Sonntag, 29. November 2009

Ankunft in Agnes Water / 1770

Völlig übermüdet stellte die etwa dreistündige Busfahrt eine echte Herausforderung dar. Was ich bisher noch auf keiner Greyhound-Busreise erlebt hatte, war hier eingetroffen: Jeder einzelne der Bussitze war vergeben und so bot sich mir weder der gewohnte Luxus eines freien Platzes neben mir, noch ein Fensterplatz. Das bedeutete für mich: Die Essenstasche und mein Rucksack – beide konnte ich nicht in den Stauraum über meinem Sitz befördern, musste doch das Essen Danke Flüssigkeiten in der Tasche aufrecht stehen und der Rucksack war einfach zu breit – landeten zu meinen Füßen und für den Rest meiner Reise konnte ich damit also nur mit halb angewinkelten und am Vordersitz angelehnten Beinen sitzen. Auch am Fenster anlehnen war leider nicht möglich und so kämpfte ich die überwiegende Zeit meiner Reise mit unbequemen Schlafpositionen. Wenigstens hatte ich eine sehr nette Sitznachbarin erwischt, Karen, Mitte zwanzig und aus Kanada. Auch sie wollte nach Agnes Water und hatte sogar das gleiche Hostel gebucht wie ich. Welch ein glücklicher Zufall!
Endlich in Agnes Water angekommen war ich nur noch glücklich aus dem Bus aussteigen zu können. Viel Schlaf hatte ich ganz sicher nicht bekommen. Wir wurden also vom Bus mit einem Kleintransporter abgeholt und checkten in das nahe gelegene „Cool Bananas“ ein. Das Hostel stellte sich als überaus gemütlich heraus, mit großen Gemeinschaftsarealen, einer tollen Küche und einfachen, aber schönen Zimmern. Karen und ich kamen sogar in das gleiche Zimmer, sodass ich gleich ein bekanntes Gesicht bei mir hatte. Um 10.30 Uhr sollte es nun eine kostenlose Stadtrundfahrt geben, an welcher Karen und ich teilnehmen wollten. Viel Zeit blieb also nicht, nachdem wir unsere Sachen abgestellt und uns ein wenig umgesehen hatten.
Auf ging es also erneut hinein in einen Kleinbus, durch Agnes Water hindurch und in das kleine Küstenstädtchen „Town of 1770“. Dort fuhr man uns hinauf auf einen Hügel, sodass wir die Umgebung überblicken konnten. Dabei erinnerten die Sandbänke, die sich überall vor der Küste erstreckten, stark an die Whitsunday Islands - weiter im Norden des Landes - und gaben der Aussicht einen malerischen Charakter. Hier konnten es sich nur die Reichsten der Reichsten leisten ein Haus zu besitzen, wie uns unser „Stadtführer“ … erklärte. Bereits ein unbebautes Grundstück mit Blick auf das Meer kostete hier um die 2 bis 3 Millionen Dollar. Und so wie die Nachbarschaft aussah, war es ganz sicher nicht nur das Grundstück, das man sich hier etwas kosten ließ.


Auf dem Rückweg erklärte man uns, wo wir Einkaufen gehen könnten und von diesem Angebot machten wir natürlich gleich Gebrauch, schließlich hatte ich ja seit meinem Abendessen nichts mehr gegessen.
Zurück im Hostel angekommen hieß es dann für mich erstmal Schlaf nachholen. Zum Glück gab es genügend Hängematten, in denen man sich niederlassen konnte und diese waren doch viel bequemer und Australien-angemessener als ein einfaches Bett ;) Erst am Abend kroch ich also wieder aus meiner Hängematte heraus. Währenddessen hatte sich das Gemeinschaftsareal bereits mit hungrigen Mäulern versammelt und Karen und ich kochten uns sogleich Nudeln und gesellten uns zu ihnen. Die Atmosphäre des Hostels war dabei eine sehr gute. Man hatte das Gefühl, nur nette Menschen würden nach Agnes Water kommen, denn alle waren Freundlich und aufgeschlossen und es war sogar Gang und Gebe im Hostel, die Türen der Zimmer nicht zu verschließen. Da das alle taten, führte das zu einem großen Gemeinschaftsgefühl und einer Sicherheit, die man in manch einem Hostel doch stark vermisst. Als es dunkel wurde, entzündeten die Angestellten des Hostels – fast allesamt ebenfalls Backpacker, die sich dort für eine Weile niedergelassen hatten und für freie Unterkunft ein paar Stunden am Tag arbeiteten – ein Lagerfeuer und packten Marshmallows
aus, die wir, aufgespießt auf einem Stock, gemeinsam rösteten. Welch ein wundervolles Ende für einen anstrengenden Tag!

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