Samstag, 28. November 2009

Hochzeit in den Höhlen und beständiger Besuch

Ich hatte noch einen weiteren Tipp für die Umgebung Rockhamptons bekommen und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen: Die „Capricorn Caves“, oder auch Capricorn (Name der Region) Höhlen, befanden sich etwa 23 km nördlich von Rockhampton und haben seit ihrer Entdeckung 1882 schon viele Besucher in ihren Bann gezogen.
Ich hatte Glück, denn als ich Aussie davon erzählte, dass ich die Höhlen besuchen wollte, bot dieser mir sogleich an, mich hin zu fahren. Begleiten konnte er mich leider nicht, denn die Kleinsten des Rugby-Clubs feierten heute in „seinem“ Pub das Saisonende und damit hatte er also eine Menge zu tun.
Vorher jedoch brachten wir meine Sachen noch zu ihm nach Hause, denn er hatte mir großzügiger Weise ebenfalls angeboten, die Nacht bei ihm auf einer Matratze verbringen zu dürfen, sodass ich mir das Geld für meine zusätzliche Nacht im Downtown Backpackers sparen konnte.
Schließlich bei den Höhlen angekommen erwartete mich gleich die erste Überraschung, denn direkt am Zugangsweg zu jenem kleinen Shop, in dem die Führung beginnen würde, lag ein Känguru in Lebensgröße. „Aww“, dachte ich, „Wie gemein. Da stopfen die hier ein Känguru aus und legen es an den Weg“. Als ich mich jedoch näherte, bewegte das vermeintlich ausgestopfte Känguru plötzlich seine Ohren! Wenig später folgte der ganze Kopf! Ups! Da kann aber jemand still halten. Ein perfektes Fotomodell also! Das musste ich natürlich gleich ausnutzen ;)
Ein Fotoshooting später, gelangte ich nun also zum Shop, nur um festzustellen, dass die Tour schon vor 5 Minuten und ohne mich angefangen hatte. Schnell eilte ich also mit der Shopangestellten meiner „Gruppe“ nach, nur um mich mit einer Führung und einem älteren Ehepaar wieder zu finden. Wow, Glück gehabt, fast eine Privatführung!


Hinein ging es also in die Höhlen, wo ich – ganz sicher nicht zum ersten Mal in meinem Leben – als erstes natürlich über Stalagmiten und Stalaktiten aufgeklärt wurde. Zum ersten Mal jedoch aber natürlich in Englisch ;) Außerdem erzählte man uns davon, wie viel Wert doch in den Fledermaus-Ausscheidungen stecke, auf denen wir gerade stehen würden und welche sich über die Jahrhunderte hinweg mit dem Boden verbunden hätten... sehr interessant... wo genau wasche ich nochmal meine Schuhe ab? ;) Anhand dieser Ausscheidungen und den Stoffen, die sie beinhalten, können Forscher auf die Ernährung der Fledermäuse, und damit auf die Auswirkungen der Klimaveränderungen, zurück schließen.
In den Höhlen beleuchtete unsere Führung dann allerhand Felskonstellationen und nannte uns die ihnen gegebenen Namen. Da gab es von dem „australischen Festland“, über ein „Kamel, das den Hals hinter dem Rücken verbirgt um sich zu kratzen“ und einem „Bogengang“, bis zu dem „Schattenriss von Tasmanien“ so ziemlich alles, was die menschliche Fantasie hergeben konnte. In alten Tagen jedoch, als es noch keine angelegten Wege durch die Höhlen gab, dienten eben diese fantasievollen Beschreibungen der Felsenkonstellationen den Forschern als Wegweiser. Man muss ihnen die hyperaktive Fantasie demnach wohl vergeben ;)
Unsere Führung hatte es dabei wirklich gut getroffen, denn während sie mir nur etwa zu den Schultern ging und problemlos durch jede noch so niedrige Öffnung kam, musste ich mich so einige Male ducken, um nicht plötzlich Sternchen an der Decke der Höhlen zu entdecken ;)
Durch eine Öffnung der Höhlendecke konnten wir schließlich sehen, was das Geräusch verursachte, dass sich anhörte, als ob ein Fluss über uns hinweg fließen würde: Dort, in einem der vielen Hohlräumen der Höhle, schwirrten Tausende von kleinen Fledermäusen wie wild durcheinander. Auf die Frage hin, ob es da oben einen Ausgang ins Freie gäbe, verneinte unsere Führung und erklärte uns, dass die Fledermäuse allem Anschein nach den Weg nach unten finden und von hier aus ins Freie gelangen würden. „Uh!“, dachte ich, „da möchte ich aber nicht anwesend sein, wenn die alle auf einmal durch dieses kleine Loch kommen, unter welchem ich noch vor einer Minute stand, um sie von unten beobachten zu können“ Eine Hollywood-reife und ganz schön gruselige Vorstellung!

Weiter ging es zum Highlight unserer Tour: Der Hochzeitskapelle. In diesem „Raum“ treffen gleich mehrere natürliche Spektakel aufeinander. Zu aller erst besitzt er über eine unglaublich gute Akustik. Sie soll sogar genau so gut sein, wie die Akustik im Opern Haus von Sydney! Und das ganz ohne Nachhilfe von Menschenhand. Aus diesem Grund werden hier des öfteren kleine Konzerte veranstaltet, die dann natürlich mit entsprechender Lichtgestaltung untermalt werden.
Für uns gab es leider keine Live-Musik, doch veranschaulichen wollte man uns dann doch zumindest annäherungsweise, welche Möglichkeiten in dem Raum stecken. Und welche Musik könnte besser in eine halb dunkle Höhle voller Fledermäuse passen, als ein episches Enya Lied?
Dabei löschte unsere Führung langsam all jene Kerzen, die sie beim betreten des Raumes angezündet hatte, sodass wir schließlich in einem völlig pechschwarzem Raum saßen. Nicht einmal die Hand ließ sich mehr vor Augen erahnen. Eindrucksvoll!
Das andere natürliche Schauspiel, dass sich zwischen Dezember und Januar genau um 12 Uhr Mittags für einige Minuten beobachten lässt, hat mit Licht zu tun. Leider wusste ich davon nicht früher Bescheid und war damit zu spät zu den Höhlen aufgebrochen. Die Capricorn Höhlen liegen nämlich genau auf der Solstitiallinie. Wem das nichts sagt, der muss sich nun jedoch nicht beschämt vom Computer wegwenden, denn ich muss gestehen, dass ich das Wort auch nachschlagen musste ;) Die sogenannte Solstitiallinie hängt mit der Sommersonnenwende zusammen, die einem vielleicht schon eher bekannt vor kommt. Die Sommersonnenwende stellt dabei den Zeitpunkt dar, in dem sie Sonne im Verlauf eines Sonnenjahres den größten nördlichen oder südlichen Abstand vom Himmelsäquator aufweist. In diesem Falle handelt es sich natürlich um den südlichen Abstand, schließlich befinde ich mich hier ja auf der Südhalbkugel.
Welchen Effekt hat das nun aber defakto auf die Höhlen? Gegen Mittag steht die Sonne hier 100% senkrecht über den Höhlen und durch eine kleine Deckenöffnung fällt damit ein perfekt gebündelter Sonnenstrahl an jene Stelle der Kapelle, die sich am Ende des Kirchganges befindet. Steht nun eine Person in diesem Lichtstrahl, so spiegelt sie die Farbe seiner Kleidung an den Felsen wieder und der ganze Raum erstrahlt in der jeweiligen Farbe. Das nenne ich doch mal ein romantisches „Zeichen Gottes“ für ein Hochzeitspaar ;)
Nachdem wir nun also diesen außergewöhnlichen Raum mit allen Sinnen genossen hatten, ging es zum „Abenteuer-Teil“ unserer Führung. Mit Warnungen für alle, die klaustrophobische Anfälle zu fürchten hatten – was in unserer kleinen Gruppe auf niemanden hinaus lief ;) - bot man uns an, einen der Wege durch die Höhle alleine zu nehmen. Das ließ ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen, und auch Bruce und Carry ließen sich nicht abschrecken. So krochen wir also einen kleinen (und wenn ich klein sage, dann meine ich auch klein!) Gang entlang, in dem vermutlich unsere Führung wieder mal aufrecht hätte gehen können. Wir anderen 3 mussten uns da schon ein bisschen klein machen. Dabei war der Gang so schmal, dass ich sogar den Rucksack abnehmen musste, den ich auf dem Rücken trug, denn ansonsten konnte ich die engen Biegungen einfach nicht passieren. Am Ende des Ganges ging es dann noch über zwei Hängebrücken im Indianer-Jones-Style, auf denen ich mir jedoch verkniff zu Schaukeln... Man muss sein Glück ja schließlich nicht überstrapazieren ;)


Nachdem wir all diese Abenteuer gemeinsam überstanden hatten, hatte ich Glück, denn Bruce und Carry boten mir an, mich nach Rockhampton mit hinein zu nehmen und so fand ich gleich noch ein bisschen Zeit, um die East Street – die lokale Einkaufsstraße – hinunter zu schlendern.
Schließlich mit schmerzenden Füßen vom vielen Laufen machte ich mich quer durch die Stadt auf den Weg zu Aussies Haus, wo ich mich ein bisschen ausruhen und einige Blogeinträge schreiben wollte. Dabei musste ich dann leider mit dem Umstand kämpfen, dass das Haus, anders als das Hostel, nicht sonderlich zentral gelegen war und so wurden meine ohnehin schon schweren Beine schwerer und schwerer. Doch Rettung war nah, denn Aussies Mitbewohner, David und Ben, die mich bereits kurz zu Gesicht bekommen hatten, als ich meine Tasche hinein geschleppt hatte, fuhren mit dem Auto vorbei, erkannten mich wieder, und boten mir eine Mitfahrgelegenheit an. Da sagt eine müde Franzi natürlich nicht nein ;)
Im Haus angekommen hielten wir dann erstmal einen ausgiebigen Plausch, bevor Ben zur Arbeit (in jenem Pub, das Aussie leitet) musste und David sich mit ein paar Freunden Richtung einem der zahlreichen Pubs in der Innenstadt verabschiedete. Keine 2 Minuten nachdem David das Haus verlassen hatte, klopfte es auch schon wieder an der Tür und selbstverständlicher Weise, erwartete ich, dass David etwas vergessen hatte. Als ich die Tür jedoch öffnete, starrte mich ein wildfremder Kerl ebenso verdutzt an, wie ich ihn. „Hi! Ähm, wer bist du?“, fragte ich ihn. „Wer bist DU!?“, kam zurück. „Die neue Hausbesitzerin natürlich. Ich hab das Haus heute übernommen und die Jungs sogleich rausgeschmissen. Was dachtest du denn?“ - verwirrtes Schweigen - „Nein, natürlich nicht, hi, ich bin Franzi, eine Bekannte von Aussie. Ich übernachte heute hier! Wie kann ich dir helfen?“ „Ich bin auf der Suche nach den Jungs“ „Tja, die sind gerade alle ausgeschwirrt“ „Naja, egal, ich komm trotzdem mal rein“, sagte Sam und bewegte sich schnur stracks an mir vorbei ins Wohnzimmer. Verdutzt blieb ich mit der Tür in der Hand stehen und schaute ihm nach. Hm, ich kann doch hier nicht einfach fremde Leute reinlassen, oder? Wobei, auf der anderen Seite ist er vermutlich wirklich mit den Jungs befreundet und ich bin wohl mehr eine Fremde in diesem Haus als er. Raus schmeißen stand also nicht auf der Liste meiner zur Verfügung stehenden Optionen. Also entschied ich mich dafür, einfach bei Sam zu bleiben und mich mit ihm zu unterhalten. So konnte ich definitiv sicher sein, dass er hier nichts anstellte.
Dabei stellte sich dieser als wirklich gute Gesellschaft heraus :) Etwa eine halbe Stunde nach seinem Auftreten klopfte es erneut an der Tür und ein weiterer wildfremder Junge betrat das Haus, ließ sich auf dem Sofa nieder und schaute Fernsehen. Etwa eine Viertel Stunde später und nach einem kleinen Plausch machte er sich wieder auf den Weg. Keine 2 Minuten später tauchte ein neuer Kerl auf – natürlich, wie immer, wohnte auch er nicht im Haus, sondern war nur mit den Jungs befreundet – und gesellte sich zu uns, plauschte und nutzte nebenbei den Laptop einer der Jungs um im Internet zu surfen. „Sagt mal, geht das hier immer so zu?“, fragte ich sie „Was denn?“ „Na, lauft ihr immer so in Häuser rein, in denen die Bewohner nicht zuhause sind und macht es euch gemütlich?“ „Na aber das sind doch unsere Freunde!“ „Ja aber die sind doch nicht Zuhause!?!“ „Also bei uns ist das normal“ … na dann ;)
Nachdem nun also 3 Wildfremde das Haus zwischenzeitlich belagert hatten, wurde es wieder ruhig im Haus und ich musste mich nun wirklich langsam beeilen in den Pub zu kommen, in dem das Rodeo stattfinden würde. Jacko und Regina waren schon eine Stunde dort und genossen bereits die Show. Glücklicher Weise ersparte mir Sam den Weg zum Pub und nahm mich auf dem Weg nach Hause mit dem Auto mit. Meine Füße haben ihm sehr dafür gedankt ;)

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