Freitag, 27. November 2009

Über den Entenfänger von Rockhampton, Monsterschildkröten und Ameisenhintern

Am nächsten Morgen erwachte ich - ganz ohne von Plastiktüten-Gekruschel oder Herumgetrampel gestört worden zu sein - ganz einfach durch meinen Wecker. Welch ein Luxus!
Wenig später holte mich auch schon Aussie mit seinem Auto ab und gemeinsam ging es zum Botanischen Garten, der sich im Norden Rockhamptons befindet. Wie bereits erwähnt, hatte mir Ryan in Mackay den Tipp gegeben, dass es im See des Botanischen Gartens hunderte von Schildkröten gab und deren Anblick wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Also machten wir auf unserem Weg einen kurzen Zwischenstop bei Woolworths und kauften eine Packung Toast-Brot. Dabei hofften wir, dass die Schildkröten nicht schon ganz wählerisch geworden seien, denn bestimmt wären wir nicht die ersten, die ihnen Brot zu werfen würden – schließlich kauften wir gerade einmal das 1 Dollar Brot ;)
Im Botanischen Garten angekommen ging es nun also direkt zum See. Dort erwarteten uns zuerst einmal nur Enten und Gänse – vor letzteren hatte Aussie wie sich heraus stellte tierische Panik, war er doch im Garten seiner Großmutter immer von fiesen, schnappenden Gänsen verfolgt worden. Schließlich zeigten sich auch die Schildkröten – jedoch waren sie keineswegs so süß und freundlich, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Diese Fiecher sahen ganzschön gemein und wie kleine Monster aus! Und wie bei jedem kleinen Monster musste man auch darauf aufpassen, dass nicht statt des Brotes ein Stückchen Finger abgerissen wird. Fieeese Schildkröten!!



Doch mit den Schildkröten konnte ich mich nach dem ersten Schock sowie so nicht länger beschäftigen, denn die ganze Vogelwelt schien beschlossen zu haben, ich müsste jeden von ihnen füttern, anstatt mich mit den Schildkröten zu beschäftigen. Von Gänsen, Enten und sonstigem Vogel-Getier gejagt ging es nun also im Rückwärtsgang auf die Flucht, denn besonders die Gänse kamen einem schon unheimlich nahe und Fauchten einen sogar an, wenn sie nichts zugeworfen bekamen. Die waren ja sogar noch fieser als die Schildkröten!

Aussie und ich hatten trotzdem Spaß und nachdem ich einige Meter von den Gänsen weggespurtet war, gaben diese auch schon entmutigt auf. Ganz schön faul ;) Schließlich konnte ich mich doch noch ein wenig mit den Schildkröten beschäftigen und habe so einige schöne Fotos erhaschen können. Kam nun eine Gans auf mich zu und fauchte mich an, so machte ich mich einfach groß und fauchte zurück. Das hat sie ganz schön verwirrt und zum Rückzug hat es sie außerdem noch getrieben. So kontrollierten wir also die Tierwelt des botanischen Gartens für eine Weile. Ein bisschen kam ich mir ja schon vor, wie der Rattenfänger von Hameln, als mir eine Schar von Enten (natürlich vöööllig unauffällig) folgte, als ich am Seeufer entlang schlenderte. Man war ich mal wieder beliebt ;)
Als uns nun schließlich das Brot ausging, machten wir uns auf den Weg zum kleinen Zoo hinauf, der hier Teil des Botanischen Gartens und damit völlig kostenlos ist.

Vorbei an einem Emu, dessen Drohgebärde sich verdächtig nach Aufstoßen anhörte, sowie großen Echsen, die sich in der Sonne sonnten, gelangten wir ins Vogelgehege. Neben den zahlreichen Vögeln, die wir dort zu Gesicht bekamen, erregte aber noch etwas anderes unsere Aufmerksamkeit: Green Ants. Diese kleinen grünen Ameisen hatte ich schon zur Genüge in Cairns kennen gelernt, wo ich in der zweiten Woche meines Aufenthaltes als Gärtner arbeiten durfte. Während Olga damals unserem Gastgeber zum Opfer gefallen war und sich gezwungen sah auf seine Aufforderung hin den Hintern einer dieser Ameisen abzuschlecken – und sie leistete schon relativ starken Widerstand – wollte ich nun auch endlich wissen, wie denn so ein Ameisenhintern schmeckt. Green Ants werden nämlich schon seit jeher von Aborigines zur Limonadenherstellung genutzt, denn ihr Hinterteil soll bekanntlicher Weise nach Zitrone schmecken. Das musste ich doch gleich einmal selbst ausprobieren! Und tatsächlich, ziemlich sauer, ein bisschen stechender sogar, als Zitronen. Aber lecker :) Sogar Aussie, der als einheimischer Australier noch nicht mal wusste, dass man diese kleinen Ameisen essen kann, bekam ich dazu, seine eigene „Ich-lecke-einer-Ameise-den-Hintern-ab“-Erfahrung zu machen ;) Hat er ein Glück mit einem Touri unterwegs gewesen zu sein ;)

Weiter ging es in den wunderschön angelegten Japanischen Garten, wo wir uns auf einer der vielen Bänke erstmal gemütlich niederließen und den Tag genossen. Besonders hatten es mir hier der Bambus angetan, denn was vermutlich als dumme Idee einiger Kinder begann, hatte sich mittlerweile schon fast zur Kunst entwickelt: Einschnitzungen im Bambus. Auf so gut wie jedem Bambusstab fand man hier dutzende Namen von bereits hier gewesenen Touristen und wir konnten natürlich nicht widerstehen, uns auch darauf zu verewigen. So ziert nun also „Franzi, AUS (für Aussie) und Svenson“ einen Bambusstab in Australien. Wenn das mal nichts ist :)
Unsere letzte Station sollte das kleine Museum darstellen, das vor allem ausgestopfte, bzw. aufgespießte (im Falle von Insekten) Tiere beherbergte. Arme Viecher... dafür hatten wir nun die Gelegenheit uns die Schmetterlinge in Ruhe und in voller Pracht ansehen zu können, die den ganzen Tag schon um uns herum geschwirrt waren.
Von groß bis klein gab es da alles und ein Schmetterling war schöner als der andere. Sogar ganze Bilder würden auf Schmetterlings- bzw. Käferformationen erstellt. Aber lasst es selbst auf euch einwirken:



Und sieh mal einer an, wem ich hier auf dem Weg zurück zum Auto über den Weg gelaufen bin:
Schnappi, dem kleinen Krokodil! Hier liebevoll künstlerisch umgestaltet - mit anderen Worten: geklaut und umbenannt - dient er dem Gast des Botanischen Garten als Wegweiser. Ob die Besitzer dieses Schildes überhaupt wissen, welche deutsche Berühmtheit sie sich da vor die Tür gestellt haben? Ich jedenfalls summte gleich einmal das Schnappi-Lied, damit sich das kleine Krokodil auch verstanden fühlen würde ;) Tschüss Botanischer Garten, Tschüss Schnappi!!

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