Samstag, 28. November 2009

Rodeo und Ginger Mule

Im „Great Western“ hatte die Show natürlich schon ohne mich angefangen und ich erreichte den Pub genau in jenem Moment, als die Pause an stand. Auch nicht schlecht, so konnte ich mich wenigstens ohne Ablenkung mit Regina und Jacko unterhalten. Ganz aufgeheizt von allem, was sie bisher gesehen hatte, war Regina nun ganz scharf darauf, selbst einen der Bullen zu reiten und war schnurstracks zu einem der Cowboys gelaufen. Diesem hatte sie von ihrem Vorhaben berichtet und um Erlaubnis gefragt. Zu Jackos und meiner Überraschung hatte dieser doch tatsächlich eingewilligt, und so stand sie wenige Minuten später völlig hibbelig und gut gelaunt in voller Montur – inklusive Schutzweste und Helm – bereit um auf den Bullen aufzuspringen. Jacko und ich erklärten sie währenddessen schon offiziell für verrückt, waren wir doch ganz schön besorgt, dass sie sich verletzten würde.
Zu Reginas Enttäuschung jedoch, kam schließlich der Veranstalter des Rodeos auf sie zu und erklärte ihr, dass er sie leider nicht Reiten lassen könne. Sie sei schließlich nicht für Fälle wie Rodeo-Reiten versichert und außerdem gäbe es im Moment zu viele Zuschauer, sodass er fürchtete, dass auch noch andere auf die selbe riskante Idee kämen. Von Reginas Dackelblick jedoch sichtlich erweicht, ließ er sich darauf ein, ihr einen Ritt am nächsten Tag zu erlauben, sofern sie lange vor der eigentlichen Show aufkreuzen würde, sodass kein Publikum anwesend wäre. Dieses Versprechen reichte Regina aus, um ihre Stimmung wieder zu heben und so genossen wir auch den zweiten Teil der Show noch gemütlich bei einem Bier.
Dabei waren es nun die Kinder, die ihren Auftritt hatten und da gab es doch tatsächlich schon kleine Knirpse (und zwar sogar sowohl männliche als weibliche) ab 6 Jahren, die sich trauten, sich mit dem Bullen anzulegen. Na mich hätte man ja nicht da hoch bekommen... weder heute, noch vor 13 Jahren ;)


Als schließlich auch die zweite Runde beendet war, zogen die Cowboys nun ihren letzten Trumpf aus der Tasche: Den mechanischen Bullen. Zwar war das nicht mal halb so cool, wie ein echter Bulle, aber Regina wollte es sich trotzdem nicht nehmen lassen, auf ihm zu reiten. Wir können es ja als Training für den echten Bullen auffassen ;)


Auf diesen Bullen ließ sogar ich mich ein und so begaben wir uns beide auf den Rücken des „Biestes“ ;) Amüsanter Weise stellte ich mich dabei sogar geschickter an als sie, was mich jedoch trotzdem nicht von der „einen echten Bullen reiten“-Idee überzeugen konnte.
Gegen halb 10 Uhr schließlich, ließ Aussie verlauten, das er mit der Arbeit fertig wäre und kam vorbei um mich abzuholen, sodass ich mich ein wenig fürs Tanzen gehen heraus putzen könnte. Bei ihm angekommen fand ich dann ein bereits bekanntes Gesicht wieder, denn Sam war schon wieder ins Haus zurück gekehrt und belagerte dieses mit …, einem weiteren Freund - allem Anschein nach schon eine ganze Weile.
Ich schmiss mich also in mein kurzes schwarzes Partykleid, dass ich mir in Mackay zugelegt hatte und schon konnte es los gehen in Richtung „Ginger Mule“.
Dabei hatte sich die Bar an einem Samstag Abend von einer gemütlichen Lounge in einen echten Club verwandelt und war von allerhand jungem Publikum (ok, ok, im Verhältnis zu mir war der überwiegende Teil wohl gute 5 Jahre älter... ihr wisst was ich meine ;) ) gut besucht. Plötzlich hatte sich aus dem nichts eine Tanzfläche erhoben und zu meiner Überraschung fand ich Ben, Aussies Mitbewohner, hinter dem DJ-Pult wieder. Außerdem gab es eine tollen Außenbereich auf dem Dach des Gebäudes, auf den ich mich zurück zog und wieder einmal viele interessante und amüsante Gespräche mit allerlei neuen Gesichtern führte, die mir von meinen neuen Freunden vorgestellt wurden.
Um etwa 2 Uhr jedoch bat man dann auf die Gäste des „Ginger Mule“ freundlich sich zum Ausgang zu bewegen, denn der Club würde schließen. Ein wenig befremdlich war das ja schon anzusehen, schließlich ist in Deutschland an einem Samstag Abend wohl so ziemlich jeder Club bis etwa 3 Uhr oder 4 Uhr mindestens geöffnet. Da mein Bus am nächsten Tag bereits um 5:45 Uhr gehen sollte, beschloss ich die Nacht einfach durch zu machen und begleitete die Jungs zu einem anderen Club. An dessen Türschwelle jedoch wollte man zum ersten Mal, seit ich in Australien bin meine deutschen Papiere (d.h. Deutschen Führerschein, sowie deuten Personalausweis) nicht anerkennen und ich wäre nur hinein gekommen, hätte ich meinen Reisepass mit gehabt. Etwas enttäuscht war ich ja schon, doch ändern konnte ich es ja offensichtlich nicht. Während Aussie und der Rest der Jungs also im Club verschwanden, war Sam so nett mich zu Aussie nach Hause zu begleiten. Etwas gutes hatte das ganze ja: Wenigstens würde ich genug Zeit haben, um in Ruhe meine Sachen zu packen. Kaum mit dem Taxi angekommen mussten wir aber feststellen, dass jemand die Hintertür abgeschlossen hatte, die wir extra für den Fall, dass ich früher zurück kommen würde, aufgelassen hatten. Da standen wir nun also, mitten in der Nacht, vor einem Haus, zu welchem wir keinen Schlüssel besaßen. Wir schlichen also um das Haus herum und hofften auf ein geöffnetes Fenster und tatsächlich: Wir hatten Glück! Eines der Fenster war geöffnet. Dumm nur, dass das Haus auf Stelzen stand, und es damit ziemlich hoch lag. Wir behalfen uns mit einer Mülltonne und in einer heldenhaften Aktion, schwang Sam sich ins innere des Hauses und landete mich einem lauten Krach auf der anderen Seite des Fensters. 5 Sekunden später öffnete sich die Vordertür magisch für mich ;) Gut, dass ich meinen persönlichen Helden mit nach Hause gebracht hatte ;)
So verbrachte ich nun also den Rest meiner Zeit mit Packen und schließlich fanden wir um 4.15 Uhr doch noch eine Stunde Zeit zum Schlafen, bevor mich mein Taxi um 5.15 Uhr abholen sollte, um mich zur Greyhound Busstation zu bringen. Völlig verschlafen kam ich dort also an und ein ebenso müder Aussie erwartete mich dort schon um sich von mir zu verabschieden. Praktisch, dass ich gleich ein Taxi mitgebracht hatte, das er nach Hause nehmen konnte ;)

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