einer dritten Tüte mit... unverzichtbaren Schuhen für meine Reise (... ja, wir sprechen hier von meinen neuen Highheels), kam ich mir ein wenig wie ein Lastenesel vor und schwitze wohl auch wie einer. Eine Dusche und ein wenig Ruhe später, holte mich der Rest der "Reisegruppe" schließlich ab.




Darf ich vorstellen:
Heyden und Rob, beide Mitte Zwanzig und professionelle Fischer, sowie Sophie und Ben, Pärchen von der Sunshine Coast, ebenfalls Mitte zwanzig und natürlich Lee :)
Zu sechst in den Jeep gequetscht und Lees Boot, die "Wet Beaver" auf unserem Hänger, ging es also zum "Shute Harbour" Hafen. Das Wetter spielte uns außergewöhnlich gut mit und soerschien schon der Hafen ein echtes Paradis. Wo bei uns dunkle, sumpfartige Brühe dümpelt, befindet man sich hier an einer kleinen Bucht, nur abgeschirmt von ein paar kleineren Inseln und genießt den strahlenden Sonnenschein.


Hinaus ging es also, vorbei am Whitehaven Beach, den ich nach meinem Besuch mit der "Emperors Wings" schon unter: "Das sehe ich bestimmt erst mit Mama und Papa wieder" abgeheftet hatte, und auf die gegenüber gelegene Insel namens "Haslewood Island". Dort suchten wir uns ein etwas geschützt gelegenes Plätzen und entluden unser Boot.

Und was wir dabei hatten war sicher nicht wenig: 2 Kühltruhen gefüllt mit Getränken und Essen hatten es mit auf die Insel geschafft und bescherten uns eine Verpflegung die mit einem "Gestrandet wie Robinson Cruiso"-Campingausflug nun wirklich nichts mehr zu tun hatte.
Von Müsli, Milch, Würstchen, Steaks, Obst, Jogurt, geräuchertem Lachs, Scampis, Fruchtsaft, Cola, Wasser, Bier, Bailys und Rum gab es sicherlich genug um uns 2 Tage über Wasser zu halten. Natürlich nur "gerade so" ;P
Aber auch eine Matratze hatte es mit auf die Insel geschafft und ich fand mich in der glücklichen Situation wieder, sie mir mit Lee teilen zu dürfen :D Jippiii! Und sogar eine richtige Bettdecke hatte er mitgenommen, sodass ich Frostbeule nun wirklich keine Angst mehr haben musste auf der Insel zu erfrieren. Das nenne ich Campen! ;)Neugierig wie immer erkundete ich sogleich die Insel und die scharfkantige Felsenkonstellation am einen Ende des Strandes konnte mich natürlich nicht davon abhalten, um die Ecke zu sehen. "Vorsichtig Franzi!", dachte ich bei mir, "Es wäre jetzt schon echt sehr peinlich, wenn du es schaffen würdest dich - keine 5 Minuten auf der Insel - zu verletzen! Nur nicht abrutschen!" So watschelte ich also über die Felsen und schaffte es doch tatsächlich unverletzt an ihr Ende zu kommen. Ich war happy :) Und für die Aussicht, die sich mir bot, hatte sich das Risiko doch wohl gelohnt, oder? Ich begab mich also auf meinen Weg zurück, immer noch sehr vorsichtig, um mich nicht zu verletzen und fand meine Füße schließlich wieder sicher auf Sand stehend. Glücklich über diesen Umstand, nahm ich einen letzten Hopser über ein paar aus dem Sand herausragende Steinchen - und schlitzte mir prompt den großen Zeh auf... war das nicht klar?

Mit blutendem Zeh humpelte ich also über den Strand zurück zu unserem Camp, nur um mir halb besorgte, halb amüsierte Blicke einzufangen. Natürlich, die Deutsche muss sich weh tun! Wie sollte es auch anders sein! Da ich es aber hier mit echten Männern zu tun hatte, wusste man mir gleich zu helfen und desinfizierte meine Wunde sachgerecht. Das Pflaster dazu zu bewegen auf der Wunde zu halten, stellte jedoch schon eine größere Herausforderung dar und so kam es mir sehr zu Gute, dass ich meine Santa-Wuschel-Socken eingepackt hatte, sofern es mir zu kalt werden sollte. So lief ich nun also den ganzen Tag mit einem Fuß mit einer Santa-Socke verziert über die Insel - das ist so Mode hier, ok?!
Nach einem kleinen Snack, bestehend aus "bescheidenen" Crackern in 3 verschiedenen Ausführungen, 2 Aufstrichen, einer Salami, Camenbert und Moschus, entschlossen wir die nun wesentlich weniger beladene "Wet Beaver" erneut zu Wasser zu lassen und ein wenig Schnorcheln zu gehen. Schnorcheln, einfach so, weil man gerade Lust hat, ohne Tour, die man dafür gebucht hat... wie genial! Ein wenig Bauchkribbeln hatte ich ja schon, so ganz ohne ausgebildeten Rettungsschwimmer... auf der anderen Seite, machen das die Jungs ja nicht zum ersten Mal. Also hieß es "Masken auf, Schnorchel in den Mund, Flossen an die Füße und Rücklinks ins Wasser".
Lee bewaffnete sich zusätzlich mit einer Harpune und ging beständig auf Tauchstation, um möglicher Weise einen großen Fisch zu jagen. Dabei erschreckte er mich so manche Male, beim plötzlichem aus der Tiefe auftauchen. Ansonsten genoss ich es sehr, mir alle Korallen und Fischlein anzusehen, die es da so gab. Zwar sah ich nicht unbedingt etwas neues, jedoch ist es doch eine ganz andere Erfahrung einfach mal Schnorcheln zu gehen, ohne auf irgendwelche Terminpläne acht geben zu müssen. Einzig meinem Zeh gefiel die Idee Schnorcheln zu gehen nicht ganz. Zwar hielten sich die generellen Schmerzen meines kleinen Freundes in Grenzen und er brannte noch nicht einmal im Salzwasser, aber das beständige Reiben einer Schwimmflosse war dann doch etwas zu viel für den Kleinen. So schwamm ich also mehr wie eine halbseitig gelähmte Robbe durch das Wasser, was auf die Dauer schon ein wenig anstrengend wurde. Doofer Stein......Nach erneutem Umsetzen des Bootes setzte ich deshalb bei diesem Tauchgang aus und verbrachte die Zeit, gemeinsam mit Ben, der auch erstmal genug hatte, auf dem Boot. Es dauerte jedoch nicht lange bis, zumindest die Jungs, ziemlich aufgescheucht wieder kamen und zügig das Boot betraten. Auf unsere fragenden Blicke hin erzählte man uns, sie wären da hinten auf einen ziemlich großen Hai gestoßen. All das, während Sophie noch weiter im Wasser planschte und fröhlich das Untertauchen übte. Auf einmal war ich gar nicht mehr so böse, dass ich mir den Zeh aufgeschlitzt hatte, denn schließlich hatte mich das davor bewahrt hier ins Wasser zu gehen.
Wir zogen also weiter und entschlossen uns, ein wenig Fischen zu gehen. "Na toll", dachte ich, "stundenlang auf dem Boot rum sitzen... zum Glück habe ich mein Buch mitgenommen. Ich hoffe nur, ich bekomme keinen Sonnenbrand". Doch was mich erwarten sollte war ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte und an Lesen war bei diesem Fischen ganz sicher nicht zu denken. Statt das Boot nur irgendwo abzustellen und darauf zu warten, dass ein Fisch sich entschließt eine Mahlzeit zu sich zu nehmen, in der tragischer Weise sein Todesurteil steckt, verließen sich die Jungs ganz auf die neuste Technik. Ausgerüstet mit einem Unterwasser-Radarsystem, das grafisch genau anzeigt, wenn sich ein Fisch unter dem Boot befindet und das sogar relativ genau seine Größe bestimmt, betrieben wir "Action-Fischen".

Dazu wurde das Boot von einem Ort zum anderen bewegt, immer mit einem Auge auf das "Radarsystem" starrend, während die Angelrouten über das Heck des Bootes ausgeworfen wurden. Erschien nun die Silhouette eines großen Fisches auf dem Bildschirm, so hofften wir, dass unser Köder genug Anreiz für ihn bieten würde, um ihn dazu zu bewegen, ihn zu verschlucken. Und tatsächlich, die Fische bissen an!Nach 2 missglückten Versuchen, die am letzten Schritt - dem, den Fisch mit einem Haken ins Boot zu hieven - scheiterten, schafften unsere 2 Fischermänner es einen großen "Spanish Mackerel" ins Boot zu holen. Dabei mussten wir sehr vorsichtig sein, den "Spanish Mackerels" haben sehr scharfe Zähne und scheuen nicht davor zurück, diese in ihrem Todeskampf einzusetzen. Ein paar beherzte Schläge auf den Kopf und einen Messerstich später, war es mir der Wehrerei jedoch vorbei und der Fisch baumelte Kopfüber in einer Kiste um auszubluten.

Bei dem ganzen Fischblut, was über den Boden des Bootes verstreut wurde, wurde ich ja schon ganz panisch. Wer weiß, welche Krankheiten man sich einfangen kann, wenn deren Fischblut auf meine offene Wunde kommt. Am Ende ende ich noch wie Spiderman... naja, nur, dass ich Wasserblasen vor mich hin blubbere, statt Spinnweben zu schleudern... irgendwie hört sich das bei Spiderman cooler an!

Natürlich musste unser Fang gleich dokumentiert werden und so posten wir alle mit unserem Fisch für die Fotokamera. Dabei hatte dieser Fisch schon ein Gewicht, das es mir schwer machte ihn länger als eine Minute zu halten. Aber für ein gutes Foto nimmt man solche Strapazen ja auf sich.
Nun wollte Sophie ihr Glück versuchen. Mit einem Gurt ausgerüstet, der es ihr erleichtern sollte die Angel in der Hüftgegend abzustützen (und der zugegebener Maßen echt zum Schießen aussah ;) ) ließen die Fische nicht lange auf sich warten. Nach langer Kurblerei musste sie jedoch schließlich aufgeben, da ihre Kraft nicht mehr reichte um die Leine schnell genug einzuholen.
Ihr Freund, Ben, sprang als Held in glänzender Rüstung ein und vollendete das Werk. Und was hatten wir gefangen? Erneut einen "Spanish Mackerel", diesmal aber sogar noch größer als sein Vorgänger. Da nun also das Essen für den Abend auf jeden Fall gesichert war, dachte ich mir, ich könnte auch einmal versuchen einen Fisch zu fangen. Wenig später stand ich also, wie eine blöde Kurbelnd, am Heck des Bootes und lieferte mir einen Kampf mit meinem Fisch. Ich muss gestehen, ganz ohne Lee's Hilfe, der mir die Angelroute, zusätzlich zu meinen kläglichen Versuchen zu Kurbeln UND gleichzeitig gescheit Festzuhalten, hielt, wäre ich wohl nicht fähig gewesen, den Fisch aus dem Wasser zu holen. Da! Schon konnte ich den Fisch sehen! Nun war klar: Noch ein Spanish Mackerel, aber noch um einiges größer, als die beiden anderen! Kein Wunder, dass der so schwer einzuholen war. Ich hoffte nur inständig, dass der Fisch nicht zu stark kämpfen würde und "weg rennen" würde, wie man das hier nennt. Schwimmt der Fisch nämlich mit aller ihm noch zur Verfügung stehenden Macht in die entgegengesetzte Richtung, so hat man keine andere Chance als ihn Rennen zu lassen und das Spiel von vorne zu beginnen: Wieder die Leine einholen und hoffen, dass er das Spielchen nicht nochmal spielt. Nach 2 Fluchtversuchen hörte man mich auf dem Schiff nur noch ächtzen: "Verdammter Fisch! Wenn du nochmal weg rennst schwöre ich dir, ich spring hinterher und hau dich K.O.!"... Wenig später rannte er wieder... ich blieb jedoch trocken... hatte mir das ganze dann doch anders überlegt... man weiß ja nie, welche anderen großen Fische sich da unten auf dem offenen Meer noch so rumtreiben ;)
Nach also insgesamt 4 mal Einholen, schien der Fisch schließlich genauso k.o. zu sein, wie ich, und es gelang uns ihn auf den Haken zu bekommen und ins Boot zu hieven. Mensch war das ein Riese! Die Jungs waren mächtig stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte, den größten Fisch (und ich zitiere an dieser Stelle Lee) "den die Wet Beaver je gesehen hat" an Bord zu holen. Die Jungs waren nun wirklich in Fische-Fieber, aber Sophie und ich konnten sie überreden, dass 3 Riesenfische doch wohl ausreichen sollten, um uns alle satt zu bekommen. Außerdem war es nicht mehr lange hin, dass die Dämmerung einsetzen würde und wir hatten noch kein Feuerholz gesammelt um die Nacht über Licht und Wärme zu sichern. Also machten wir eine Kehrtwende und kehrten zurück auf "unsere" Insel. Dort schlugen wir uns ins Hinterland und suchten nach geeignetem Feuerholz, was sich als schwieriger herausstellte als man vielleicht annehmen würde. Entweder die großen Äste hingen noch an einem Baum und waren zwar ausgetrocknet, weigerten sich aber dennoch beständig, sich vom Fleck zu rühren, oder das Holz war von Termiten ausgehöhlt worden und ließ sich zwar gut abbrechen und mitnehmen, würde jedoch nicht allzu lange brennen. Eine gute Mischung von beidem war es also, für das wir uns entschieden und nach etwa 15 Minuten türmte sich ein kleiner Holzberg neben unserem Lager auf.
Noch ein paar letzte Fotos mit unseren Fischlein und dann mussten auch sie ihr "Fell lassen" ;) Und glaubt es oder nicht, ich war plötzlich wirklich interessiert daran, wie man so einen Fisch denn filetiert. Also begutachtete ich an den beiden ersten Fischen aufmerksam, wie Rob fachmännisch den Fisch auseinander nahm und ließ mir ganz genau erklären, was ich da vor mir sah. Beim 3. Fisch versuchte ich dann mein Glück und stellte mich (für jemanden, der noch nie Fisch zubereitet hat und Fisch eigentlich auch gar nicht mag) gar nicht so schlecht an. Zwar konnte man meine Stücken ganz deutlich von seinen unterscheiden (meine hatten eine ganz ausgefranste Oberfläche, weil ich immer wieder nachstechen musste, während seine schön gleichmäßig und in einer Bewegung zerschnitten worden waren), aber ich war trotzdem ganz schön stolz auf mich :) Danach hieß es dann die Fillets zerkleinern und in Tüten packen. Nachdem all die Arbeit verrichtet war, hatten wir wirklich eine ganze Menge Fischfleisch übrig: 24 Kilo schätzten unsere Profis und die Kühltruhen ächzten unter dem zusätzlichen Ballast.

Dem konnten wir natürlich nur mit einem ausgiebigen Abendessen entgegenwirken :) So gab es also Würstchen, Toast, Steak und Fisch und von alledem nicht gerade wenig in der Menge. Ich wollte natürlich auch meinen Fisch probieren - wenn ich ihn schon mit meinen eigenen Händen gefangen habe! - und musste zu meiner Überraschung feststellen: Hey der schmeckt ja sogar! Wow, mein erstes Fischerlebnis (mal ganz von Fischstäbchen abgesehen), das nicht in einem Desaster endete!

Wir genossen den Abend also mit gut gefülltem Magen und guten Getränken bei Lagerfeuermusik am Strand - könnte es idyllischer sein? An solch ein Campen könnte ich mich doch wirklich gewöhnen! Wo in Deutschland matschiger Schlammboden - maximal (und das auch nur, wenn man Glück hat) Grassboden - auf einen wartet und man von Mücken nur so zerstochen wird, genießt man hier angenehmen Sand unter sich, darf sogar ein Feuer machen (ok, ok, eigentlich darf man das nicht, aber es war ja keinerlei Gestrüpp in der Nähe und Sand brennt ja bekanntlich nicht) und hat als Geräuschkulisse das Rauschen des Meeres. Traumhaft!!!

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